Steigende Terminkontrakte verschaffen dem Nasdaq 100 heute etwas Entlastung. Eine Bestätigung durch Unternehmenszahlen steht aber noch aus: Apple und Palantir berichten nach US-Börsenschluss. Nach dem Ausverkauf bei KI- und Chipaktien richtet sich der Blick darauf, ob Geschäftsentwicklung und Ausblicke das Vertrauen in die hohen Technologieinvestitionen stärken können.
Laut Reuters stützen Hoffnungen auf Fortschritte in der Iran-Diplomatie und sinkende Ölpreise die Stimmung zum Wochenauftakt. Damit bessert sich zunächst das Marktumfeld. Die Zweifel an den Erträgen der KI-Ausgaben, die zuletzt Technologieaktien belasteten, sind dadurch allerdings nicht ausgeräumt.
Der Nasdaq 100 beendete den Freitag bei 28.398,59 Punkten. Der Schlussstand bildet den Ausgangspunkt für einen Erholungsversuch, dessen nächste wichtige Bewährungsprobe bereits heute Abend folgt.
Apple und Palantir müssen Vertrauen schaffen
Für Apples viertes Quartal des Geschäftsjahres 2026 erwarten Analysten einen Umsatz von 113,38 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 1,99 US-Dollar je Aktie. Neben den Ergebnissen steht besonders der Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft im Mittelpunkt.
Anleger achten zudem auf die Entwicklung rund um KI und Siri sowie auf steigende Speicherchipkosten. Für die Stimmung gegenüber Technologieaktien zählt damit nicht nur die Nachfrage. Auch die Frage, wie sich zusätzliche Kosten auf das Geschäft auswirken, erhält Gewicht.
Bei Palantir rechnen Analysten für das dritte Quartal 2026 mit einem Umsatzanstieg um 85% auf 2,18 Milliarden US-Dollar. Diese Erwartung verdeutlicht die hohe Messlatte für das Unternehmen.
Beide Berichte treffen auf einen Markt, der Investitionsversprechen kritischer beurteilt. Reuters zufolge haben enttäuschende Ergebnisse von Alphabet, Amazon und Intel die Sorge verstärkt, dass hohe KI-Ausgaben nicht schnell genug angemessene Renditen liefern. Gute Wachstumszahlen allein müssen deshalb nicht genügen, um diese Zweifel zu zerstreuen.
Deutsche Bank setzt auf Neubewertung
Die Deutsche Bank hat US-Technologieaktien von neutral auf „Übergewichten“ hochgestuft. Damit kehrt sie ihre erst wenige Wochen zuvor vorgenommene Herabstufung um. Aus Sicht des Hauses sind die Risiken rund um KI inzwischen weitgehend eingepreist.
Zur Begründung verweist die Bank auf die ausgeprägte Umschichtung innerhalb des US-Aktienmarkts: Technologie- und große Wachstumsaktien verloren in den vorangegangenen drei Wochen rund 11%, während der übrige S&P 500 knapp 6% zulegte.
Die Einschätzung ist ein Gegenpol zur zuletzt pessimistischen Stimmung. Sie beruht darauf, dass der Kursrückgang bereits viele Bedenken berücksichtigt. Eine operative Entwarnung durch die Unternehmen ersetzt diese Bewertungsargumentation jedoch nicht.
Frühere vergleichbare Technologierotationen brachten laut Deutsche Bank durchschnittlich rund 32% Gewinn und etwa 30 Prozentpunkte Mehrertrag gegenüber dem übrigen S&P 500. Das sind historische Vergleichswerte, keine Zusage für den laufenden Erholungsversuch.
Weitere Bewährungsproben folgen unmittelbar
Nach Apple und Palantir legt AMD morgen Zahlen vor. Der Bericht erhält nach Intels enttäuschendem Ausblick zusätzliche Bedeutung für die Einschätzung des Chipgeschäfts. Zugleich stehen morgen die US-Zwischenwahlen an; am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für Oktober.
Damit überlagern sich unternehmensspezifische und gesamtwirtschaftliche Risiken. Eine starke Beschäftigungsentwicklung könnte Hoffnungen auf Zinssenkungen weiter dämpfen. Ein schwacher Bericht könnte dagegen neue Zweifel an der Wachstumsstärke wecken.
Für den Nasdaq 100 lautet die zentrale Frage deshalb nicht nur, ob nach dem Verkaufsdruck wieder Käufer auftreten. Entscheidend ist, ob die anstehenden Berichte die Erwartungen an Wachstum, Kosten und KI-Renditen stützen. Die freundlicheren Terminkontrakte liefern dafür einen Auftakt, aber noch keinen Beleg.
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