Drei Notenbank-Präsidenten stimmen gegen ihren eigenen Chef. Diese ungewöhnliche Uneinigkeit bei der US-Notenbank schickte den MSCI World ETF am Mittwoch auf Talfahrt. Der breit gestreute Industrieländer-Fonds verlor 0,86 Prozent und schloss bei 200,07 US-Dollar.
Fed spaltet sich in der Zinsfrage
Die Federal Reserve beließ ihren Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Das Ergebnis fiel jedoch denkbar knapp aus: Mit 9 zu 3 Stimmen entschied das Gremium für die Beibehaltung.
Die Gegenstimmen kamen von den Notenbank-Präsidentinnen und -Präsidenten aus Cleveland, Minneapolis und Dallas. Ihr Argument: Die Inflation liegt seit über fünf Jahren über dem Fed-Ziel. Fed-Chef Kevin Warsh sprach von einem robusten Meinungsstreit im Gremium.
Die Wall Street reagierte nervös. Der Dow Jones fiel um 1.153 Punkte, die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2007. Anleger befürchten, die Fed handle nicht entschlossen genug gegen die hartnäckige Teuerung.
Für global anlegende Fonds wie den MSCI World ETF ist das ein Problem. Steigende Anleiherenditen drücken auf die Bewertung von Wachstumswerten – und Technologie-Aktien machen im Index einen erheblichen Anteil aus.
Speicherchip-Sektor bricht ein
Parallel zur Fed-Entscheidung sorgte der Speicherchip-Markt für zusätzliche Unruhe. Der koreanische Hersteller SK Hynix meldete einen Sprung des operativen Gewinns um mehr als 550 Prozent – verfehlte damit aber die Analystenschätzungen um 6 Prozent. Zugleich kündigte das Unternehmen Investitionen von mindestens 31 Milliarden US-Dollar an, ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Reaktion der Anleger fiel heftig aus. Der südkoreanische Aktienmarkt rutschte binnen eines Monats um rund 40 Prozent unter sein Juni-Hoch – der größte Monatsverlust der Geschichte. Der Kospi-Index löste an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erstmals überhaupt zweimal die automatische Handelsunterbrechung aus.
SK-Hynix-Aktien brachen in Seoul um mehr als 9 Prozent ein. Samsung Electronics gab um mehr als 5 Prozent nach. Der US-Konkurrent Micron zeigte sich robuster: Als größter amerikanischer Speicherchiphersteller entging das Unternehmen dem Verkaufsdruck weitgehend, seine Aktien pendelten vorbörslich zwischen leichten Gewinnen und Verlusten.
Charttechnik zeigt Abkühlung
Der Kursrutsch hat den ETF spürbar von seinen Hochständen entfernt. Aktuell notiert der Fonds 5,66 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 212,08 US-Dollar aus dem Juni. Der Relative-Stärke-Index von 44,0 signalisiert dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen – eine neutrale Ausgangslage nach den jüngsten Turbulenzen.
Auf Jahressicht bleibt der ETF mit einem Plus von 7,70 Prozent im grünen Bereich. Die geldpolitische Unsicherheit dürfte den Fonds aber kurzfristig weiter beschäftigen.
Die nächste Weichenstellung kommt früher als das eigentliche Fed-Treffen. Fed-Chef Warsh spricht Ende August beim Jackson-Hole-Symposium in Wyoming, das vom 27. bis 29. August stattfindet. Seine Rede dürfte Hinweise auf die geldpolitische Richtung vor dem nächsten FOMC-Termin am 15. und 16. September liefern – und damit auch für breit diversifizierte Fonds wie den MSCI World ETF richtungsweisend sein.
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