Alphabets enttäuschende Quartalszahlen belasten heute die Terminkontrakte auf den NASDAQ 100. Starke Cloud-Zahlen von Microsoft reichen nicht aus, um die Sorgen über hohe KI-Ausgaben auszugleichen. Damit droht der gestrige Indexgewinn von 0,5% wieder unter Druck zu geraten. Für Anleger zählt zunehmend nicht allein das Wachstum mit künstlicher Intelligenz, sondern dessen Finanzierung aus dem laufenden Geschäft.
Alphabet verschärft Zweifel an KI-Ausgaben
Nach Angaben von Reuters fiel Alphabet im nachbörslichen Handel um fast 10%, während Microsoft mehr als 3% gewann. Die gegenläufigen Reaktionen zeigen, wie deutlich Anleger inzwischen zwischen den großen Technologieunternehmen unterscheiden. Bloomberg berichtet heute ebenfalls über nachgebende NASDAQ-100-Futures nach Alphabets enttäuschendem Umsatz.
Im Zentrum steht dabei nicht eine pauschal schwache Nachfrage nach Cloud-Leistungen. Vielmehr verschiebt sich der Maßstab: Starkes Wachstum allein genügt nicht, wenn hohe Investitionen zugleich die verfügbaren Mittel aufzehren. Genau dieser Gegensatz prägt die jüngsten Ergebnisse.
Alphabet meldete einen freien Cashflow von minus 9,07 Milliarden US-Dollar. Zugleich stieg der Umsatz von Google Cloud auf 30,71 Milliarden US-Dollar und hat sich damit mehr als verdoppelt. Das Suchgeschäft wuchs laut Reuters um 12% und blieb hinter den Erwartungen zurück.
Damit treffen bei Alphabet hohe Infrastrukturinvestitionen auf eine schwächer als erhoffte Entwicklung im Suchgeschäft. Der Cloud-Erfolg konnte diese Kombination an der Börse nicht überdecken. Für den NASDAQ 100 ist das ein Belastungssignal aus einem der Unternehmen, deren Ergebnisse derzeit die Erwartungen an den KI-Ausbau prägen.
Microsoft liefert den Gegenbeleg
Microsoft erwirtschaftete im Septemberquartal laut Reuters einen freien Cashflow von 18,6 Milliarden US-Dollar. Das lag fast 10 Milliarden US-Dollar über den Erwartungen. Gleichzeitig beschleunigte sich das Azure-Wachstum auf 48%.
Die positive Kursreaktion zeigt: Anleger lehnen hohe KI-Investitionen nicht grundsätzlich ab. Sie honorieren vielmehr Unternehmen, die neben Wachstum auch einen belastbaren Mittelzufluss vorweisen können. Reuters beschreibt diese Fähigkeit zur Finanzierung aus dem Cashflow als neue Trennlinie im KI-Boom.
Alphabet erwartet für 2026 Investitionsausgaben von bis zu 205 Milliarden US-Dollar. Für 2027 kündigt das Unternehmen einen deutlichen Anstieg an. Die Frage nach den Erträgen dieser Ausgaben dürfte deshalb über den aktuellen Ergebnisbericht hinaus relevant bleiben.
Für Indexanleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Microsoft liefert Argumente für die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Cloud-Ausbaus. Alphabet verdeutlicht dagegen, dass stark steigende Cloud-Umsätze nicht automatisch einen positiven freien Cashflow sichern.
Zinspause beseitigt den Gegenwind nicht
Zusätzlich bleibt die Geldpolitik im Blick. Die Fed hielt ihren Leitzinskorridor gestern bei 3,75–4%. Lisa Cook und Beth Hammack bevorzugten eine Erhöhung. Die Notenbank bezeichnete die US-Wirtschaft als stark wachsend und die Inflation weiterhin als erhöht.
Die Zinspause bedeutet damit keine Entwarnung. Fed-Chef Kevin Warsh gab laut CNBC keinen klaren Hinweis auf den Dezember-Kurs. Für heute ist zudem der September-Bericht zu den PCE-Preisen angekündigt.
Der NASDAQ 100 muss somit zwei Prüfungen gleichzeitig bestehen: Die Unternehmen sollen ihre hohen KI-Ausgaben durch überzeugende Mittelzuflüsse rechtfertigen, während neue Inflationsdaten den Zinsausblick beeinflussen. Microsoft liefert dafür ein positives Beispiel. Alphabets Zahlen erklären jedoch, warum dieses allein die Stimmung am Terminmarkt heute nicht stabilisiert.
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