Microsoft rückt gleich auf mehreren Ebenen in den Fokus der Behörden und der eigenen Sicherheitsarchitektur. Während London dem Konzern und drei weiteren Cloud-Riesen eine engere Kontrolle verordnet, kämpft Microsoft zeitgleich mit einem hausgemachten Problem bei Windows 11. Zwei Nachrichten, ein gemeinsamer Nenner: die wachsende Abhängigkeit der Finanzwelt und Millionen Nutzer von der Stabilität einzelner Tech-Konzerne.
Britische Aufsicht nimmt Cloud-Anbieter ins Visier
Großbritannien hat Microsoft zusammen mit Google, Amazon und Oracle als kritischen Drittanbieter für den Finanzsektor eingestuft. Ab dem 13. Juli greift damit eine direkte Aufsicht durch Bank of England, Prudential Regulation Authority und die Financial Conduct Authority. Konkret betroffen ist die britische Microsoft-Einheit Microsoft Ireland Operations Ltd.
Die Behörden begründen den Schritt mit der zunehmenden Abhängigkeit von Banken und Versicherern von Cloud-Diensten — ein Ausfall bei einem großen Anbieter könnte gleich mehrere Finanzfirmen gleichzeitig lahmlegen. Microsoft und die anderen betroffenen Unternehmen müssen künftig regelmäßige Resilienztests und Selbstbewertungen durchführen und größere Vorfälle melden. Die EU war mit einem ähnlichen Rahmenwerk bereits im November vorangegangen und hatte dort 19 Technologie- und Dienstleistungsfirmen erfasst.
Sicherheitslücken und Gegenmaßnahmen
Parallel zur regulatorischen Entwicklung zeigt sich, warum solche Aufsicht aus Sicht der Behörden notwendig erscheint. Microsoft hat die automatische Verteilung neuer Sicherheitszertifikate für die Secure-Boot-Funktion auf zahlreichen Windows-11-Rechnern vorübergehend gestoppt. Betroffene Systeme laufen damit ohne die eigentlich vorgesehene Aktualisierung eines zentralen Schutzmechanismus.
Auf der anderen Seite baut der Konzern seine Verteidigung intern aus: Ein neues KI-System soll Sicherheitslücken in der eigenen Cloud-Infrastruktur automatisch aufspüren und Lösungsvorschläge liefern. Nach Unternehmensangaben bestätigten Sicherheitsingenieure mehr als 90 Prozent der von der KI gemeldeten Funde als reale Probleme — darunter auch Risiken, die klassische Scan-Tools kaum erkennen. Das System läuft bislang ausschließlich intern, soll aber die Grundlage für künftige Sicherheitsprodukte bilden.
Für Windows-10-Nutzer bleibt derweil ein Fenster offen: Über das ESU-Programm lassen sich sicherheitsrelevante Updates noch bis Oktober 2026 beziehen, obwohl der reguläre Support bereits im Oktober 2025 endete.
Die Aktie selbst zeigte sich von den Entwicklungen zuletzt kaum beeindruckt und notierte bei 384,36 Dollar, vorbörslich sogar leicht höher bei 385,66 Dollar. Die neue britische Aufsicht dürfte den Konzern in den kommenden Monaten zu zusätzlicher Transparenz gegenüber Regulierern zwingen — ein Prozess, der sich an den bereits laufenden EU-Vorgaben orientieren dürfte.
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