Microsoft hat seinen neuen topologischen Quantenchip Majorana 2 vorgestellt — und gleich mit einer ambitionierten Ansage verbunden: Bis 2029 will das Unternehmen einen skalierbaren Quantencomputer bauen. Das wäre die Hälfte des ursprünglich geplanten Zeitrahmens.
Was Majorana 2 leistet
Der Kern der Ankündigung ist technisch bemerkenswert. Die Qubits des neuen Chips halten ihren Quantenzustand etwa 20 Sekunden lang stabil, in manchen Fällen bis zu einer Minute. Gegenüber der ersten Generation entspricht das einer tausendfachen Verbesserung der Zuverlässigkeit — ein Sprung, den Microsoft teilweise der Entwicklungsunterstützung durch sein agenteisches KI-System Microsoft Discovery zuschreibt.
Qubit-Stabilität ist der entscheidende Engpass in der Quantencomputing-Forschung. Je länger ein Qubit seinen Zustand hält, desto komplexere Berechnungen lassen sich durchführen, bevor Fehler die Ergebnisse unbrauchbar machen. Microsoft setzt dabei auf topologische Qubits, einen anderen physikalischen Ansatz als etwa IBM oder Google mit ihren supraleitenden Architekturen.
KI entwickelt KI-Hardware
Was die Majorana-2-Ankündigung aus Investorensicht interessant macht, ist die Verflechtung zweier Microsoft-Wachstumsthemen. Microsoft Discovery, die Plattform für wissenschaftliche Grundlagenforschung, ist seit dieser Woche allgemein verfügbar — und hat laut Microsoft direkt zur Entwicklung des neuen Chips beigetragen. Das ist mehr als Marketing: Es zeigt, dass das Unternehmen KI-Systeme nutzt, um die nächste Generation von Rechenarchitekturen voranzubringen.
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Parallel kooperiert Microsoft Discovery mit dem KI-Unternehmen Causaly, um Wirkstoffforschung in der Pharmaindustrie zu beschleunigen. Das erweitert den potenziellen Kundenkreis für die Plattform in Richtung Biopharma — einem Sektor mit hohem Bedarf an komplexen Berechnungen.
Hinzu kommt ein politisch relevantes Signal aus Europa: Bayern prüft derzeit, ob die Staatsverwaltung Teile ihrer IT-Infrastruktur von Microsoft auf alternative Anbieter umstellen kann. Der Freistaat nennt Abhängigkeitsrisiken als Grund. Wie groß der konkrete Geschäftseffekt wäre, lässt sich kaum beziffern — als Trendindikator für europäische Behördenkundschaft verdient der Vorgang aber Aufmerksamkeit.
Der nächste Prüfstein für die Quantenstrategie kommt 2029. Bis dahin werden Fortschritte bei Qubit-Skalierung und Fehlerkorrektur zeigen, ob der halbierte Zeitplan haltbar ist.
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