Die Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus haben gestern den Nasdaq 100 belastet. Dabei geraten nicht mehr nur spezialisierte Rechenzentrumsanbieter unter Druck: Auch die Absicherung von Schulden großer Technologiekonzerne verteuert sich. Der Index verlor -2,5% und schloss bei 29.187,55 Punkten. Für Anleger rückt damit neben dem Gewinnwachstum die Belastbarkeit der Investitionspläne in den Mittelpunkt.
Kreditmarkt sendet Warnsignale
Nach einem Bericht von Bloomberg Law haben sich die Preise für Kreditausfallversicherungen auf Microsoft, Nvidia und Amazon seit Herbst 2025 teilweise mehr als verdoppelt. Solche Versicherungen dienen der Absicherung gegen Zahlungsausfälle. Ihr Preisanstieg signalisiert wachsende Bedenken gegenüber den Kreditrisiken im Zuge des KI-Schuldenbooms.
Das bedeutet nicht, dass Zahlungsausfälle unmittelbar bevorstehen. Es zeigt aber, dass Anleger für die Übernahme dieser Risiken eine höhere Vergütung verlangen. Die Skepsis reicht damit über die Aktienkurse einzelner Rechenzentrumsbetreiber hinaus.
Im Zentrum der Nervosität steht weiterhin CoreWeave. CNBC zufolge überschritten die Kosten fünfjähriger Kreditausfallversicherungen 1.000 Basispunkte und stiegen innerhalb der Woche um 19%. Reuters berichtet zugleich von Sorgen über den hohen Finanzierungsbedarf und eine mögliche Veralterung von Grafikprozessoren vor Fertigstellung der Rechenzentren.
Für den Nasdaq 100 ist daran vor allem die breitere Neubewertung des KI-Ausbaus relevant. Anleger prüfen zunehmend, ob die erwarteten Erträge die hohen Ausgaben und Finanzierungslasten rechtfertigen.
Investitionsversprechen treffen auf Zinsrisiken
Bloomberg Intelligence zufolge nähern sich die jährlichen Investitionsausgaben der großen Cloudkonzerne einer Billion US-Dollar. Ein großer Teil ist schuldenfinanziert. Dadurch erhält die Frage nach den Finanzierungskosten zusätzliches Gewicht.
Parallel erschweren höhere Ölpreise die geldpolitische Perspektive. Lieferängste im Nahen Osten trieben die Energiepreise gestern nach oben und verstärkten Inflationssorgen. Eine Entlastung durch klare Zinssignale blieb aus: Fed-Chef Kevin Warsh gab keinen konkreten Ausblick auf die nächste Entscheidung.
Barclays erwartet inzwischen Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im Dezember und Januar. Das ist eine Prognose des Hauses, keine angekündigte Entscheidung der US-Notenbank. Deren nächste Sitzung findet am 27.–28. Oktober statt.
Geschäftszahlen müssen Investitionen rechtfertigen
Die anstehende Berichtssaison bietet den Unternehmen Gelegenheit, den Finanzierungsbedenken operative Fortschritte entgegenzusetzen. Hargreaves Lansdown erwartet insgesamt starke Ergebnisse der US-Technologiefirmen. Angesichts höherer Anleiherenditen müssten sie allerdings Erwartungen übertreffen und ihre Prognosen anheben.
Netflix berichtet am 20. Oktober, Tesla am 21. Oktober. Für die Einordnung des Nasdaq 100 zählen dabei nicht allein die ausgewiesenen Gewinne. Entscheidend sind ebenso die Ausblicke und Aussagen dazu, welchen wirtschaftlichen Nutzen die hohen Investitionen bringen sollen.
Damit liegt die Messlatte höher: Wachstum allein dürfte die Zweifel kaum ausräumen, wenn gleichzeitig der Kapitalbedarf steigt und die Finanzierung teurer wird.
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