Heute Abend legt Micron seine Quartalszahlen vor, und der Markt wartet auf die Schlussglocke. Vorbörslich zog die Aktie um 1,4 Prozent an, ein ruhiger Auftakt vor einem Termin, der für den gesamten Halbleitersektor Signalwirkung haben dürfte.
Stiller Profiteur des KI-Booms
Micron zählt neben Samsung und SK Hynix zu den drei großen Speicherchip-Herstellern weltweit. Das Unternehmen aus Boise, Idaho, produziert DRAM, NAND-Flash und vor allem High Bandwidth Memory (HBM). Genau diese HBM-Chips gelten derzeit als einer der größten Engpässe im KI-Ökosystem, denn sie sitzen direkt neben den Grafikprozessoren der großen KI-Beschleuniger.
Die Aktie schloss zuletzt bei rund 1.065 Dollar, ein Plus von gut einem Prozent. Vorbörslich notierte sie bei etwa 1.070 Dollar. Der Kurs bewegt sich damit auf einem Niveau, das viel Zuversicht einpreist.
Makro-Umfeld bleibt anspruchsvoll
Die Rahmenbedingungen sind nicht einfach. Das dritte Quartal war für Anleihen ein hartes Stück Arbeit: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang um 82 Basispunkte, der stärkste Quartalsanstieg seit vier Jahren. Am Terminmarkt sind fast vier Zinsanhebungen der Fed binnen eines Jahres eingepreist.
Heute kamen allerdings erfreuliche Preisdaten. Der PCE-Deflator, die bevorzugte Inflationskennziffer der Fed, legte im August schwächer zu als erwartet. Das mindert den Druck auf die Notenbank, die Zinsen weiter anzuheben. New Yorks Fed-Chef John Williams hatte bereits Zweifel gesät, ob im Oktober tatsächlich die nächste Anhebung ansteht. Hinzu kamen stärker als erwartete ADP-Beschäftigtenzahlen für September.
Trotz des freundlichen Umfelds blieb die Kaufbereitschaft überschaubar. Am Freitag steht der offizielle Arbeitsmarktbericht an, und viele Anleger warten Micron ab. Im Halbleitersektor zeigten sich die Kurse vorbörslich überwiegend unauffällig.
Worauf es heute Abend ankommt
Zinsen und KI-Investitionen sind die zwei Kräfte, die Tech-Werte derzeit bewegen. Die Aktienmärkte haben den Anleihedruck im dritten Quartal vor allem wegen steigender Gewinnprognosen und der KI-Euphorie abgefedert. Micron liefert heute den nächsten Belastungstest für diese These.
Ein Zahlenwerk, das die HBM-Nachfrage bestätigt, könnte den Sektor stützen. Enttäuscht die Nachfrageseite, droht angesichts der hohen Bewertung eine deutlichere Reaktion. Die Zahlen erscheinen nach US-Börsenschluss, die Kursreaktion folgt im nachbörslichen Handel und am Donnerstag.
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