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Nahost-Krieg erschüttert Märkte

Der eskalierende Nahost-Krieg führt zu extremen Ölpreisschwankungen, veränderten Zinserwartungen und belastet Verbraucher sowie die globale Konjunktur. Die Unsicherheit hält die Finanzmärkte in Atem.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Extreme Schwankungen beim Ölpreis durch Konflikt
  • Zinserwartungen der Zentralbanken verschoben
  • Verbraucher durch steigende Energiepreise belastet
  • Aktienmärkte zeigen uneinheitliche Reaktionen

Der Nahost-Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hält die globalen Finanzmärkte fest im Griff. Während Ölpreise wild schwanken und Zentralbanken weltweit ihre Zinsstrategien überdenken, spüren Verbraucher, Investoren und ganze Volkswirtschaften die Erschütterungen – von Wall Street bis nach Kanada, von London bis zu den Schwellenländern.

Ölpreis im Ausnahmezustand

Selten hat ein geopolitisches Ereignis die Rohstoffmärkte so heftig durchgeschüttelt. Brent-Rohöl schoss am Montag auf über 116 Dollar je Barrel – ein Mehrjahreshoch – um am Dienstag nach Trumps Andeutungen über ein mögliches Ende des Konflikts um bis zu elf Prozent einzubrechen. Am Dienstagmittag notierte Brent bei rund 91,92 Dollar. Die Revolutionsgarden des Iran erklärten derweil, die Blockade der Ölexporte durch die Straße von Hormus werde erst enden, wenn die Angriffe aufhörten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte gleichzeitig die intensivsten Luftangriffe auf den Iran bislang an.

Diese widersprüchlichen Signale zeigen: Der Markt ist in einem Schwebezustand. „Die anfängliche Reaktion war höhere Zinsen, ein stärkerer Dollar, steigende Ölpreise – alles zusammen belastet die Aktienmärkte“, kommentierte John Belton, Portfoliomanager bei Gabelli Funds.

Belastung für Verbraucher und Konjunktur

Besonders für US-amerikanische Haushalte wird die Lage eng. Die durchschnittlichen Benzinpreise stiegen auf über 3,50 Dollar je Gallone – ein Anstieg von rund 17 Prozent gegenüber dem Niveau vor Ausbruch des Konflikts. Für einkommensschwächere Haushalte bedeutet das weniger Spielraum für andere Ausgaben, was sich rasch auf den Einzelhandel und in der Folge auf den Arbeitsmarkt auswirken kann.

Luke Tilley, Chefökonom bei Wilmington Trust, warnt: Sollte Öl für mehrere Monate zwischen 85 und 100 Dollar je Barrel verharren, steige das Rezessionsrisiko spürbar – „weil der Arbeitsmarkt ohnehin schon unter Druck steht“. Vincent Reinhart von BNY Investments mahnt zur Geduld: Ein echter Ölpreisschock brauche Zeit, um die US-Wirtschaft zu treffen. „Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem es wirklich wehtut“, sagte er – betonte aber, dass länger anhaltend hohe Preise die Dynamik kippen könnten.

Zentralbanken zwischen Inflation und Wachstum

Die Zinserwartungen sind in Bewegung geraten. Die US-Notenbank Fed trifft sich nächste Woche und wird ihre Politik aller Voraussicht nach unverändert im Korridor von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Händler haben die Erwartungen für die erste Zinssenkung inzwischen auf Juli verschoben – vor dem Ausbruch des Konflikts lagen sie früher im Jahr.

In Großbritannien reagieren Investmentbanken noch deutlicher: Sowohl Standard Chartered als auch Morgan Stanley haben ihre Prognosen für eine Zinssenkung der Bank of England (BoE) auf das zweite Quartal verschoben. Öl- und Gaspreise sind seit Ende Februar um rund 50 beziehungsweise 90 Prozent gestiegen, was erheblichen Inflationsdruck erzeugt. Standard Chartered warnt, dass anhaltend hohe Energiepreise die Inflation in der Eurozone um bis zu 1,5 Prozentpunkte erhöhen könnten. Trotzdem: Beide Banken halten Zinserhöhungen in diesem Jahr für unwahrscheinlich. Wie Morgan Stanley formulierte: „Wir sehen uns kaum in der Lage, Zinsanhebungen in Großbritannien vorherzusagen.“

Die Europäische Zentralbank steht vor ähnlichen Abwägungen. Geldmärkte haben die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinserhöhung in diesem Jahr reduziert, nachdem sie am Montag noch als sehr hoch eingepreist worden war.

