Militärausgaben auf Rekordniveau, kommerzielle Lieferketten am Limit: Die Berichtssaison zum ersten Quartal 2026 offenbart einen tiefen Riss im Aerospace- und Verteidigungssektor. Während MTU Aero Engines den Konsens auf ganzer Linie schlug, kämpft Airbus mit Triebwerks-Engpässen — und Boeing setzt auf einen politischen Joker in China.
Airbus: Rüstungssparte rettet ein schwaches Quartal
Die am 28. April vorgelegten Q1-Zahlen zeigen Airbus in zwei Welten. Nur 114 Verkehrsflugzeuge verließen die Hallen — ein Minus von 16 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz sank entsprechend um 6 % auf 12,7 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie landete der Konzern mit 0,33 Euro deutlich unter der Konsensschätzung von 0,46 Euro.
Die Rettung kam von der Verteidigungssparte. Airbus Defence and Space steigerte den bereinigten operativen Gewinn von 77 auf 130 Millionen Euro. Noch beeindruckender: Der Auftragseingang in der Rüstung kletterte auf 5,0 Milliarden Euro — fast das Doppelte des Vorjahreswertes.
Für Schlagzeilen sorgte zudem ein Großauftrag aus China. China Southern Airlines und die Tochter Xiamen Airlines bestellten zusammen 137 Jets der A320neo-Familie mit Listenpreisen von rund 21,4 Milliarden US-Dollar. Lieferungen sind zwischen 2028 und 2032 geplant. Damit reiht sich der Deal in eine Serie chinesischer Narrowbody-Bestellungen ein, nach China Eastern (101 Jets) und Air China (60 Jets).
Das Management hielt an der Jahresprognose fest: rund 870 Auslieferungen, ein bereinigtes EBIT von etwa 7,5 Milliarden Euro und ein freier Cashflow von circa 4,5 Milliarden Euro. Das wäre ein neuer Auslieferungsrekord. Der Flaschenhals bleibt Pratt & Whitney — die Triebwerksknappheit bremst die A320-Hochlaufkurve sowohl 2026 als auch 2027. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von rund 219 Euro, was bei einem aktuellen Kurs von 172,76 Euro gut 27 % Aufwärtspotenzial impliziert.
MTU Aero Engines: Sauberer Volltreffer auf allen Ebenen
Münchens Triebwerksbauer lieferte das überzeugendste Quartal im gesamten Sektor. Der bereinigte Umsatz wuchs um 7 % auf 2,2 Milliarden Euro, der bereinigte operative Gewinn legte um 6 % auf 320 Millionen Euro zu. Der eigentliche Paukenschlag steckte im freien Cashflow: 177 Millionen Euro — mehr als doppelt so viel wie die Konsensschätzung von 85 Millionen.
Treiber war vor allem das Militärgeschäft mit einem Umsatzsprung von 25 %. Die kommerzielle Wartung (MRO) wuchs um 8 %, wobei der Geared Turbofan mittlerweile rund 44 % des kommerziellen MRO-Volumens ausmacht. Der Auftragsbestand erreichte 31,6 Milliarden Euro — rechnerisch ist MTU für drei Jahre ausgebucht.
Strategisch machte der Konzern einen bemerkenswerten Schritt: Die Übernahme des Drohnenantriebsherstellers AeroDesignWorks markiert den Einstieg in den unbemannten Flugsektor. CEO Lars Wagner formulierte es unmissverständlich als Beitrag zur technologischen Unabhängigkeit Europas.
Die Jahresprognose bleibt stehen: Umsatz zwischen 9,2 und 9,7 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT von 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro. Im Militärsegment rechnet das Management für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum im mittleren Zehnerprozentbereich. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 414 Euro — gegenüber dem aktuellen Kurs von rund 392 Euro ein moderates, aber von breitem Konsens getragenes Aufwärtspotenzial.
Kongsberg Gruppen: Europas neuer Rüstungs-Pureplayer vor dem Zahlentest
Seit dem 23. April ist Kongsberg Gruppen ein anderes Unternehmen. Die Abspaltung von Kongsberg Maritime macht den norwegischen Konzern zu einem der reinsten großkapitalisierten Verteidigungswerte Europas — fokussiert auf Defence, Aerospace, Space und Geospatial.
Die Ausgangslage ist beeindruckend. Kongsberg Defence & Aerospace erzielte 2025 einen Umsatz von 25 Milliarden NOK, ein Plus von 32 % gegenüber dem Vorjahr. Die EBIT-Marge der Sparte lag bei 16,1 %, der Auftragsbestand bei rund 125 Milliarden NOK. Auf Konzernebene summierte sich der Umsatz auf 58,6 Milliarden NOK, der Auftragsbestand wuchs um 23 % auf 157,4 Milliarden NOK.
Die globale Expansion nimmt physische Gestalt an:
- Virginia (USA): Spatenstich für eine 100 Millionen US-Dollar teure Raketenproduktionsanlage im Januar 2026
- Newcastle (Australien): NSM- und JSM-Fabrik mit geplantem Produktionsstart 2027
- Jüngste Großaufträge: 2 Milliarden NOK für F-35-Komponenten von Lockheed Martin, 240 Millionen USD für JSM Lot 2 von der US Air Force, 1,5 Milliarden USD CROWS-Rahmenvertrag
Am 6. Mai um 08:15 Uhr MEZ legt Kongsberg die Q1-2026-Zahlen vor — die ersten nach der Abspaltung. Die Erwartungshaltung ist hoch: Im Vorjahresquartal hatte der Konzern mit 28 % Umsatzwachstum überrascht. Von den Analysten stufen 54 % die Aktie als Kauf ein, 38 % als Halten.
