Microsoft erwägt, sein Xbox-Geschäft grundlegend neu aufzustellen. Zur Debatte stehen ein Spinout, eine eigenständige Tochtergesellschaft oder ein Joint Venture mit externen Partnern. Keine dieser Optionen ist beschlossen — aber allein die Diskussion zeigt, wie groß der Druck auf das Gaming-Segment geworden ist.
Gaming schwächelt, Cloud boomt
Die Zahlen aus dem dritten Fiskalquartal machen das Problem deutlich. Der Gaming-Umsatz sank um sieben Prozent — rund 380 Millionen Dollar weniger als im Vorjahr. Xbox-Hardware brach sogar um 33 Prozent ein, weil weniger Konsolen verkauft wurden. Xbox-Inhalte und -Services gaben fünf Prozent nach.
Der Rest des Konzerns lief derweil stark. Microsoft erzielte einen Gesamtumsatz von 82,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Das Cloud-Geschäft wuchs um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar. Azure legte sogar 40 Prozent zu.
Xbox ist damit zum Sorgenkind in einem ansonsten gut laufenden Konzern geworden. Kein Wunder, dass das Management nach Lösungen sucht.
Mehr Geld für Halo, Fallout und Elder Scrolls
Neben den Strukturoptionen plant Xbox-Chef Satya Nadella gemeinsam mit Finanzchefin Amy Hood höhere Ausgaben für große Spielefranchises. Konkret geht es um „Halo“, „Fallout“ und „The Elder Scrolls“. Das Budget für das ab Juli laufende Fiskaljahr ist noch nicht final — kann also noch angepasst werden.
Hinzu kommen Berichte über bevorstehende Massenentlassungen in der Xbox-Division. Kurz nach dem Abschluss des Fiskaljahres am 30. Juni sollen demnach erhebliche Stellenstreichungen folgen, verbunden mit deutlichen Kürzungen im Marketing. Der genaue Umfang blieb offen.
Aktie unter Druck
An der Börse spiegelt sich die Unsicherheit wider. Microsoft schloss den Freitag bei 337,65 Euro — ein minimales Tagesplus von 0,21 Prozent, das die Wochenbilanz von minus 6,65 Prozent kaum aufhellt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 16 Prozent verloren und notiert deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 352,83 Euro sowie dem 200-Tage-Durchschnitt von 389,03 Euro. Der RSI liegt bei 38 — das zeigt schwaches Momentum.
Was jetzt zählt
Die Xbox-Diskussion ist kein Übernahmedeal und keine Gewinnwarnung. Es ist eine strategische Prüfung. Für Microsoft-Aktionäre stellt sich die Frage, ob ein klarerer Schnitt beim Gaming-Geschäft — ob als Tochtergesellschaft, Joint Venture oder eigenständige Einheit — die Bewertung des Konzerns schärft. Die ersten Wochen nach dem 30. Juni dürften zeigen, ob aus internen Szenarien konkrete Ankündigungen werden.
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