Die Münchener Rück geht mit deutlich weniger Schutz in die atlantische Sturmsaison. Der Rückversicherer kappt seine externe Absicherung radikal. Parallel dazu schwächelt die Aktie an der Börse. Bei 477,20 Euro notiert das Papier aktuell rund 21 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Schutzschild drastisch verkleinert
Der Konzern senkt seine Retrozessionsabsicherung von 1,55 Milliarden auf 600 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Minus von über 60 Prozent. Das Management löste die beiden Sidecar-Vehikel Eden Re und Leo Re auf. Außerdem lief die Katastrophenanleihe Queen Street 2023 ohne Verlängerung aus.
Die Strategie dahinter ist simpel. Bei moderaten Schäden verdient das Unternehmen mehr Geld. Häufen sich große Stürme, steigt die Belastung für die Bilanz. Eine starke Kapitalausstattung liefert den nötigen Puffer. Die Solvency-II-Quote liegt mit 292 Prozent weit über dem internen Mindestziel.
Preisdruck trifft auf milde Prognose
Munich Re rechnet mit einer eher ruhigen Atlantik-Saison. Experten erwarten zwölf bis 13 benannte Stürme und maximal sechs Hurrikane. Das liegt unter dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings verlagert sich das Risiko. Im Nordwestpazifik drohen bis zu elf schwere Taifune.
Im gleichen Schritt kämpft die Branche mit sinkenden Preisen. Ein globales Kapitalüberangebot von 805 Milliarden US-Dollar schwächt die Verhandlungsposition der Rückversicherer. Im Juni brachen die Raten für Sach-Katastrophen um bis zu 20 Prozent ein. Der Konzern reagierte mit Disziplin. Bei der April-Erneuerung schrumpfte das gezeichnete Volumen spürbar.
Solides Fundament und Aktienrückkäufe
Operativ läuft das Geschäft rund. Im ersten Quartal stieg der Konzerngewinn auf 1,71 Milliarden Euro. Das Management hält folglich an der Jahresprognose von 6,3 Milliarden Euro fest. Dennoch verlor die Aktie seit Jahresbeginn über 13 Prozent an Wert. Sie rutschte unter die 50-Tage-Linie.
Als Gegensignal kauft Munich Re eigene Aktien zurück. Das laufende Programm umfasst 2,25 Milliarden Euro. Bis August greift eine erste Tranche von bis zu 900 Millionen Euro. Bis Mitte Juni sammelte das Unternehmen bereits über eine Million Papiere ein.
Am 7. August präsentiert Munich Re den Halbjahresbericht. Dann liegen die Ergebnisse der wichtigen Juli-Erneuerungsrunde auf dem Tisch. Der Bericht wird zeigen, ob der Konzern das Preisniveau im aktuellen Marktumfeld verteidigen konnte. Bis dahin bleibt die anlaufende Hurrikansaison der wichtigste Stresstest für die reduzierte Absicherung.
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