München Re hat seine Eigenabsicherung massiv zurückgefahren. Das ist die zentrale Wette dieser Sturmsaison — und sie könnte aufgehen oder teuer werden.
Weniger Schutz, mehr Eigenrisiko
Der Konzern hat seine Retrozessionsabsicherung von 1,55 Milliarden auf 600 Millionen US-Dollar gesenkt. Ein Rückgang von mehr als 60 Prozent. Beide Sidecar-Vehikel, Eden Re und Leo Re, wurden aufgelöst. Der hauseigene Cat-Bond Queen Street 2023 lief aus — ohne Verlängerung. Munich Re trägt das Sturmrisiko 2026 damit deutlich stärker auf der eigenen Bilanz.
Die Logik dahinter ist klar. Verläuft die Saison moderat, steigen Profitabilität und Ergebnishebel. Die Solvency-II-Quote liegt bei 292 Prozent — weit über dem internen Zielwert. Das gibt dem Konzern den Spielraum für diesen Schritt.
Munich Re rechnet mit einer leicht unterdurchschnittlichen Atlantik-Saison: 12 bis 13 benannte Stürme, fünf bis sechs Hurrikane, davon zwei schwere. El Niño bremst tropische Wirbelstürme über dem Atlantik. Das Risiko wandert in den Pazifik. Im Nordwestpazifik erwartet Munich Re 27 benannte Stürme und 11 schwere Taifune — mit Japan, China und Korea als betroffenen Märkten.
Juli-Erneuerung unter Preisdruck
Der operative Gegenwind ist real. In der Sach-Katastrophen-Rückversicherung sanken die Raten zur Juni-Erneuerung laut Broker Howden Re um 15 bis 20 Prozent. Munich Re erwartet, dass dieses Niveau im Juli weitgehend gehalten wird.
Rekordmengen an Kapital — darunter wachsende Pools aus Katastrophenanleihen — ermöglichen Erstversicherern günstigere Konditionen. Das drückt auf die Margen.
Munich Re reagiert mit Zeichnungsdisziplin. Bei den April-Erneuerungen sank das gezeichnete Volumen um 18,5 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. Der Konzern lehnte Verträge ab, die interne Preis- oder Bedingungsanforderungen nicht erfüllten. Ergebnis: Die risikoadjustierten Preise im eigenen Portfolio gaben nur um 3,1 Prozent nach — deutlich weniger als der Marktdurchschnitt.
Cyber wächst, Halbjahresbericht naht
Abseits des Sturmrisikos zeigt der RiskScan 2026 die strategische Richtung. Cybervorfälle nennen 55 Prozent der befragten Marktteilnehmer als aktuelles Toprisiko. Das globale Prämienvolumen im Cyber-Markt schätzt Munich Re für 2025 auf knapp 15 Milliarden US-Dollar — bis 2030 soll dieser Wert auf rund 28 Milliarden Dollar steigen.
Das operative Fundament bleibt solide. Im ersten Quartal 2026 erzielte Munich Re ein Konzernergebnis von 1,714 Milliarden Euro. Das Jahresziel von 6,3 Milliarden Euro hält das Management aufrecht. Die Versicherungserlöse sanken im ersten Quartal auf 15,0 Milliarden Euro — ein Rückgang von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, den Munich Re hauptsächlich auf Währungseffekte zurückführt.
Das laufende Aktienrückkaufprogramm umfasst 2,25 Milliarden Euro. Die erste Tranche von 900 Millionen Euro läuft bis August 2026 und hat bereits über 850.000 Aktien vom Markt genommen.
An der Börse schloss Munich Re die Woche bei 472,30 Euro — ein Wochenplus von 2,79 Prozent, aber seit Jahresanfang liegt die Aktie noch rund 14 Prozent im Minus. Mit einem KGV von rund 8 bis 9 auf Basis der 2026er-Schätzungen notiert der Titel deutlich günstiger als in früheren Jahren, als die Kennzahl klar zweistellig lag.
Am 7. August legt Munich Re den Halbjahresbericht vor. Bis dahin entscheiden die Juli-Vertragserneuerungen und der tatsächliche Schadenverlauf der Hurrikansaison darüber, ob die Wette auf weniger Absicherung aufgeht.
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