Microsoft baut sein KI-Imperium in dieser Woche gleich an drei Fronten aus. Ein 40-Milliarden-Dollar-Deal für Rechenzentren, eine neue Chip-Partnerschaft mit AMD und ein Großauftrag von Manulife. Die Aktie reagiert trotzdem mit einem Minus von 1,92 Prozent auf 342,25 Euro.
Der Widerspruch ist deutlich. Microsoft liefert operative Fortschritte am laufenden Band. Der Markt bleibt trotzdem skeptisch, wenn es um die Kosten der KI-Wette geht.
Erster Großdeal für die Microsoft-Allianz
Die Artificial Intelligence Infrastructure Partnership, kurz AIP, hat am 22. Juli ihren ersten großen Zukauf abgeschlossen. Das Bündnis aus Microsoft, BlackRock, NVIDIA und dem staatlichen Investor MGX aus den Emiraten übernimmt Aligned Data Centers für 40 Milliarden Dollar. Es ist der erste größere Schritt der Allianz seit ihrer Gründung Ende 2024.
Aligned Data Centers bringt aktuell mehr als 6,4 Gigawatt an Kapazität mit, betrieben und geplant. Die neuen Eigentümer stecken zusätzlich 5 Milliarden Dollar frisches Kapital in den Ausbau. Für Microsoft sichert der Deal dringend benötigte physische Rechenkapazität, während die Nachfrage nach Cloud- und KI-Diensten weltweit weiter steigt.
AMD kommt in die Azure-Flotte
Parallel zum Rechenzentrums-Deal öffnet Microsoft seine Hardware-Strategie für einen zweiten großen Chiphersteller. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 setzt der Konzern die „AMD Helios Rackscale Solution“ in seiner Azure-Infrastruktur ein. Die Plattform kombiniert AMD-Instinct-MI455X-Grafikchips mit AMD-EPYC-Prozessoren der sechsten Generation.
Der Einsatz zielt gezielt auf rechenintensive KI-Inferenz für große Sprachmodelle. Azure bietet dafür neue virtuelle Maschinen der HXv2- und HDv2-Serien an, gedacht für Chipdesign, technisches Rechnen und KI-Produktion im großen Stil. Microsoft verfolgt damit ein klares Ziel: bessere Energieeffizienz und ein besseres Verhältnis von Leistung zu Kosten für Firmenkunden.
Manulife setzt auf die neue Enterprise-Suite
Auf der Software-Seite lanciert Microsoft ein neues Premium-Angebot für Großkunden. Der Finanzdienstleister Manulife hat am Mittwoch die Einführung der „Microsoft 365 E7 Frontier Suite“ bekanntgegeben. Der Deal umfasst den Rollout von Microsoft 365 Copilot für 30.000 Mitarbeiter sowie den Einsatz von „Microsoft Agent 365“.
Agent 365 ist eine neue Kontrollebene, die KI-Agenten in großen Unternehmen absichert und steuert. Der Deal zeigt einen klaren Trend: Microsoft rüstet regulierte Branchen zunehmend mit abgeschotteten KI-Lösungen aus. Erst kürzlich hatte der Konzern dafür bereits eine milliardenschwere Vereinbarung über GPU-Kapazitäten mit dem französischen KI-Anbieter Mistral in Europa geschlossen.
Kursdruck trotz operativer Fortschritte
Die operative Dynamik ändert nichts am schwierigen Kursverlauf. Die Aktie notiert derzeit rund 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 478,10 Euro, erreicht im Oktober 2025. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17,16 Prozent zu Buche.
Analysten bleiben trotz der schwachen Kursentwicklung mehrheitlich optimistisch. Die Investmentbank Bernstein bestätigte kürzlich ihre Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 646 Dollar, umgerechnet rund 595 Euro. Die Bank sieht die Aktie fundamental unterbewertet.
Am 29. Juli legt Microsoft seine Zahlen für das vierte Fiskalquartal vor. Investoren erwarten dabei vor allem einen klaren Beleg: dass die für das Fiskaljahr 2026 geplanten Investitionen von 190 Milliarden Dollar tatsächlich in beschleunigtes Wachstum bei Azure münden.
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