Ein Kurssprung von 5,71 Prozent am Freitag — und trotzdem bleibt das Bild trüb. Microsoft schloss die Woche bei 327,90 Euro, als bester Wert im Dow Jones an einem Tag, an dem der breitere Markt nachgab. Aber ein Tagesgewinn heilt keine monatelange Schwäche.
Starker Tag, schwache Woche
Der Kontrast war auffällig. Während Microsoft am Freitag klar zulegte, verlor der Nasdaq Composite auf Wochensicht 4,6 Prozent. Der S&P 500 gab zwei Prozent nach. KI-Aktien standen unter Druck — und genau das macht Microsofts Erholung so schwer einzuordnen.
Über sieben Tage liegt die Aktie noch 1,23 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 19 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht sind es knapp 23 Prozent. Der Freitagssprung war real — aber er kratzt nur an der Oberfläche.
Qualcomm bringt frischen Impuls
Die interessanteste Nachricht der Woche kam nicht von Microsoft selbst. Qualcomm gab bekannt, dass Microsoft und Meta Platforms seine neuen KI-Chips nutzen werden. Qualcomm will damit in den Rechenzentrumsmarkt vordringen — bisher fest in Nvidias Hand.
Der Ansatz ist technisch ungewöhnlich. Microsofts Systeme sollen auf Qualcomms „High Bandwidth Compute“-Kategorie setzen. Diese nutzt günstigeren Speicher aus dem Smartphone- und Laptop-Bereich statt der teuren Hochbandbreitenspeicher, die Nvidia-Systeme typischerweise brauchen. Für Microsoft bedeutet das: mehr Flexibilität bei der Infrastruktur, potenziell niedrigere Kosten pro KI-Inferenz.
Qualcomm kündigte außerdem die Übernahme des KI-Softwarestartups Modular für rund vier Milliarden Dollar in Aktien an. Das stärkt die Softwarebasis für generative und agentische KI — und macht Qualcomm zu einem ernsteren Partner für Hyperscaler wie Microsoft.
Ausbau läuft, Zahlen folgen
Abseits der Chip-Partnerschaft setzte Microsoft seinen Infrastrukturausbau fort. Das erste Rechenzentrum in Mount Pleasant, Wisconsin, ist seit April in Betrieb. Bis 2028 will das Unternehmen dort insgesamt 4,7 Milliarden Dollar investieren.
Parallel dazu veröffentlichte Microsoft seinen KI-Bildungsbericht 2026. Laut der Erhebung haben 92 Prozent der Schüler und Bildungsverantwortlichen sowie 88 Prozent der Lehrkräfte KI bereits für schulische Zwecke genutzt. Die Zahlen zeigen, wie breit Microsoft seine KI-Erzählung inzwischen aufstellt — weit über Cloud und Unternehmenskunden hinaus.
Technisches Bild bleibt belastet
Der Freitagsschluss bei 327,90 Euro liegt deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 352,96 Euro und noch weiter unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 383,98 Euro. Beide Linien wirken als Widerstand. Das 52-Wochen-Tief von 307,10 Euro wurde erst am 25. Juni markiert — also einen Tag vor dem Rebound. Der RSI von 43 zeigt keine Überhitzung, aber auch keine Trendwende.
Solange die Aktie nicht über den 50-Tage-Durchschnitt zurückklettert, bleibt der Freitagsanstieg das, was er technisch ist: ein Stabilisierungsversuch nach einem Ausverkauf, kein bestätigter Richtungswechsel. Ob die Qualcomm-Partnerschaft und der Infrastrukturausbau das Vertrauen in Microsofts KI-Ökonomie nachhaltig stärken, wird sich an den nächsten Quartalszahlen messen lassen.
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