Christoph Jurecka hat am Freitag die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr gedämpft. Der Vorstandschef der Münchener Rück kappte die Umsatzprognose, nachdem sich die Preise in der Rückversicherung bei der Julirunde deutlicher abgeschwächt hatten als erhofft. Die Aktie reagierte prompt: Laut dpa-AFX verlor das Papier bis zur Mittagszeit fast drei Prozent und fiel auf 508,40 Euro. Zum Handelsschluss am Freitag stand der Kurs bei 514,60 Euro, ein Minus von 1,64 Prozent gegenüber dem Vortag.
Preisverfall bei der Julirunde belastet die Guidance
Bei der Erneuerung der Rückversicherungsverträge zum 1. Juli sackte das Volumen um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ab. Risikoadjustiert gaben die Preise um 5,5 Prozent nach, zusammengesetzt aus einem nominalen Rückgang von 4,4 Prozent und einem Effekt aus der Geschäftsmischung von 1,1 Prozent. Über alle drei Erneuerungsrunden des Jahres gerechnet liegt der Preisrückgang bei 3,1 Prozent – merklich mehr als die 2,5 Prozent im Vorjahr. Jurecka ordnete die Entwicklung dennoch moderat ein: Im Juli habe man gegenüber der Aprilrunde keine Beschleunigung der Preiserosion gesehen, das Marktumfeld biete weiterhin attraktive und gesunde Margen für die übernommenen Risiken.
Als Konsequenz kappte der Konzern die Umsatzguidance für die Rückversicherungssparte von 40 auf 38 Milliarden Euro. Für den Gesamtkonzern rechnet die Unternehmensspitze nun mit 62 statt zuvor 64 Milliarden Euro. Die Erstversicherungstochter Ergo soll dagegen unverändert einen Versicherungsumsatz von 24 Milliarden Euro erreichen. Am Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr hält der Konzern trotz der gesenkten Umsatzerwartung fest.
Gewinn übertrifft trotz Umsatzdelle deutlich die Erwartungen
Operativ läuft es für die Münchener Rück derzeit rund. Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern einen Nettogewinn von 2.211 Millionen Euro, im ersten Halbjahr summierte sich das Ergebnis auf 3.925 Millionen Euro. Bereits Ende Juli hatte der Konzern vorläufige Zahlen veröffentlicht, die den Analystenkonsens von 1,786 Milliarden Euro für das Quartal deutlich übertrafen. Getragen wurde das Ergebnis von sehr geringen Großschadenaufwendungen und einem starken Kapitalanlageergebnis. Die annualisierte Eigenkapitalrendite lag im zweiten Quartal bei 25,5 Prozent, für das Halbjahr bei 23,0 Prozent.
In der Schaden-Kosten-Rückversicherung fiel der Nettogewinn mit 1.252 Millionen Euro solide aus, wenngleich die Versicherungserlöse von 4.513 auf 4.044 Millionen Euro zurückgingen und die Combined Ratio sich von 61,0 auf 68,9 Prozent der Netto-Versicherungserlöse verschlechterte. Die Großschäden blieben mit 191 Millionen Euro nach Retrozession klar unter dem erwarteten Wert von 18 Prozent der Netto-Versicherungserlöse – sie machten lediglich 4,9 Prozent aus, aufgeteilt in 54 Millionen Euro Naturkatastrophenschäden und 137 Millionen Euro menschlich verursachte Großschäden. Bei Ergo lief das Geschäft ebenfalls gut: Die Tochter steuerte im zweiten Quartal 321 Millionen Euro und im Halbjahr 556 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei, gestützt von einer auf 4,8 Prozent gestiegenen Kapitalanlagerendite nach 4,0 Prozent im Vorjahr.
Analysten und Konkurrenz sehen ähnliches Bild
RBC Capital Markets beließ die Einstufung für die Münchener Rück am Freitag bei „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 500 Euro. Die Bank verwies darauf, dass die gesenkte Ertragserwartung für das Rückversicherungsgeschäft nicht allzu weit unter den ursprünglichen Annahmen liege. Die Schweizer Konkurrentin Swiss Re hatte bereits am Donnerstag von einer ähnlichen Preisentwicklung berichtet, was den Eindruck eines branchenweiten Trends verstärkt.
Für die Aktie bedeutet das insgesamt ein durchwachsenes Jahr: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 8,47 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 14,94 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 611,40 Euro, erreicht im August vergangenen Jahres, trennen das Papier derzeit 15,83 Prozent. Wie sich das Jahresziel letztlich entwickelt, hängt nach Jureckas eigenen Worten wesentlich vom Verlauf der Hurrikansaison im Nordatlantik ab, die bis November andauert. Zur laufenden Restrukturierung bei Ergo, wo Stellen abgebaut werden sollen, betonte der Vorstandschef auf dem Earnings Call, es handle sich um ein auf fünf Jahre angelegtes Programm – nach nur zwei Quartalen sei ein Zwischenstand noch nicht sinnvoll zu kommentieren.
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