Mehr Risiko in den eigenen Büchern, weniger externe Absicherung — die Münchener Rück baut ihre Rückversicherungsstrategie spürbar um. Der Konzern reagiert damit auf einen Markt, der von billigem Kapital überschwemmt wird und die Preise drückt.
Sidecar-Vehikel laufen aus, Retrozession halbiert
Den deutlichsten Schritt vollzieht München Re bei der Retrozessionsdeckung. Das Volumen sinkt von 1,55 Milliarden US-Dollar auf 600 Millionen US-Dollar — ein Rückgang von über 60 Prozent. Parallel dazu lässt der Konzern seine beiden Sidecar-Vehikel Eden Re und Leo Re auslaufen. Eine Katastrophenanleihe erneuert er ebenfalls nicht.
Das klingt nach Rückzug. Es ist das Gegenteil. München Re nutzt seine Bilanzstärke, um in einem Markt mit gedrückten Preisen mehr vom Kuchen zu behalten. Wer stark genug ist, braucht keine teuren externen Partner.
Die Kapitalstärke stützt diese Logik. Die Solvenz-II-Quote lag Ende März bei 292 Prozent — weit über dem selbst gesetzten Zielkorridor von 200 Prozent. Das gibt dem Konzern den Spielraum, Katastrophenrisiken selbst zu schultern.
Rückkaufprogramm läuft parallel
Neben dem Strategie-Umbau kauft München Re weiter eigene Aktien zurück. Das laufende Programm umfasst bis zu 2,25 Milliarden Euro und läuft bis April 2027. Bis zum 10. Juni erwarb der Konzern bereits 92.562 Aktien im Rahmen dieses Programms.
Die Aktie notiert aktuell bei 488,20 Euro, rund sieben Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht liegt sie mit gut elf Prozent im Minus — der Strategieschwenk trifft also auf eine Aktie, die noch Boden gutmachen muss. Immerhin hat sich der Kurs seit seinem Tief Anfang Juni bereits um knapp zwölf Prozent erholt.
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