Starke Studiendaten, trotzdem tiefrote Kurse: Moderna verlor am Donnerstag mehr als 25 Prozent an Wert. Rund 24 Milliarden US-Dollar Börsenwert lösten sich auf, nachdem eine monatelange Rallye ihren Höhepunkt erreicht hatte. Der Auslöser war ein Datenleck, die Ursache liegt tiefer.
Leak erzwingt frühere Veröffentlichung
Ergebnisse einer Phase-3-Studie zum personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran autogene erschienen vorzeitig auf der Plattform OncologyCentral und verschwanden wieder. Eigentlich sollten sie erst am Samstag auf dem europäischen Krebskongress ESMO in Madrid vorgestellt werden. Moderna und Partner Merck legten daraufhin den vollständigen Datensatz schon am Donnerstag vor.
Die Aktie schloss nach Angaben aus dem Handel mit einem Minus von 17,57 Prozent bei 202,63 US-Dollar. Nachbörslich ging es um weitere 3,67 Prozent auf 195,20 US-Dollar nach unten.
Gute Zahlen, hohe Erwartungen
Inhaltlich fällt die Bilanz positiv aus. In der Studie mit 1.137 Patienten senkte die Kombination aus Impfstoff und Mercks Immuntherapie Keytruda das Risiko für Rückfall oder Tod um 42 Prozent gegenüber Keytruda allein. Nach zwei Jahren lebten 82,2 Prozent der Patienten in der Kombigruppe ohne erneuten Hautkrebs.
Das Risiko für Fernmetastasen oder Tod sank um 38 Prozent. Eine gesonderte Analyse nach Abschluss des sechsmonatigen Impfprogramms zeigte sogar eine Reduktion um 58 Prozent.
Warum also der Einbruch? Die Aktie hatte seit Jahresbeginn um mehr als 580 Prozent zugelegt. Die Messlatte lag entsprechend hoch. Besonders der Wert bei den Fernmetastasen enttäuschte: Eine frühere Phase-2-Studie hatte hier noch eine Verringerung um 65 Prozent ergeben. Marktbeobachter sprechen von einer klassischen Sell-the-News-Reaktion, bei der Anleger nach einer langen Kursrallye Gewinne mitnehmen.
Kapitalerhöhung als zusätzlicher Faktor
Hinzu kommt eine Meldung zu einem vorgeschlagenen öffentlichen Angebot neuer Moderna-Aktien. Details zu Umfang und Preis liegen nicht vor. Eine solche Kapitalmaßnahme verwässert bestehende Anteile und könnte den Verkaufsdruck zusätzlich erklären.
Die Daten bleiben für die Zulassungsperspektive relevant. Zunächst zählt, wie der Markt die Präsentation am Samstag auf dem ESMO-Kongress in Madrid aufnimmt und ob das Angebot neuer Aktien konkrete Konturen annimmt.
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