Hohe Inflation trifft auf einen Machtwechsel an der Fed. Für den iShares MSCI World ETF kommt diese Kombination zur Unzeit, weil sein Portfolio stark von US-Technologieaktien geprägt ist. Genau dort wirken höhere Zinsen besonders schmerzhaft: über Bewertungen, Gewinnmultiplikatoren und die Bereitschaft, Wachstum teuer zu bezahlen.
Der ETF notiert aktuell bei 199,13 Dollar und verliert am Dienstag 0,87 Prozent, nachdem er am Montag bei 200,88 Dollar geschlossen hatte. Der Rücksetzer ist klein, aber er kommt nach einem starken Lauf: Über den vergangenen Monat liegt der Fonds noch klar im Plus, während der kurzfristige RSI mit 94,6 bereits extrem heiß wirkt.
Inflation nimmt wieder Fahrt auf
Der US-Verbraucherpreisindex stieg im April saisonbereinigt um 0,6 Prozent. Auf Jahressicht lag die Teuerung bei 3,8 Prozent und damit über den Erwartungen. Der Ölpreisschub im Zuge des Kriegs mit Iran treibt die Preise spürbar nach oben.
Für die Fed ist das ein Problem. Ohne Energie und Lebensmittel stieg die Kerninflation ebenfalls schneller, die Jahresrate lag bei 2,8 Prozent. Der Abstand zum Ziel der Notenbank bleibt damit groß genug, um Zinssenkungsfantasien auszubremsen.
Chris Zaccarelli, Investmentchef bei Northlight Asset Management, bringt es nüchtern auf den Punkt: Wenn Inflation in die falsche Richtung laufe und der Arbeitsmarkt stabil bleibe, könne die Fed die Zinsen wohl kaum bald senken. Für wachstumsstarke Aktien ist genau das die unbequeme Botschaft.
Fed-Wechsel erhöht die Unsicherheit
Parallel dazu rückt Kevin Warsh näher an die Spitze der US-Notenbank. Der Senat stimmte mit 49 zu 44 Stimmen dafür, die Debatte über seine Nominierung zu beenden. Jerome Powells Amtszeit als Fed-Chef läuft am 15. Mai aus.
Warsh steht für einen anderen Ton. Er sprach bereits von einem „Regimewechsel“ bei der Fed und befürwortet eine engere Abstimmung zwischen Notenbank, Finanzministerium und Weißem Haus bei bestimmten nicht geldpolitischen Themen. Das könnte die Kommunikation der Fed verändern, noch bevor die Märkte Gewissheit über den weiteren Zinspfad haben.
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Die nächste geldpolitische Sitzung am 16. und 17. Juni dürfte damit ein früher Belastungstest werden. Bei der jüngsten Sitzung blieb das Leitzinsband bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der interne Dissens war ungewöhnlich groß.
Tech-Gewicht wird zum Hebel
Der iShares MSCI World ETF verwaltet rund 7,86 Milliarden Dollar. Technologie ist mit knapp 29 Prozent der größte Sektor im Portfolio. Das macht den Fonds anfällig, wenn steigende Renditen die Bewertungsprämien großer Wachstumswerte drücken.
NVIDIA ist mit 5,55 Prozent die größte Einzelposition, gefolgt von Apple mit 4,56 Prozent und Microsoft mit 3,29 Prozent. Amazon, Alphabet und Meta zählen ebenfalls zu den Schwergewichten. Der Fonds ist damit zwar global etikettiert, seine kurzfristige Kursmechanik hängt aber stark an US-Mega-Caps.
Dazu kommt Druck aus dem Gesundheitssektor, einer weiteren größeren Position im Portfolio. Washington plant ab Ende Juli gestaffelte Zölle auf importierte patentgeschützte Medikamente. Für Produkte aus der EU, Japan, Südkorea und der Schweiz sind 15 Prozent vorgesehen, für britische Waren 10 Prozent.
Auch der Wettbewerb unter ETF-Anbietern bleibt hart. Morningstar stuft den Fonds zwar mit Gold ein, Invesco bietet ein konkurrierendes MSCI-World-Produkt inzwischen aber mit einer Kostenquote von 0,05 Prozent an. URTH liegt bei 0,24 Prozent und muss seinen Aufpreis weiter über Abbildungsqualität und Liquidität rechtfertigen.
Kurzfristig hängt viel an der Zinskurve. Solange die Inflation wieder steigt und die Fed-Führung wechselt, bleibt der ETF trotz seiner globalen Streuung eng an die Reaktion der großen US-Technologiewerte gekoppelt. Der Juni-Termin der Fed liefert den nächsten konkreten Prüfpunkt.
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