18 von 18 Analysten empfehlen MP Materials zum Kauf. Eine solche Einstimmigkeit ist an der Wall Street eine Seltenheit — und sie wirft Fragen auf. Gleichzeitig liefert Almonty erstmals positiven operativen Cashflow, während Arafura für den Bau seines Nolans-Projekts massiv Kapital aufnimmt. Im Explorationssegment kämpfen Antimony Resources und Apex Critical Metals mit scharfen Kursrückgängen, obwohl ihre Bohrprogramme vielversprechende Ergebnisse liefern.
MP Materials: Die gefährliche Einigkeit der Analysten
Barclays hat die Abdeckung von MP Materials mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 69 US-Dollar aufgenommen. Damit stufen sämtliche 18 beobachtenden Analysten die Aktie als Kauf ein. Die Aktie legte daraufhin 5,1 % auf 64,85 US-Dollar zu.
Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 80 US-Dollar. Morgan Stanley erhöhte sein Ziel jüngst von 62 auf 70 US-Dollar, Wedbush ging sogar von 90 auf 100 US-Dollar. Operativ untermauert MP Materials die Euphorie: Im ersten Quartal 2026 produzierte das Unternehmen rekordhohe 917 Tonnen NdPr-Oxid und erzielte einen Umsatz von 90,6 Millionen US-Dollar bei einem bereinigten EBITDA von 36,6 Millionen.
Die strategische Absicherung liest sich eindrucksvoll. Das US-Verteidigungsministerium investierte 400 Millionen US-Dollar in Vorzugsaktien, stützt einen milliardenschweren Magnetfabrik-Neubau in Texas und wurde damit zum größten Anteilseigner. Apple sicherte sich eine mehrjährige Partnerschaft im Umfang von bis zu 500 Millionen US-Dollar.
Ein Detail verdient besondere Aufmerksamkeit: Während Analysten geschlossen kaufen, haben Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 44,5 Millionen US-Dollar verkauft — bei lediglich einer Million an Zukäufen. Diese Diskrepanz zwischen externer Begeisterung und internem Verhalten sollte Anleger nachdenklich stimmen.
Almonty Industries: Sangdong liefert den finanziellen Wendepunkt
Die Inbetriebnahme der Sangdong-Wolframmine in Südkorea im März 2026 markiert für Almonty den Übergang vom Entwickler zum produzierenden Unternehmen. Die Quartalszahlen belegen den Wandel unmissverständlich.
Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 221 % auf 25,4 Millionen US-Dollar. Getrieben wurde das Wachstum vom kräftig gestiegenen Wolfram-Spotpreis. Noch wichtiger: Der operative Cashflow drehte auf plus 9,7 Millionen — nach minus 4,4 Millionen im Vorjahresquartal. Unter dem Strich stand zwar noch ein Nettoverlust von 5,3 Millionen, der allerdings zu großen Teilen auf nicht zahlungswirksame Bewertungseffekte bei Derivaten und Optionsscheinen zurückgeht.
Sangdong gehört zu den größten und gehaltvollsten Wolframlagerstätten weltweit. Bei voller Kapazität soll die Mine rund 40 % der globalen Wolframproduktion außerhalb Chinas abdecken. Die Verlegung des Hauptsitzes nach Montana unterstreicht die strategische Ausrichtung auf den US-Verteidigungsmarkt.
- Alliance Global hob das Kursziel von 19,25 auf 26,25 US-Dollar an
- Bank of America erhöhte von 20 auf 23 US-Dollar
- 9 von 10 Analysten raten zum Kauf
Der neue CFO Jorge Beristain tritt am 1. Juni seinen Posten an. Der kommerzielle Vollbetrieb wird für das dritte Quartal erwartet.
Arafura Rare Earths: 350 Millionen frisches Kapital — zum Preis erheblicher Verwässerung
Arafura hat die finale Investitionsentscheidung für das Nolans-Seltene-Erden-Projekt getroffen. Baubeginn ist für September 2026 vorgesehen. Das Geld dafür kommt aus einer massiven Kapitalerhöhung — und die hat ihren Preis.
Die institutionelle Platzierung über rund 350 Millionen Australische Dollar erfolgte zu 0,26 AUD je Aktie. Das entspricht einem Abschlag von 16,1 % auf den letzten Schlusskurs von 0,31 AUD. Als die Aktie nach einer Handelsunterbrechung wieder notierte, fiel sie um 9,7 % auf 0,28 AUD.
Gina Rineharts Hancock Prospecting steuert rund 85 Millionen AUD bei und baut seine Beteiligung auf etwa 17,5 % aus. Zusammen mit weiteren Eckpfeiler-Investments — darunter der europäische Infrastrukturfonds EFA und der deutsche Rohstoffsicherungsfonds GRMF — wird Arafura nach Abschluss beider Tranchen über eine Pro-forma-Kassenlage von etwa 1,34 Milliarden AUD verfügen.
