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Navitas: 726.000 Sponsoraktien werden unverfallbar

Navitas Semiconductor beendet Earnout-Streit, startet neue Kapitalprogramme und treibt GaN-Chips für KI-Rechenzentren voran.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Earnout-Vergleich mit SPAC-Sponsor abgeschlossen
  • Neue Aktienprogramme über 375 Mio. USD aufgelegt
  • Umsatzplus von 18 Prozent im ersten Quartal
  • Fokus auf 800-Volt-Architekturen für KI-Rechenzentren

Navitas räumt eine Altlast aus der SPAC-Zeit ab. Das schafft mehr Klarheit bei der Aktienstruktur, löst aber nicht das eigentliche Spannungsfeld: Der Chipentwickler reitet die KI-Rechenzentrumswelle, braucht dafür aber weiter viel Kapital.

SPAC-Streit endet, Verwässerung bleibt Thema

Navitas Semiconductor hat den Earnout-Streit mit Live Oak Sponsor Partners II beigelegt. Mehr als 726.000 bislang gesperrte Sponsoraktien werden damit voll unverfallbar, während 115.775 Aktien verfallen. Der Vergleich beendet alle damit verbundenen Ansprüche aus der SPAC-Fusion von 2021.

Für Aktionäre ist das vor allem ein Transparenzgewinn. Die potenzielle Verwässerung aus dieser konkreten Altstruktur fällt etwas geringer aus als ursprünglich möglich, zugleich wandern weitere Aktien fest in den Bestand.

Separat läuft bereits ein weiterer Earnout-Mechanismus. Am 22. Mai 2026 gab Navitas 3.277.438 Class-A-Aktien aus, um Verpflichtungen aus dem ersten Auslöseereignis der damaligen Fusionsvereinbarung zu erfüllen.

Insgesamt können frühere Legacy-Navitas-Aktionäre und bestimmte weitere Berechtigte bis zu 10.000.000 Class-A-Aktien erhalten. Voraussetzung sind festgelegte Aktienkursziele bis zum 19. Oktober 2026.

KI-Story trifft Kapitalbedarf

Der Zeitpunkt ist brisant. Navitas verlagert den Schwerpunkt weg von Stromchips für Mobilgeräte und Konsumelektronik hin zu Hochleistungsmärkten wie KI-Rechenzentren, High-Performance-Computing, Energieinfrastruktur und Elektrifizierung. Genau dort liegt derzeit die Fantasie.

Ein wichtiger Treiber ist die Verbindung zu Nvidia. Navitas entwickelt Leistungshalbleiter für neue 800-Volt-Hochspannungs-Gleichstromarchitekturen in Rechenzentren, die Nvidia vorantreibt. Aussagen von Nvidia zur Stärke des KI-Infrastrukturmarkts wirken deshalb direkt auf die Wahrnehmung der Navitas-Story.

Das erklärt auch die heftigen Kursbewegungen. Shortseller mussten zuletzt erneut Positionen eindecken, nachdem Nvidia die Nachfrage im KI-Rechenzentrumsmarkt untermauerte. Solche Bewegungen können bei einem verlustreichen Wachstumswert mit hoher Erwartungskomponente schnell überzeichnet wirken.

Die Finanzierung bleibt der Gegenpol zur Wachstumsstory. Im Mai 2026 schloss Navitas ein ATM-Aktienprogramm über 122 Millionen US-Dollar ab, startete ein neues Programm über 125 Millionen US-Dollar und reichte einen gemischten Wertpapierprospekt über 250 Millionen US-Dollar ein.

Besonders sichtbar wurde der Kapitalbedarf durch eine At-the-Market-Platzierung von 6.529.666 Aktien. Zum Ende des ersten Quartals verfügte das Unternehmen über rund 223,4 Millionen US-Dollar an Barmitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und gebundenen liquiden Mitteln.

Operativ zieht das Geschäft an

Fundamental zeigt sich eine Verbesserung. Im ersten Quartal 2026 erzielte Navitas einen Umsatz von 8,6 Millionen US-Dollar, ein sequenzielles Plus von 18 Prozent. Die Non-GAAP-Bruttomarge lag bei 39,0 Prozent.

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Die Hochleistungsmärkte machten bereits den Großteil des Umsatzes aus. In diesem Bereich wuchs das Geschäft um rund 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das zweite Quartal stellt Navitas Nettoumsätze von 10,0 Millionen US-Dollar in Aussicht, mit einer Spanne von 0,5 Millionen US-Dollar nach oben oder unten. In der Mitte der Prognose entspräche das einem sequenziellen Wachstum von mehr als 16 Prozent.

Die erwartete Non-GAAP-Bruttomarge liegt bei 39,25 Prozent, mit einer Bandbreite von 75 Basispunkten. Die operativen Kosten auf Non-GAAP-Basis sollen sequenziell ungefähr stabil bleiben.

Auch produktseitig will Navitas nachlegen. Auf der PCIM 2026 in Nürnberg zeigt das Unternehmen neue GaN- und SiC-Produkte für KI-Rechenzentren, Energie- und Netzinfrastruktur sowie industrielle Elektrifizierung. Die Messe läuft vom 9. bis 11. Juni.

Im Mittelpunkt stehen Plattformen für kommende 800-VDC-Rechenzentrumsarchitekturen. Eine Lösung liefert 20 kW und wandelt 800 Volt direkt auf 6 Volt.

Sie soll eine Spitzenwirkungsgrad von 97,5 Prozent erreichen und die klassische 48-Volt-Zwischenstufe eliminieren. Eine zweite DC-DC-Plattform kommt auf 10 kW, wandelt 800 Volt auf 50 Volt und soll 98,5 Prozent Spitzenwirkungsgrad erreichen.

Analysten liegen weit auseinander

Die Analystenreaktionen zeigen, wie unterschiedlich die Aktie bewertet wird:

  • Baird hob das Kursziel von 9 auf 20 US-Dollar an und verwies auf Wachstumswellen rund um 800-Volt-KI-Rechenzentrumsarchitekturen.
  • Needham erhöhte das Ziel von 13 auf 21 US-Dollar, nachdem Zahlen und Ausblick über den Markterwartungen lagen.
  • Morgan Stanley-Analyst Joseph Moore setzte das Kursziel von 12,50 auf 13,70 US-Dollar herauf, bleibt aber bei „Underweight“.

Die Spanne ist groß. Sie spiegelt den Kernkonflikt wider: Navitas adressiert einen stark wachsenden Markt, muss den technologischen Anspruch aber erst in deutlich höhere Umsätze übersetzen.

Der Markt handelt bereits viel Zukunft. Die Aktie liegt über eine Woche 37,2 Prozent im Plus, über einen Monat 58,4 Prozent und seit Jahresbeginn 249,0 Prozent.

Die nächsten Fixpunkte sind die Craig-Hallum Institutional Investor Conference am 28. Mai 2026 und die Evercore Global TMT Conference am 3. Juni 2026 mit einer Gesprächsrunde um 14:10 Uhr pazifischer Zeit. Bis dahin steht die Aktie zwischen zwei Kräften: bereinigte SPAC-Altlasten und KI-Fantasie auf der einen Seite, Verwässerung und Kapitalbedarf auf der anderen.

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