Während Berlin noch an der Reform des Generationenkapitals feilt, bauen sich viele Anleger ihre Aktienrente längst selbst. Drei Titel aus dem Gesundheits- und Immobiliensektor zeigen, wie unterschiedlich die Wege zu verlässlichen Ausschüttungen aussehen können — und warum gerade die Kombination den Unterschied macht.
Johnson & Johnson liefert seit einem Vierteljahrhundert steigende Dividenden. AbbVie überzeugt mit einem Quartalsergebnis, das die Skepsis um den Post-Humira-Übergang endgültig zerstreuen könnte. Und Realty Income hat gerade Q1-Zahlen vorgelegt, die selbst optimistische Schätzungen übertrafen. Alle drei Werte eint ein Geschäftsmodell, das auf regelmäßige Cashflows ausgelegt ist — und genau das braucht ein Rentendepot.
Johnson & Johnson: 25 Jahre Erhöhung ohne Pause
Die Dividendenhistorie von Johnson & Johnson liest sich wie ein Lehrbuch defensiver Kapitalanlage. Bei der Hauptversammlung im April wurde die Jahresdividende auf 5,14 USD je Aktie angehoben — ein Plus von 4,68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 25 Jahren steigt die Ausschüttung ununterbrochen. Das durchschnittliche Dividendenwachstum der letzten Dekade liegt bei 5,71 Prozent.
Hinter dieser Konstanz steht eine komfortable Ausschüttungsquote. Über drei Jahre geglättet fließen rund 48 Prozent des operativen Gewinns an die Aktionäre — genug Spielraum für weitere Erhöhungen, ohne die Substanz anzugreifen. Die Gesamtausschüttung erreicht milliardenschwere Dimensionen.
Aktuell notiert die Aktie bei 189,00 Euro und damit rund 7 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von knapp 7 Prozent. Für Anleger mit langem Zeithorizont bietet der Titel genau das, was die Aktienrente verlangt: Verlässlichkeit über Konjunkturzyklen hinweg, getragen von den beiden Säulen Innovative Medicine und MedTech.
AbbVie: Skyrizi-Boom treibt Quartalszahlen auf neues Niveau
Der Immunologie-Spezialist hat Ende April Zahlen vorgelegt, die aufhorchen lassen. Der weltweite Nettoumsatz kletterte um 12,4 Prozent auf rund 15 Milliarden USD. Haupttreiber war das Immunologie-Portfolio mit einem Umsatzsprung von 16,4 Prozent.
Ein Name sticht besonders heraus: Skyrizi. Das Medikament allein erzielte 4,48 Milliarden USD — ein Plus von fast 31 Prozent. Damit hat AbbVie den befürchteten Humira-Abgrund nicht nur überbrückt, sondern in ein neues Wachstumskapitel umgemünzt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg auf 2,65 USD, und die Jahresprognose wurde auf 14,08 bis 14,28 USD angehoben.
Auf der Pipeline-Seite bleibt es dynamisch. Für Rinvoq wurde ein FDA-Antrag zur Behandlung schwerer Alopecia areata eingereicht — gestützt auf positive Phase-3-Daten. Die freiwillige Zusage, über das kommende Jahrzehnt 100 Milliarden USD in US-Forschung zu investieren, unterstreicht die langfristige Ausrichtung.
Die Dividendenrendite liegt bei rund 3,35 Prozent, die Ausschüttung ist seit der Abspaltung von Abbott 2013 jedes Jahr gestiegen. Bei einem aktuellen Kurs von 172,90 Euro — über 17 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch — ergibt sich für Neueinsteiger eine interessante Bewertungssituation. Der Kursrückgang seit Jahresbeginn von knapp 12 Prozent spiegelt die allgemeine Marktnervosität wider, nicht die operative Stärke.
