Micron Technology hat einen schweren Handelstag hinter sich. Die Aktie fiel gestern um 5,6 Prozent auf 781,00 Euro, nachdem Medienberichten zufolge die US-Regierung Apple erlauben könnte, DRAM-Speicher von ChangXin Memory Technologies (CXMT) und NAND-Flash von Yangtze Memory Technologies (YMTC) zu beziehen. Für Micron wäre das eine direkte Bedrohung im Kerngeschäft, sollte einer der wichtigsten Abnehmer auf chinesische Konkurrenz umschwenken.
Der Kursrutsch traf Micron nicht isoliert. Der Philadelphia Semiconductor Index gab am selben Tag um knapp 2,9 Prozent nach, da Anleger vor den anstehenden Zahlen von Nvidia offenbar Risiko aus Halbleiterwerten nahmen.
Micron geriet damit gleich von zwei Seiten unter Druck: der spezifischen Apple-Sorge und einer sektorweiten Vorsicht. Mit einem Abstand von 7,2 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt sich, dass die jüngste Schwäche über eine kurzfristige Verschnaufpause hinausgeht und den mittelfristigen Trend bereits berührt.
Investitionen in Boise trotz Gegenwind
Während der Kurs schwankt, treibt Micron seine strategische Expansion unbeirrt voran. Das Unternehmen eröffnete am Montag ein neues 60.000 Quadratfuß großes Trainingszentrum in Boise, Idaho, unterstützt durch eine Partnerschaft mit dem US-Handelsministerium im Umfang von drei Millionen Dollar für die Ausbildung von Fachkräften.
Erst wenige Tage zuvor hatte Micron mit den „Micron Research Labs“ eine neue Forschungseinrichtung in Boise vorgestellt, flankiert von einer geplanten Investition von zehn Milliarden Dollar über das kommende Jahrzehnt in Speicher- und Recheninfrastruktur für künstliche Intelligenz.
Auch die Venture-Sparte des Konzerns bleibt aktiv: Anfang August legte Micron Ventures einen neuen Fonds über 250 Millionen Dollar auf, der in Start-ups aus dem KI-Umfeld investieren soll.
Diese Investitionsoffensive signalisiert, dass Micron trotz der aktuellen Kursturbulenzen auf den langfristigen Boom bei KI-Speicherchips setzt. Genau diese These stützten zuletzt auch mehrere Analystenhäuser: BMO Capital nahm die Coverage am 21. August mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 1.300 Dollar auf und verwies auf den anhaltenden, KI-getriebenen Superzyklus bei Speicherchips. Zuvor hatte New Street Research die Aktie Mitte August von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 1.250 Dollar ausgegeben.
Insider-Verkäufe fallen zeitlich zusammen
Parallel zu den positiven Analystenstimmen sorgen Insider-Transaktionen für zusätzliche Fragezeichen. CEO Sanjay Mehrotra zeigte über den Mehrotra Family Trust am 21. August die Absicht an, 40.000 Aktien im Wert von rund 39,6 Millionen Dollar zu verkaufen.
Wenige Tage zuvor hatte bereits Chief Business Officer Sumit Sadana 15.000 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 934,29 Dollar veräußert, was einem Gegenwert von etwa 14 Millionen Dollar entspricht. Solche Verkäufe sind bei Führungskräften nach starken Kursgewinnen nicht ungewöhnlich, dennoch beobachten Anleger sie in einer ohnehin nervösen Marktphase genau.
Die Gemengelage aus geopolitischen Lieferketten-Sorgen, sektorweiter Vorsicht vor Nvidias Zahlen und Insider-Verkäufen erklärt den jüngsten Rückschlag. Die langfristige Investitionsstrategie des Unternehmens und die zuletzt angehobenen Kursziele deuten aber darauf hin, dass ein Großteil der Anleger die Apple-Gerüchte bislang eher als kurzfristige Belastung denn als strukturelle Bedrohung einstuft.
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