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AeroVironment: Vom Drohnenbauer zum Luftverteidigungsarchitekten
AeroVironment hat am 28. April mit der Vorstellung von Halo_Shield einen strategischen Richtungswechsel vollzogen. Das modulare System zur Drohnenabwehr erkennt, verfolgt und bekämpft unbemannte Flugobjekte der Gruppen 1 bis 5, koordinierte Schwärme und sogar Unterschall-Marschflugkörper.
Das Kernprinzip: eine kachelbasierte Architektur. Jede „Tile“ funktioniert als autarke Einheit, kann aber in Netzwerken über Land, See, Luft und Weltraum hinweg verbunden werden. Damit positioniert sich AeroVironment nicht mehr nur als Hersteller von Aufklärungsdrohnen und Loitering Munitions, sondern als Systemintegrator für verteilte Luftverteidigung — in direkter Konkurrenz zu Anduril.
Flankiert wird der Strategieschwenk von laufenden Aufträgen. Jüngst sicherte sich das Unternehmen einen Produktionsvertrag über 14,6 Millionen US-Dollar von der US Army für das VAPOR-Drohnensystem. Erste Halo_Shield-Tiles sind bereits an ausgewählten Standorten im Einsatz.
Die Aktie handelt deutlich unter ihren Januar-Hochs. Der Analysten-Konsens steht auf „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 316,88 US-Dollar — das entspricht einem Aufwärtspotenzial von über 50 %. 16 Kaufempfehlungen stehen nur zwei Halte- und einer Verkaufsempfehlung gegenüber. Entscheidend wird sein, ob auf die Produktankündigung auch tatsächliche Regierungsaufträge für die Halo_Shield-Architektur folgen.
Boeing: Aufträge stützen die Erholungsstory
Boeing setzt seinen Weg zurück über Auftragserfolge fort. Am 30. April sicherte sich der Konzern die bislang größte Bestellung von Biman Bangladesh Airlines: 14 Flugzeuge — acht 787-10, zwei 787-9 und vier 737-8 — im Listenwert von rund 3,7 Milliarden US-Dollar. Für die bangladeschische Airline sind es die ersten 787-10 und die ersten 737 MAX überhaupt.
Der politische Kontext gibt dem Deal eine zusätzliche Dimension: Bangladesch versucht, sein Handelsungleichgewicht mit den USA zu reduzieren und möglichen Zollerhöhungen vorzubeugen.
Im ersten Quartal 2026 erzielte Boeing einen Umsatz von 22,2 Milliarden US-Dollar bei einem kleinen Verlust je Aktie. Die Auftragsbücher erreichten mit rund 695 Milliarden US-Dollar einen Rekordstand, 143 Verkehrsflugzeuge wurden ausgeliefert. Die Marktreaktion fiel mit knapp 5 % Kursplus positiv aus.
Die größte Fantasie liegt allerdings in China. CEO Kelly Ortberg benötigt Unterstützung der US-Regierung, um einen potenziellen Großauftrag chinesischer Airlines abzuschließen — möglicherweise über hunderte 737 MAX. Ein solcher Deal ist an die geplanten Gespräche zwischen Präsident Trump und Xi Jinping geknüpft. BofA-Analyst Ronald Epstein bekräftigte am 1. Mai sein Kaufrating mit einem Kursziel von 270 US-Dollar. Er sieht das größte Potenzial in der Stabilisierung der kommerziellen Produktion auf den 737- und 787-Linien.
Sektor gespalten zwischen Rüstungsboom und Lieferkettenreibung
Die Berichtssaison zeichnet ein zweigeteiltes Bild:
- Rüstungsgetrieben: MTU (Militärumsatz +25 %), Kongsberg (Rüstungssparte +32 % in 2025), AeroVironment (neues Luftverteidigungssystem) — alle drei profitieren direkt vom NATO-Aufrüstungszyklus
- Kommerziell gebremst: Airbus ringt mit Pratt-&-Whitney-Engpässen, Boeing bleibt auf GAAP-Basis defizitär
- Strategische Neuausrichtungen: Kongsbergs Maritime-Abspaltung, MTUs Drohneneinstieg und AeroVironments Architektursprung zeigen: Die Branche definiert sich gerade neu
MTU sticht heraus, weil der Konzern auf beiden Seiten — militärisch und kommerziell — liefert. Kongsberg betritt mit der neuen Pureplayer-Struktur die nächste Wachstumsphase. Airbus bleibt ein Unternehmen der Widersprüche: Rekordauftragsbestand von über 9.000 Flugzeugen, aber chronische Schwierigkeiten, Liefertermine einzuhalten.
Rüstungssektor im Mai: Kongsberg-Zahlen und Chinas Boeing-Entscheidung als Schlüsselmomente
Der nächste große Katalysator steht am 6. Mai an. Kongsbergs erste Quartalszahlen nach der Abspaltung werden zeigen, wie der Markt die neue, fokussierte Struktur bewertet. Bei MTU dürfte der nahezu verdoppelte freie Cashflow institutionelle Investoren anziehen — der AeroDesignWorks-Zukauf öffnet zudem ein neues Wachstumsfeld.
Für Airbus wird 2026 zum Stresstest: 870 Auslieferungen aus einem Auftragsbestand von 9.000 Maschinen zu realisieren, erfordert eine Lösung des Triebwerksproblems. Boeings potenzieller China-Deal bleibt das größte binäre Ereignis für die Aktie — hunderte 737 MAX könnten die gesamte Erholungserzählung auf ein neues Fundament stellen. Und AeroVironment muss nach der eindrucksvollen Halo_Shield-Ankündigung nun Regierungsaufträge liefern. Pressekonferenzen allein reichen nicht.
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