Ein Friedenssignal aus dem Nahen Osten dreht die Stimmung an den Märkten. Der NASDAQ 100 steuert am Donnerstag auf eine kräftige Erholung zu — nach einem schwachen Mittwoch, der von Fed-Sorgen geprägt war.
Geopolitik schlägt Zinspolitik
Der Auslöser ist ein 14-Punkte-Interims-Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Es sieht ein 60-tägiges Verhandlungsfenster vor und stellt die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder her. Die Angst vor einer Eskalation im Nahen Osten und vor Öllieferausfällen ist damit vorerst vom Tisch.
Der WTI-Rohölpreis fiel daraufhin um 1,46 Prozent auf 74,69 Dollar. Das entlastet wachstumssensitive Technologiewerte spürbar. NASDAQ-100-Futures legten bis 11:32 Uhr UTC um rund 1,43 Prozent auf 30.334 Punkte zu.
Am Mittwoch hatte der Index noch 0,99 Prozent verloren und bei 29.671 Punkten geschlossen. Auslöser war die erste Sitzung unter Fed-Chef Kevin Warsh: Die Notenbank ließ die Zinsen unverändert, signalisierte aber eine mögliche weitere Anhebung im Jahresverlauf. Das reichte für eine Verkaufswelle.
Halbleiter führen die Erholung an
Besonders stark erholen sich Chip-Werte. Arm Holdings legt vorbörslich 9,31 Prozent zu. Western Digital gewinnt 8,21 Prozent — gestützt durch anhaltende Engpässe am Speicherchip-Markt. Applied Materials und Intel folgen mit Aufschlägen von 7,07 beziehungsweise 5,98 Prozent.
Auf der Verliererseite drücken Quartalsergebnisse auf die Stimmung. Accenture verliert 5,75 Prozent nach seinem jüngsten Finanzbericht. Kroger gibt 3,60 Prozent nach. Oracle versucht sich zu stabilisieren, nachdem die Aktie am Vortag um acht Prozent eingebrochen war — ausgelöst durch Bedenken über steigende Investitionen in KI-Rechenzentren.
Technisches Bild und Ausblick
Technisch testet der Index eine Widerstandszone zwischen 30.300 und 30.450 Punkten. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde den Weg zum Allzeithoch bei 30.762 Punkten freimachen. Die 20-Perioden-SMA im 4-Stunden-Chart liegt bei 29.962 Punkten und dient als erste Unterstützung.
Das Volumen beim Mittwochs-Rückgang lag mit rund 400 Millionen gehandelten Anteilen leicht unter dem 30-Tage-Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass institutionelle Anleger nicht in großem Stil verkauft haben.
Um 12:30 Uhr UTC folgen die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Der Konsens erwartet rund 226.000 Anträge. Ein höherer Wert könnte die Rally weiter stützen — weil er den Druck auf die Fed erhöht, von weiteren Zinserhöhungen abzusehen. Zeitgleich veröffentlicht die Philadelphia Fed ihren Konjunkturausblick für das verarbeitende Gewerbe. Die 10-jährige US-Staatsanleihe rentiert indes bei 4,44 Prozent — deutlich entspannter als zu Wochenbeginn.
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