Starke Zahlen, ein angehobener Ausblick, trotzdem rutscht die Aktie vorbörslich leicht ins Minus. Bei Micron prallt der KI-Boom auf ein Marktumfeld, in dem steigende Anleiherenditen und teures Öl die Halbleiterwerte bremsen.
Zahlen über den Erwartungen
Der Speicherchiphersteller meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz von 54,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 31 Prozent zum Vorquartal. Die Konsensschätzung lag bei rund 51 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 33,42 Dollar, erwartet waren 31,16 Dollar.
Auch der Ausblick fiel stärker aus als gedacht. Für das laufende Quartal peilt Micron einen Gewinn je Aktie von 38,15 Dollar an, bei einer Schwankungsbreite von einem Dollar. Analysten hatten mit 36,02 Dollar gerechnet.
Die Aktie reagierte dennoch verhalten. Vorbörslich lag sie knapp unter dem Schlusskurs. Micron stellte etwas schwächere Bruttomargen für das laufende Quartal in Aussicht und kündigte höhere operative Kosten für das Geschäftsjahr 2027 an. Später am Tag drehte die Stimmung in Asien: Chipwerte in Japan, Südkorea und Taiwan legten zu.
Knappheit als Verkaufsargument
Das Management rechnet damit, dass Speicher und Storage bis in die Geschäftsjahre 2027 und 2028 knapp bleiben. Mehr als drei Viertel der Produktion für 2027 sind demnach bereits über Lieferverträge gebunden.
Die Zahl der strategischen Kundenvereinbarungen stieg von 16 auf 26, die vertraglichen Zusagen wuchsen auf 32 Milliarden Dollar nach zuvor 22 Milliarden. Die Gespräche drehen sich inzwischen überwiegend um 2028 und die Jahre danach.
Die Investitionen steigen. Für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2027 sind 25 Milliarden Dollar vorgesehen, im Gesamtjahr dürften es etwa 55 Milliarden Dollar oder mehr werden. Zuvor standen 50 Milliarden im Raum. Das Mehr fließt vor allem in Bauprojekte, weniger in Fertigungsausrüstung.
Analysten bleiben optimistisch
Cantor Fitzgerald bekräftigt sein Kursziel von 2.000 Dollar und sieht Micron weiter als Favoriten. Die Aktie notiert bei gut 1.000 Dollar, in zwölf Monaten hat sie sich mehr als versechsfacht. Andere Häuser liegen niedriger:
- Stifel: 1.500 Dollar
- Deutsche Bank: 1.550 Dollar
- Needham: 1.650 Dollar
- Goldman Sachs (Neutral): 1.250 Dollar
Goldman verweist auf Bruttomargen, die leicht unter den Projektionen lagen. Das Analystenbild ist also bullisch, aber nicht einheitlich.
Gegenwind von den Anleihemärkten
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt über 5,3 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 24 Jahren. Das belastet wachstumsstarke Technologiewerte. Zudem diskutieren Anleger über die Bewertung: Micron handelt auf Basis der Schätzungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im einstelligen Bereich, was Skeptiker als Zeichen für einen Zyklushöhepunkt deuten.
Ein konkreter Impuls könnte ab dem 9. Dezember kommen. Dann will Micron nach Auslaufen der CHIPS-Act-Beschränkungen Aktien in größerem Umfang zurückkaufen. Zuvor stehen am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten an, die den Zinskurs der Notenbank beeinflussen dürften.
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