Microsoft hat in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2026 insgesamt 72,4 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investiert — eine Summe, die noch vor zwei Jahren für ein gesamtes Fiskaljahr außergewöhnlich gewesen wäre. Das Problem: Das Umsatzwachstum hält mit diesem Tempo noch nicht Schritt. Am 29. April legen die Redmonder ihre nächsten Quartalszahlen vor — und der Druck ist spürbar.
Der Kern des Problems: Kapazität vor Wachstum
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stiegen die Investitionsausgaben auf 37,5 Milliarden Dollar — ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Azure, Microsofts Cloud-Plattform, wächst zwar weiterhin stark, doch das Management prognostizierte für das laufende Quartal ein Umsatzwachstum von lediglich 37 bis 38 Prozent in konstanten Währungen. Der Grund: Nicht fehlende Nachfrage bremst Azure, sondern die Geschwindigkeit, mit der neue Rechenzentrumskapazitäten ans Netz gehen. Dieser Engpass soll mindestens bis Ende des Fiskaljahres 2026 anhalten.
Hinzu kommt ein Klumpenrisiko im Auftragsbestand. Der kommerzielle Auftragsbestand beläuft sich auf 625 Milliarden Dollar — davon sind rund 45 Prozent an OpenAI gebunden, dessen 250-Milliarden-Dollar-Cloud-Verpflichtung die Zahl maßgeblich aufgebläht hat. Berichte über Gespräche zwischen OpenAI und konkurrierenden Cloud-Anbietern haben diese Abhängigkeit zuletzt stärker ins Blickfeld gerückt.
Preiserhöhungen und Analysten-Divergenz
Einen zusätzlichen Umsatzhebel liefern geplante Preiserhöhungen für kommerzielle Microsoft-365-Abonnements, die ab Juli 2026 greifen. Je nach Produktvariante steigen die Preise zwischen 5 und 33 Prozent — begründet mit integrierten KI- und Sicherheitsfunktionen. Dem stehen aktuell 15 Millionen Copilot-Lizenzen gegenüber, bei einer Gesamtbasis von über 450 Millionen bezahlten kommerziellen M365-Sitzen. Das Monetarisierungspotenzial ist also noch längst nicht ausgeschöpft.
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Unter Analysten wächst die Meinungsverschiedenheit. Barclays-Analyst Raimo Lenschow bekräftigte sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 600 Dollar — leicht gesenkt von zuvor 610 Dollar — und verweist auf stabilisierende IT-Ausgaben und Microsofts KI-Positionierung. Stifel-Analyst Brad Reback hingegen stufte die Aktie auf Hold herab und setzt das Kursziel auf 392 Dollar, mit Blick auf Margendruck und gedämpfte Wachstumserwartungen nach dem zweiten Quartal. Der Konsens der Analysten bleibt dennoch bei Strong Buy, mit einem durchschnittlichen Kursziel, das mehr als 50 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau impliziert.
Quartalszahlen als Richtungsentscheidung
Trotz der Investitionsoffensive bleibt die finanzielle Substanz solide: Microsoft verfügt über 89 Milliarden Dollar Liquidität und generierte in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 97 Milliarden Dollar freien Cashflow. Im zweiten Quartal flossen 12,7 Milliarden Dollar an Dividenden und Aktienrückkäufen an die Aktionäre — 32 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Die Aktie notiert rund 20 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und hat seit Jahresbeginn deutlich schlechter abgeschnitten als der S&P 500. Ob das Quartalsergebnis am 29. April eine erste Trendwende einleitet, hängt vor allem davon ab, ob Azure-Wachstum und Kapitalrendite endlich in die gleiche Richtung zeigen.
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