Bill Ackman hat sein Portfolio so stark umgebaut wie seit Jahren nicht mehr. Sechs neue Positionen kamen hinzu, darunter Netflix, Visa und Mastercard. Microsoft gehört bereits seit einiger Zeit zu seinen Kernbeteiligungen — und diese Wette zahlt sich aus.
Der Investor hatte die Aktie nach einem Kursrückgang im Zuge eines Quartalsberichts aufgestockt. Seine These damals: Der Markt unterschätze die KI-Investitionen des Softwarekonzerns. Seither hat sich der Kurs deutlich erholt, zuletzt befeuert durch überraschend starke Quartalszahlen.
Bernstein sieht weiter Luft nach oben
Auch an der Wall Street bleibt die Stimmung konstruktiv. Bernstein-Analyst Mark Moerdler hob sein Kursziel auf 660 Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“ — das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau. Trotz der bereits gelaufenen Rally handle die Aktie mit einem Bewertungsabschlag: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege beim 25-Fachen der erwarteten Gewinne, vor einem Jahr lag das Multiple noch bei 33.
Moerdler widerspricht der verbreiteten Sorge vor einer zu aggressiven Ausweitung der Rechenzentrumskapazitäten. Im vierten Fiskalquartal, das am 30. Juni 2026 endete, lagen die Investitionsausgaben inklusive Finance-Leasing bei 41 Milliarden Dollar — weniger als von Analysten erwartet. Zum Start des neuen Geschäftsjahres verlängerte Microsoft zudem die geschätzte Nutzungsdauer seiner Rechenzentren von 15 auf 25 Jahre, was die Kosten langfristig senkt.
Bei der Chip-Beschaffung hat sich der Konzern nach Einschätzung des Analysten ebenfalls Flexibilität verschafft: Für das Geschäftsjahr 2027 bestehen Abnahmeverpflichtungen von 169 Milliarden Dollar, für die Folgejahre sinken diese auf nur noch 25 Milliarden Dollar. Sollte sich die Sorge vor einer KI-Blase bewahrheiten, bliebe Microsoft zwar auf seinen Rechenzentren sitzen — nicht aber auf der teureren KI-spezifischen Hardware.
Infrastruktur-Ausbau nimmt Fahrt auf
Auf der operativen Seite liefert Microsoft weiter aus. Der Cloud-Anbieter IREN hat sein erstes von vier geplanten 50-Megawatt-Rechenzentren in Texas an Microsoft übergeben — Teil eines fünfjährigen Cloud-Vertrags mit einem Volumen von 9,7 Milliarden Dollar, der bereits im November 2025 vereinbart wurde. Die Anlage erreichte zudem den „Exemplar Cloud“-Status von Nvidia für die neuesten GB300-Chips, ein Hinweis auf die technische Reife der Infrastruktur.
Parallel zeigt eine Studie der Information Services Group, dass deutsche Unternehmen ihre Microsoft-Strategie zunehmend von reiner Cloud-Nutzung auf KI-Governance verlagern — Compliance und operative Kontrolle rücken in den Vordergrund. Das unterstreicht, wie tief Microsofts Ökosystem inzwischen in Unternehmensprozesse verwoben ist, weit über die reine Aktienstory hinaus.
Der nächste Quartalsbericht ist vorläufig für den 27. Oktober terminiert, eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Bis dahin dürfte die Debatte um das Tempo der KI-Investitionen und die Abhängigkeit von OpenAI die Diskussion um die Aktie prägen.
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