Zwei Analysehäuser haben ihre Einschätzung zu Microsoft in dieser Woche nach oben angepasst. Tigress Financial erhöhte das Kursziel am Mittwoch auf 690 US-Dollar von zuvor 680 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Ivan Feinseth begründete den Schritt mit dem robusten Wachstum im KI- und Software-Ökosystem des Konzerns – damit markiert er die höchste Zielmarke unter den Wall-Street-Häusern. Bereits am Montag hatte Goldman Sachs Microsoft auf seine „US Conviction List“ gesetzt, die Kaufempfehlung bekräftigt und ein Kursziel von 640 US-Dollar ausgegeben. Beide Bewertungen fielen im direkten Anschluss an die jüngsten Quartalszahlen. Andere Häuser bewegen sich deutlich vorsichtiger: Einzelne Einschätzungen aus Ende Juli reichen bis herunter auf rund 450 US-Dollar, verbunden mit Hinweisen auf steigende Investitionskosten in der Cloud-Infrastruktur.
Azure knackt die 100-Milliarden-Marke
Auslöser der Kurszielanhebungen sind die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal, die Microsoft am 29. Juli vorgelegt hatte. Der Konzern meldete einen Umsatz von 90,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Cloud-Sparte Azure überschritt dabei erstmals auf Jahresbasis die Schwelle von 100 Milliarden US-Dollar und wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent – mehr als vom Management zuvor in Aussicht gestellt. Der KI-Assistent Microsoft 365 Copilot kam auf über 30 Millionen zahlende Nutzer, eine Verdopplung im Vergleich zum Vorquartal. Die vertraglich gebundenen, noch nicht realisierten Erlöse im Firmenkundengeschäft stiegen um 84 Prozent auf 678 Milliarden US-Dollar.
Zum Ergebnis trug zudem ein Sondereffekt bei: Ein Buchgewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus der Beteiligung an Anthropic sowie niedrigere Kosten für freiwillige Vorruhestandsprogramme steuerten zusammen 0,27 US-Dollar zum verwässerten Gewinn pro Aktie bei. Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte Microsoft einen Umsatz zwischen 89,85 und 90,95 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Wachstum von 16 bis 17 Prozent. Die Investitionsausgaben lagen im vierten Quartal bereits bei 41 Milliarden US-Dollar, für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit mehr als 50 Milliarden US-Dollar, um die Nachfrage nach KI-Infrastruktur zu bedienen. Azure soll sich dabei sogar noch beschleunigen, auf ein währungsbereinigtes Wachstum von 45 Prozent.
Insider verkaufen, Investoren stocken auf
Während die Wachstumszahlen überzeugen, zeigen die jüngsten Aktienbewegungen ein gemischtes Bild. Takeshi Numoto, EVP und Chief Marketing Officer von Microsoft, meldete am Dienstag den geplanten Verkauf von 10.595 Aktien im Wert von rund 4,84 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite bauten mehrere institutionelle Investoren ihre Positionen zuletzt aus: Die KBC Group NV stockte ihren Bestand auf, und S&CO Inc. erhöhte seinen Anteil um 10,4 Prozent auf insgesamt 190.197 Aktien, wie aus jüngsten Pflichtmitteilungen hervorgeht.
Parallel dazu läuft eine rechtliche Angelegenheit, die Anleger im Blick behalten sollten: Die Kanzlei Rosen Law Firm erinnerte kürzlich an die Frist zur Anmeldung als Lead Plaintiff in einer Sammelklage, die Microsoft irreführende Aussagen zu KI-Kapazitäten und zur Copilot-Adoption zwischen Mai 2025 und Januar 2026 vorwirft. Die Frist läuft am 11. August ab. Zudem stehen Teile des Geschäfts unter verschärfter Beobachtung: Die Bank of England, die britische Aufsichtsbehörde PRA und die FCA haben Microsoft Ireland Operations Mitte Juli als kritischen Drittanbieter für den britischen Finanzsektor eingestuft und direkte Aufsichtsbefugnisse übernommen. Berichten zufolge könnten zudem weitere leistungsbezogene Stellenkürzungen folgen – nach dem bereits Anfang Juli verkündeten Abbau von 4.800 Stellen, was 2,1 Prozent der Belegschaft entspricht.
Kurs unter Druck trotz starker Bilanz
An der Börse spiegelt sich die Nachrichtenlage bislang nur teilweise wider. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 422,55 Euro, ein Rückgang von 1,25 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch von Ende Oktober fehlen der Aktie derzeit 11,62 Prozent. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 75,2 Punkten und deutet damit auf eine kurzfristig überkaufte Marktlage hin – ein Signal, das angesichts der jüngsten Kursziel-Anhebungen und der laufenden Sammelklage für zusätzliche Schwankungen sorgen könnte.
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