Zwei Tage nach den Zwischenwahlen sendet die Wall Street ein deutliches Signal: Mit dem Sieg der Demokraten wächst die Angst, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur ausgebremst wird. Der NASDAQ 100 verlor zuletzt zwischen 5,5 und 6 Prozent und steuert auf einen seiner größten Tagesverluste der vergangenen Jahre zu. Besonders Chipwerte trifft es hart.
Warum die Politik den KI-Handel erschüttert
Die Demokraten übernahmen die Kontrolle über Senat und Repräsentantenhaus. Viele Wähler äußerten damit auch ihre Ablehnung gegenüber Rechenzentren. Kritiker verweisen auf den hohen Strombedarf, der die Energiepreise treiben könnte, sowie auf Lärm, Wasserknappheit und die geringe Zahl dauerhafter Arbeitsplätze. In Texas forderte die designierte Gouverneurin Gina Hinojosa von den Demokraten bereits ein sofortiges Moratorium für neue Anlagen.
„Anleger befürchten, dass strengere Auflagen den Ausbau bremsen und Projekte verzögern könnten“, urteilte Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG. Diese Sorge trifft auf eine ohnehin schwelende Unsicherheit: Wann zahlen sich die milliardenschweren KI-Investitionen aus? Schrumpfen die Ausgaben für Rechenzentren, träfe das vor allem die Chiphersteller.
Marktbeobachter nennen weitere Belastungen, darunter erhöhte Anleiherenditen und neue Spannungen im Nahen Osten.
Chipwerte und Einzeltitel unter Druck
Nvidia verlor zuletzt acht bis neun Prozent und fiel auf das Niveau vom April zurück. Noch härter erwischte es Speicherwerte: SanDisk, Western Digital und Seagate büßten bis zu 19 Prozent ein.
Hinzu kamen schlechte Unternehmensnachrichten. Qualcomm legte einen schwachen Gewinnausblick vor und begründete ihn mit steigenden Kosten für Komponenten und Fertigung. Die Aktie sackte um fast 14 Prozent ab.
Arm Holdings verlor mehr als 13 Prozent, weil das Umsatzziel für das laufende Quartal nicht überzeugte. Micron fiel um fast 16 Prozent, nachdem Insidern zufolge ein geplantes Speicherchip-Werk in Taiwan wegen eines drohenden Tarifkonflikts vorerst auf Eis liegt.
Europa zieht mit
Die Turbulenzen sprangen auf Europa über. ASML verlor mehr als neun Prozent und rutschte auf 1.210 Euro, der Börsenwert sank um fast 50 Milliarden Euro. Infineon gab mehr als zehn Prozent ab, im MDAX verloren Aixtron, Suss und Siltronic zweistellig. Der DAX hatte zwischenzeitlich einen Rekord erreicht und drehte dann ins Minus.
Der breite Markt litt ebenfalls: Der S&P 500 fiel um 3,2 Prozent, der Dow Jones um 2,2 Prozent.
Die Experten von Index-Radar sprechen von einer „Übertreibung auf der Unterseite“. Zugleich sehen sie kaum Anzeichen, dass die Korrektur bereits abgeschlossen ist. Entscheidend bleibt vorerst, ob Nvidia das Aprilniveau von rund 8 Prozent unter dem Tageskurs verteidigen kann: Ein Halt dort würde die Verkaufswelle zumindest vorläufig begrenzen.
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