Während Alphabet nach Zahlen abstürzt, legt Microsoft zu. Der Unterschied liegt im Geld, das übrig bleibt: Der Softwarekonzern finanziert seinen KI-Ausbau offenbar aus eigener Kraft, und der Markt belohnt das.
Azure liefert, Cashflow überrascht
Im ersten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 92,28 Milliarden Dollar. Erwartet hatten die Analysten rund 90,6 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,89 Dollar, auch hier über den Prognosen von etwa 4,7 Dollar.
Azure wuchs um 48 Prozent auf 33,17 Milliarden Dollar, nach 40 Prozent im Vorjahresquartal. Der gesamte Microsoft-Cloud-Umsatz kletterte um 30 Prozent. Der vertraglich gesicherte, noch nicht realisierte Umsatz stieg um 73 Prozent auf 677 Milliarden Dollar.
Die größte Überraschung steckt jedoch im freien Cashflow. Er sank zwar um 27 Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar, übertraf die Markterwartung aber um knapp 10 Milliarden. Dabei flossen 45,2 Milliarden Dollar in die Infrastruktur, weniger als die erwarteten gut 50 Milliarden.
Zwei Gesichter der KI-Euphorie
Die Reaktion fiel eindeutig aus. Microsoft legte nachbörslich um mehr als 3 Prozent zu, Alphabet verlor fast 10 Prozent. Dort belastete ein negativer Cashflow von rund 9 Milliarden Dollar, dazu ein schwächeres Suchgeschäft.
„Alphabet and Microsoft were night and day“, sagte Melissa Otto von S&P Global Visible Alpha. Microsofts Quartal zeige sehr disziplinierten Wachstumskurs. Konzernchef Satya Nadella betonte, das Interesse an KI-Experimenten weiche langfristigen Verträgen. Das Geschäft werde breiter und hänge weniger an einzelnen Großkunden wie OpenAI.
JPMorgan beließ die Aktie auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 625 Dollar. Analyst Samik Chatterjee verwies auf die deutliche Beschleunigung bei Azure und die bessere Margenentwicklung. Auch der niedriger ausgefallene Investitionsausblick stärke die Optimisten.
Schwächen im Detail
Nicht alles glänzt. Die Neugeschäfte im Gewerbekunden-Bereich fielen um 12 Prozent, was das Management mit außergewöhnlich großen Azure-Abschlüssen im Vorjahr erklärt. Das Geschäft mit Geräten und Verbrauchern schrumpfte um 3 Prozent.
Die Ausgaben bleiben hoch. Finanzchefin Amy Hood stellte für das laufende Quartal Investitionen von mehr als 50 Milliarden Dollar in Aussicht. Für das Kalenderjahr 2026 plant der Konzern rund 170 Milliarden Dollar.
Der Umsatzausblick für das zweite Geschäftsquartal liegt mit 96 bis 97,1 Milliarden Dollar über den Erwartungen von 95,6 Milliarden. Verlangsamt sich Azure in Richtung 40 Prozent, während die Ausgaben hoch bleiben, geriete die operative Marge von zuletzt 50 Prozent unter Druck.
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