Erst ein neues Rekordhoch, dann der Rückzug: Der Nasdaq 100 zeigt diese Woche, wie schnell Anleihemärkte und Ölpreis die Stimmung an der Technologiebörse drehen können. Nach dem Hoch vom Dienstag deutete sich zur Wochenmitte ein Rückgang von rund einem Prozent an.
Anleiherenditen als Belastung
Der Auslöser liegt nicht im Technologiesektor selbst, sondern am Anleihemarkt. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2004. Parallel dazu bewegte sich die Rendite zehnjähriger Papiere nahe der Marke von 5,11 Prozent, nachdem überraschend starke Einkaufsmanagerindizes und eine schwache Nachfrage bei einer Anleiheauktion die Verkaufswelle verschärft hatten.
Hinter dem Renditeanstieg steckt die Erwartung weiterer Zinsschritte der Federal Reserve. Der Markt preist für die kommenden drei Sitzungen mittlerweile zwei zusätzliche Zinsanhebungen ein. Steigende Ölpreise befeuern zusätzlich die Inflationssorgen — ein iranischer Vertreter warnte vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten, während die US-Regierung einen Diesel-Exportstopp erwägt.
Innerhalb der „Glorreichen Sieben“ zeigt sich die Reaktion uneinheitlich. Apple hielt sich vorbörslich relativ robust, während Meta nach der jüngsten Rally rund um den KI-Agenten Muse etwa 1,7 Prozent von seinem Jahreshoch zurückkam. In der Breite gaben Chipwerte an der Nasdaq weiter nach.
Charttechnik zeigt zwei Szenarien
Aus charttechnischer Sicht bleibt das Bild trotz der jüngsten Schwäche differenziert. Seit dem Korrekturtief vom 29. Juli bei 27.176 Punkten hat der Index eine deutliche Erholung bis auf 30.770 Punkte vollzogen — eine zuvor befürchtete Korrektur in Richtung 26.182 Punkte blieb aus, was für relative Stärke spricht.
Ein nachhaltiger Anstieg über 30.770 Punkte könnte den Bereich um 32.970 Punkte in den Fokus rücken. Kurzfristig gelten 30.163 und 29.902 Punkte als mögliche Zwischenziele einer Konsolidierung. Erst unterhalb von 28.875 Punkten würde sich das technische Bild spürbar eintrüben, mit Rückfallpotenzial in Richtung der alten Marke bei 26.182 Punkten.
Die kommenden Handelstage dürften zeigen, ob der Index die Konsolidierung am bisherigen Junihoch abschließt und einen erneuten Vorstoß auf Rekordniveau wagt — oder ob der Renditedruck am Anleihemarkt die Oberhand behält.
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