Realty Income: Rekordzahlen und monatlicher Cashflow
„The Monthly Dividend Company“ macht ihrem Beinamen alle Ehre. Im März erfolgte die 134. Dividendenerhöhung seit dem Börsengang 1994 — 32 Jahre am Stück, durch Rezessionen und Pandemien hindurch. Die annualisierte Dividende beläuft sich auf 3,246 USD je Aktie, was einer Rendite von rund 5,08 Prozent entspricht.
Die am 6. Mai veröffentlichten Q1-Zahlen fielen bemerkenswert stark aus:
- Umsatz: 1,55 Milliarden USD — deutlich über den erwarteten 1,39 Milliarden USD
- AFFO je Aktie: 1,13 USD, ein Anstieg von 6,6 Prozent
- Portfolioauslastung: 98,9 Prozent
- Investitionsvolumen: rund 2,8 Milliarden USD bei einer Cash-Rendite von 7,1 Prozent
Die Jahresprognose wurde angehoben: Das AFFO soll zwischen 4,41 und 4,44 USD je Aktie liegen, das geplante Investitionsvolumen stieg auf 9,5 Milliarden USD. Besonders das internationale Geschäft entwickelt sich zum Wachstumsmotor. Seit dem Start der Europa-Expansion 2019 flossen fast 17 Milliarden USD in Objekte in Großbritannien und Kontinentaleuropa — inzwischen umfasst die Plattform 665 Immobilien in 44 Branchen.
Aktuell notiert Realty Income bei 52,90 Euro. Die Volatilität bleibt mit gut 14 Prozent die niedrigste im Trio. Zwölf Zahlungstermine im Jahr machen den REIT besonders attraktiv für Anleger, die im Ruhestand auf regelmäßige Einkünfte angewiesen sind. Das Zinsumfeld bleibt allerdings ein Risikofaktor: Steigende Zinsen belasten REITs strukturell, und die wachsende Europa-Exposition bringt zusätzliches Währungsrisiko mit sich.
Drei Bausteine, ein Ziel: Diversifikation für das Rentendepot
Die Stärke dieses Trios liegt in der Komplementarität. Johnson & Johnson liefert defensive Stabilität mit moderater Rendite und einem Vierteljahrhundert Erhöhungshistorie. AbbVie bringt Wachstumsdynamik durch eine skalierende Pipeline und eine überdurchschnittliche laufende Rendite von 3,35 Prozent. Realty Income ergänzt mit einem völlig anderen Cashflow-Mechanismus — Mieteinnahmen statt Medikamentenverkäufe — und der höchsten Ausschüttungsrendite.
| Kennzahl | Johnson & Johnson | AbbVie | Realty Income |
|---|---|---|---|
| Dividendenrendite | ~2,26 % | ~3,35 % | ~5,08 % |
| Erhöhungsserie | 25 Jahre | 14 Jahre | 32 Jahre |
| Ausschüttungsrhythmus | Quartalsweise | Quartalsweise | Monatlich |
| YTD-Performance (EUR) | +6,79 % | −11,70 % | +8,18 % |
Die Streuung über Gesundheit und Immobilien, über defensive und wachstumsorientierte Profile sowie über unterschiedliche Ausschüttungsrhythmen reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Sektoren oder Konjunkturphasen. Reinvestierte Dividenden verstärken den Effekt über die Jahre durch den Zinseszins erheblich.
Eigene Aktienrente statt Warten auf den Staat
Eine Kommission soll noch im Sommer 2026 Ergebnisse zur Weiterentwicklung des Rentensystems vorlegen. Bis das staatliche Generationenkapital tatsächlich relevante Erträge abwirft, dürfte es Mitte der 2030er-Jahre werden. Wer nicht so lange warten möchte, findet in Titeln wie Johnson & Johnson, AbbVie und Realty Income drei Bausteine, die unterschiedliche Aspekte der Altersvorsorge mit Aktien abdecken: Verlässlichkeit, Wachstum und laufendes Einkommen. Die Kombination aller drei Qualitäten in einem Depot schafft ein Fundament, das nicht von politischen Zeitplänen abhängt.
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