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Das Nolans-Projekt ist genehmigt, bau-bereit und soll eine Minenlebensdauer von über 38 Jahren aufweisen. Rund 93 % der verbindlichen Abnahmeziele sind bereits vertraglich gesichert, mit Kunden in Europa, Korea, Australien und den USA. Die nächsten Schlüsseltermine: Aktionärsabstimmung über Tranche zwei am 2. Juli und der angepeilte Baubeginn im September.
Antimony Resources: Aggressive Bohrungen, scharfer Kursrückgang
Die Antimon-Aktie ist ein Lehrstück für die Volatilität im Explorationssegment. An einzelnen Tagen springt der Kurs um über 20 %. Über den vergangenen Monat summiert sich das Minus allerdings auf rund 40 % — trotz eines Zugewinns von 880 % auf Jahressicht. Das Allzeithoch von 1,65 Kanadischen Dollar stammt vom März 2026.
Im Mai startete die nächste Explorationsphase am Bald-Hill-Projekt in New Brunswick. Das Programm umfasst 13.000 Meter Erweiterungsbohrungen in der Hauptzone und 6.000 Meter an drei neu definierten Zonen. Seit April 2025 wurden bereits über 25.000 Meter in 77 Bohrlöchern abgeteuft und mehr als 1.500 Kernproben an Labore übergeben.
Das konzeptionelle Explorationsziel liegt bei rund 2,7 Millionen Tonnen mit 3–4 % Antimongehalt — wohlgemerkt noch keine bestätigte Ressource. Analyseergebnisse werden im Mai erwartet, ein Genehmigungsantrag ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 angepeilt. Antimon ist als Rüstungsrohstoff ohne praktische Substitute kaum ersetzbar, was das strategische Interesse an westlichen Lagerstätten erklärt. Der einzige beobachtende Analyst setzt ein Kursziel von 3,00 CAD bei Strong-Buy-Rating.
Apex Critical Metals: Hochgradige Zonen in Nebraska, technisch überverkauft
Apex Critical Metals notiert aktuell bei 1,18 Euro — ein Plus von 9,2 % am heutigen Tag, das allerdings wenig an der Abwärtsbewegung der vergangenen Wochen ändert. Über 30 Tage beträgt das Minus knapp 9 %. Der RSI von 16,7 signalisiert eine deutlich überverkaufte Situation.
Die Bohrergebnisse vom Rift-Projekt im Elk-Creek-Karbonatit-Komplex in Nebraska liefern weiterhin Aufmerksamkeit erregende Werte: 4,02 % Seltene-Erden-Oxide (REO) über 23,7 Meter, eingebettet in eine breitere 124-Meter-Zone mit 1,94 % REO. Zwei unterschiedliche mineralisierte Horizonte zeichnen sich ab — eine hochgradige, oberflächennahe Zone und ein zweiter Horizont mit außergewöhnlicher NdPr-Anreicherung. Beide bleiben in alle Richtungen offen für Erweiterungen.
Die Aufnahme in das U.S. Defense Industrial Base Consortium verleiht dem Unternehmen strategische Sichtbarkeit. Finanziell bleibt Apex im Explorationsstadium mit einem Quartalsverlust von 2,68 Millionen CAD. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 163 Millionen CAD.
Kapital, China und der Wettlauf um westliche Lieferketten
Die fünf Unternehmen bilden den gesamten Lebenszyklus kritischer Rohstoffprojekte ab:
- Produktion & Cashflow: MP Materials und Almonty generieren Umsätze und profitieren von Regierungspartnerschaften
- Übergang zur Konstruktion: Arafura hat die Finanzierung gesichert und steht vor dem Spatenstich
- Exploration mit Momentum: Antimony Resources und Apex Critical Metals liefern vielversprechende Bohrresultate, müssen aber den Weg zur definierten Ressource noch gehen
- Gemeinsamer Treiber: Chinas Exportkontrollen und westliche Bemühungen um Rohstoffsouveränität treiben die gesamte Branche
Barclays betonte bei der Aufnahme der Sektorabdeckung Kupfer, Seltene Erden und Uran als Hauptprofiteure des wachsenden Ressourcennationalismus. Die Rally bei MP Materials zog auch Branchennachbarn mit — USA Rare Earth legte 7,6 %, Ramaco Resources 5,4 % und Rare Earths Americas 3,5 % zu.
Zwischen Euphorie und geologischer Geduld
Für MP Materials wird die kommende Quartalsberichterstattung zeigen, ob die Magnetfabrik in Texas planmäßig voranschreitet und die Insider-Verkäufe nachlassen. Bei Almonty richtet sich der Blick auf die Hochfahrt von Sangdong zum Vollbetrieb — die Wolframpreise bleiben durch chinesische Angebotsverknappung gestützt.
Arafura steht vor den wohl entscheidendsten Monaten seiner Unternehmensgeschichte. Genehmigt die Hauptversammlung im Juli die zweite Tranche, wäre der Baubeginn im September gesichert. Für Antimony Resources und Apex Critical Metals sind es die nächsten Analyseergebnisse und Bohrdaten, die den Kurs bestimmen werden. Der thematische Rückenwind ist real. Die Kluft zwischen geopolitischer Begeisterung und operativer Realität allerdings auch.
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