Aktienmärkte suchen Orientierung

An den Börsen zeigt sich ein geteiltes Bild. Der Dow Jones verlor am Dienstag rund 0,5 Prozent, der S&P 500 gab 0,4 Prozent nach. In Europa und Asien sah es besser aus: Der DAX legte zeitweise über zwei Prozent zu, der STOXX 600 gewann rund 1,65 Prozent. Der MSCI Asia-Pacific-Index stieg sogar um mehr als drei Prozent – ein Zeichen dafür, dass die Erholung global, aber ungleichmäßig verläuft.

Gold profitierte von der Unsicherheit und stieg auf rund 5.212 Dollar je Unze – ein Plus von 1,5 Prozent. Der kanadische TSX legte im Vorhandel leicht zu, da die Goldgewinne den Rückgang der Ölpreise teilweise kompensierten. In Kanada, einem rohstofflastigen Markt, werden alle Augen auf die Inflationsdaten aus den USA und den kanadischen Arbeitsmarktbericht richten, die richtungsweisend für die Zinsentscheidung der Bank of Canada am 18. März sein dürften.

Schwellenländer: Kapital fließt, aber vorsichtiger

Bereits vor dem Aufflackern des Konflikts deuteten sich Verschiebungen bei den Kapitalflüssen in Schwellenländer an. Laut dem Institute of International Finance (IIF) flossen im Februar netto rund 21,7 Milliarden Dollar in Schwellenmarktportfolios – ein starker Rückgang gegenüber dem Rekordwert von 100,5 Milliarden Dollar im Januar. IIF-Ökonom Jonathan Fortun ordnete dies als Normalisierung nach einem außergewöhnlichen Jahresauftakt ein.

Doch der Februar lag noch vor der Eskalation des Nahost-Konflikts. Seitdem ist die Risikobereitschaft der Anleger messbar gesunken. Südkorea zählte zu den Schwellenländern mit den stärksten Kursverlusten. Gleichwohl blieben die Zuflüsse in Schwellenmarktanleihen stabil, mit einem Plus von 14,3 Milliarden Dollar – getragen vor allem von Asien mit 5,9 Milliarden Dollar und Lateinamerika mit 4,3 Milliarden Dollar.

US-Immobilienmarkt: Ein Lichtblick mit Fragezeichen

Inmitten der globalen Turbulenzen lieferte der US-Immobilienmarkt eine positive Überraschung. Die Verkäufe bestehender Eigenheime stiegen im Februar um 1,7 Prozent auf eine saisonbereinigte Jahresrate von 4,09 Millionen Einheiten – Ökonomen hatten einen Rückgang auf 3,89 Millionen erwartet. Niedrigere Hypothekenzinsen lockten Käufer zurück. Der 30-jährige Festzins lag zuletzt bei sechs Prozent, beeinflusst auch von Trumps Anordnung an die Federal Housing Finance Agency, Anleihen von Freddie Mac und Fannie Mae zu kaufen.

Doch der Ausblick trübt sich ein. Der Zinsanstieg bei US-Staatsanleihen infolge des Nahost-Konflikts könnte Hypothekenzinsen wieder nach oben treiben und den zarten Erholungstrend im Immobiliensektor bremsen, bevor die Frühjahrssaison richtig beginnt.

Das übergeordnete Bild bleibt komplex: Ein geopolitischer Schock, der Rohstoffmärkte destabilisiert, Zentralbanken in Erklärungsnot bringt und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks belastet – die Unsicherheit dürfte noch eine Weile anhalten.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.