Microsoft kämpft an zwei Fronten. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA weitet ihre Untersuchung aus — und Microsofts KI-Chef erklärt öffentlich, zu den vier führenden KI-Laboren der Welt aufsteigen zu wollen. Beides trifft einen Konzern, der massiv investiert und dessen Aktie seit Jahresbeginn knapp zehn Prozent verloren hat.
CMA nimmt Software-Ökosystem unter die Lupe
Die britische Wettbewerbsbehörde hat am 5. Juni 2026 eine sogenannte Strategic-Market-Status-Untersuchung gegen Microsoft eröffnet. Es ist die vierte derartige Untersuchung seit Inkrafttreten des britischen Digitalmarktgesetzes im Januar 2025.
Im Visier sind Windows, Office, Teams, Copilot sowie Server- und Sicherheitssoftware. Täglich nutzen mehr als 15 Millionen britische Geschäftskunden diese Produkte. Die CMA prüft, ob Microsoft seine Marktstellung nutzt, um Kundenwechsel zu erschweren — etwa durch Produktbündelung, eingeschränkte Kompatibilität oder Voreinstellungen.
Ein besonderes Augenmerk gilt der Frage, wie KI-Wettbewerber in Microsofts Software integriert werden können. Die Behörde will bis Februar 2027 entscheiden, ob Microsoft einen strategischen Marktstatus erhält. Eine solche Einstufung bedeutet noch kein Fehlverhalten — sie könnte aber gezielte Eingriffe ermöglichen.
Suleyman will OpenAI und Anthropic einholen
Parallel dazu hat KI-Chef Mustafa Suleyman die Ambitionen des Konzerns klar benannt. Microsoft wolle eines der vier wichtigsten KI-Labore der Welt werden, sagte er gegenüber The Verge. Als aktuelle Spitzengruppe nannte er Google DeepMind, OpenAI und Anthropic — und räumte ein, dass Microsoft dort noch nicht steht.
Das Ziel: eigene Frontier-KI-Modelle entwickeln, statt auf externe Anbieter zu setzen. Auf der Build 2026 stellte Microsoft sieben intern entwickelte Modelle vor. Das Flaggschiff MAI-Thinking-1 arbeitet mit einem Billion-Parameter-System und einem Kontextfenster von 128.000 Token.
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Suleyman wurde dabei auch ungewöhnlich direkt gegenüber einem bestehenden Partner. Anthropic sei „extrem teuer“, sagte er. Microsoft zahle viel Geld an Anthropic — und wolle diese Kosten mittelfristig auf null senken. Das ist eine bemerkenswert offene Ansage gegenüber einem Unternehmen, an dem Microsoft selbst beteiligt ist.
Wachstum kostet — und das merkt der Kurs
Das KI-Geschäft läuft. Der annualisierte Umsatz liegt bei 37 Milliarden Dollar, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Azure wuchs im letzten Quartal um 40 Prozent — über den Analystenerwartungen.
Die Kehrseite: Microsoft plant für das Kalenderjahr 2026 rund 190 Milliarden Dollar Investitionen, vor allem in Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Im dritten Quartal lagen die Investitionsausgaben bereits bei knapp 31 Milliarden Dollar. Das belastet den freien Cashflow spürbar.
Die Aktie notiert bei 365,40 Euro — rund 23,6 Prozent unter dem Oktober-Hoch von 478,10 Euro. Immerhin hat sie sich seit dem Märztief bei 309,35 Euro um gut 18 Prozent erholt und liegt knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Am 11. Juni steht eine Dividendenzahlung an. Im zweiten Fiskalquartal schüttete Microsoft insgesamt 12,7 Milliarden Dollar an Aktionäre aus — 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigt, dass der Konzern trotz Rekordinvestitionen an seiner Ausschüttungspolitik festhält.
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