Mutares startet Mitte Mai ein freiwilliges Rückkaufangebot für einen Teil seiner Nordic-Anleihe. Dahinter steckt mehr als Routine-Schuldenmanagement.
Covenant-Verletzung als Startpunkt
Der Auslöser war eine Verletzung eines Bond Covenants. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital hatte die vereinbarte Grenze gerissen — durch Bewertungseffekte und gestiegene Leasingverbindlichkeiten. Die Anleihegläubiger stimmten einem Waiver zu und verhinderten so eine sofortige Fälligkeit.
Das Rückkaufangebot richtet sich an Inhaber der variabel verzinslichen Anleihe 2023/2027. Gesamtnennbetrag: 250 Millionen Euro, Fälligkeit März 2027. Mutares bietet den Rückkauf von bis zu 25 Millionen Euro an — also 10 Prozent des ausstehenden Volumens. Der Kaufpreis liegt bei 101 Prozent des Nennbetrags plus aufgelaufene Stückzinsen.
Plan: Schulden bis Ende 2026 deutlich senken
Das ist erst der Anfang. Mutares will die Anleiheverbindlichkeiten von derzeit 385 Millionen Euro bis Ende 2026 auf 250 bis 300 Millionen Euro drücken. Ab dem zweiten Quartal 2026 plant das Unternehmen vierteljährliche Rückkäufe von mindestens 25 Millionen Euro.
Das Geld kommt aus Beteiligungsverkäufen. Im ersten Quartal hat Mutares bereits sechs Unternehmen veräußert, darunter Kalzip und die inTime Group. Weitere Exits stehen an: Für Magirus prüft das Unternehmen einen Börsengang oder Verkauf. Auch die niederländische NEM Energy Group steht auf der Liste.
Der Vorstand rechnet damit, dass die verletzte Finanzkennzahl bis Ende Juni 2026 wieder eingehalten wird. Treiber dafür sind die bereits unterzeichneten Akquisitionen von Wärtsilä Gas Solutions und dem ETP-Geschäft von SABIC.
Wachstum trotz Entschuldung
Operativ läuft es besser. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal um 10 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro. Das Adjusted EBITDA drehte von minus 30 Millionen Euro auf plus 11 Millionen Euro.
Für 2026 erwartet Mutares Erlöse zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro sowie ein Nettoergebnis der Holding von 165 bis 200 Millionen Euro. Bis 2030 peilt das Unternehmen ein jährliches Wachstum von mindestens 25 Prozent an — beim Konzernumsatz wie beim Holdinggewinn.
Parallel treibt Mutares die US-Expansion voran. Neben dem bestehenden Standort in Chicago plant das Unternehmen ein zweites US-Büro. Die aktuelle Akquisitionspipeline in den USA umfasst Ziele mit einem Umsatzvolumen von rund 4,8 Milliarden Euro.
Für das Geschäftsjahr 2025 schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie vor — als Mindestbetrag. Bei erfolgreichen Exits soll eine zusätzliche Performance-Dividende folgen.
Die Aktie notiert aktuell bei 26,30 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 12 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 36,75 Euro ist sie noch gut 28 Prozent entfernt — der Markt wartet offenbar auf Beweise, dass der Entschuldungsplan hält.
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