Die Münchener Rück treibt ihre Expansion im Cyberversicherungsgeschäft voran, während sich der Preisdruck im klassischen Rückversicherungsmarkt fortsetzt. Der Rückversicherer meldete am 19. August die Übernahme des US-Cyberversicherers At-Bay zu einem Unternehmenswert von 575 Millionen US-Dollar. Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2027 erwartet.
At-Bay zählt zu den zehn größten Cyberversicherern in den Vereinigten Staaten und kam zuletzt auf Bruttoprämien von 278 Millionen US-Dollar. Die Münchener-Rück-Tochter Hartford Steam Boiler ist bereits seit der Gründung von At-Bay im Jahr 2017 strategischer Partner des Unternehmens.
Für die Münchener Rück ist es die zweite Übernahme in Israel binnen anderthalb Jahren – im März 2025 hatte der Konzern bereits Next Insurance für 2,6 Milliarden US-Dollar erworben.
Preise geben weiter nach
Der Zukauf fällt in eine Phase, in der die Erneuerungsrunden im Rückversicherungsgeschäft schwächer ausfallen als in den Vorjahren. Bei der jüngsten Runde im Juli gaben die Preise, bereinigt um Inflation und veränderte Risiken, um 5,5 Prozent nach.
Über die drei Erneuerungsrunden seit Jahresbeginn beträgt der durchschnittliche Preisrückgang 3,1 Prozent. Konkurrentin Swiss Re berichtete am Donnerstag vergangener Woche von einer ähnlichen Entwicklung – ein Hinweis darauf, dass der Preisdruck die gesamte Branche erfasst und nicht nur ein hausgemachtes Problem der Münchener Rück ist.
Vor gut drei Wochen hatte Vorstandschef Christoph Jurecka bereits die Umsatzprognose für 2026 gesenkt: Der Umsatz der Rückversicherungssparte soll nun bei 38 statt 40 Milliarden Euro liegen, der Konzernumsatz bei 62 statt 64 Milliarden Euro.
Das Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro für das laufende Jahr blieb davon unberührt. Diese Entkopplung von Umsatz- und Gewinnerwartung zeigt, dass der Konzern den Preisrückgang bislang über Kostendisziplin und Portfoliosteuerung auffängt, statt die Ertragsziele anzupassen.
Halbjahresbilanz stützt Zuversicht
Untermauert wird diese Zuversicht durch die Zahlen der ersten Jahreshälfte: Der Nettogewinn lag bei 3,9 Milliarden Euro, die Rückversicherungssparte steigerte ihr Ergebnis um 3 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Besonders kräftig legte die Erstversicherungstochter ERGO zu, deren Gewinn um 28 Prozent auf 321 Millionen Euro kletterte. Jurecka sah den Konzern seinerzeit „auf sehr gutem Weg“ zum Jahresziel.
Die At-Bay-Übernahme passt in dieses Bild: Statt sich allein auf das margenschwächer werdende klassische Rückversicherungsgeschäft zu verlassen, setzt die Münchener Rück auf Wachstumsfelder wie Cyberrisiken, in denen sie über Hartford Steam Boiler bereits Marktkenntnis mitbringt. Ob sich der Zukauf als Wachstumstreiber erweist, dürfte sich frühestens nach dem für das erste Quartal 2027 geplanten Abschluss zeigen.
An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 524,00 Euro und damit 2,6 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 510,63 Euro – ein Zeichen dafür, dass Anleger die strategische Neuausrichtung trotz der schwächeren Umsatzguidance bislang gelassen aufnehmen.
Zum 52-Wochen-Hoch von 575,40 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, fehlen dem Papier noch 8,9 Prozent. Der nächste Termin, an dem sich zeigt, wie sich Preisdruck und Zukäufe in der Bilanz niederschlagen, ist die Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am 12. November.
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