Heute ist Stichtag. Die Schonfrist der Anleihegläubiger läuft ab — und Mutares hat noch keine offizielle Bestätigung geliefert, ob das Unternehmen die kritische Verschuldungskennzahl wieder einhält. Das ist der Kern der Lage, die Anleger seit Monaten beschäftigt.
Covenant-Frist endet — Ergebnis offen
Im Geschäftsjahr 2025 verletzte Mutares eine Bedingung in den Anleihebedingungen beider Anleihen: das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital lag außerhalb des erlaubten Rahmens. Die Gläubiger gewährten eine Ausnahme bis einschließlich 29. Juni 2026.
Der Vorstand zeigt sich zuversichtlich. Die Wärtsilä-Gas-Solutions-Übernahme schloss Mutares am 1. Juni 2026 ab — sie ist bereits bilanzwirksam und kann die Eigenkapitalkennzahl vor dem Stichtag verbessern. Die SABIC-Transaktion hingegen erwartet das Unternehmen erst in der zweiten Jahreshälfte. Sie kommt strukturell zu spät für den heutigen Stichtag.
Eine offizielle Bestätigung der Covenant-Einhaltung lag zum Redaktionsschluss nicht vor.
Dividende: Basis gesichert, Bonus gestrichen
Für die Hauptversammlung im Juli schlagen Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie vor. Mutares bezeichnet das als Mindestdividende.
Operativ lief 2025 stark: Der Konzernumsatz stieg auf 6,5 Milliarden Euro, das EBITDA kletterte von 117 auf 675 Millionen Euro. Trotzdem gibt es keine Performance-Dividende. Wer auf eine Sonderzahlung gehofft hatte, geht leer aus. Künftige Exits könnten das ändern — Mutares will Anteilseigner dann mit einer zusätzlichen Zahlung am Erfolg beteiligen.
Magirus als möglicher Kurstreiber
Parallel bereitet Mutares den Ausstieg beim Feuerwehr-Spezialisten Magirus vor. Geprüft werden ein Verkauf sowie ein Börsengang. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen — alles hängt von den Marktbedingungen ab.
Magirus bringt solide Zahlen mit: rund 336 Millionen Euro Umsatz in 2025, ein Auftragsbestand von über 880 Millionen Euro und Auslastung bis weit ins Jahr 2027. Das Segment Magirus Defense wächst durch Großaufträge mit attraktiven Margen.
Hinzu kommt ein laufender Beteiligungsverkauf, der im Erfolgsfall einen Erlös im dreistelligen Millionenbereich bringen könnte.
Schuldenabbau und Ausblick
Ab dem zweiten Quartal kauft Mutares mindestens 25 Millionen Euro pro Quartal der Anleihe 2023/2027 zurück. Bis Ende 2026 soll das ausstehende Volumen auf 250 bis 300 Millionen Euro sinken.
Im ersten Quartal 2026 stiegen die Umsatzerlöse auf 1,68 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA drehte auf 11,1 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Mutares einen Konzernumsatz zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro sowie einen Jahresüberschuss der Holding zwischen 165 und 200 Millionen Euro.
Die Aktie notiert bei 28,20 Euro — gut 21 Prozent über dem April-Tief von 23,30 Euro, aber noch immer 22,5 Prozent unter dem Stand vor zwölf Monaten. Bis 2030 peilt Mutares ein jährliches Wachstum von mindestens 25 Prozent bei Umsatz und Jahresüberschuss an. Die früheren Ziele für 2028 — 10 Milliarden Euro Umsatz und 200 Millionen Euro Jahresüberschuss — sollen laut Unternehmensangaben deutlich früher erreicht werden.
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