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Micron knackt die Billionen-Marke — Qualcomm greift Rechenzentren an, Intel spaltet Analysten

Micron übertrifft mit Rekordquartal die Erwartungen, während Qualcomm in den Rechenzentrumsmarkt drängt und Intel mit hoher Bewertung kämpft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Micron überholt Meta und Tesla kurzzeitig
  • SK Hynix plant Milliarden-Börsengang in USA
  • Infineon erreicht Allzeithoch, dann Gewinnmitnahmen
  • Qualcomm präsentiert neuen KI-Server-Chip

Micron Technology hat am Donnerstag kurzzeitig Meta und Tesla bei der Marktkapitalisierung überholt. Eine Aktie, die vor zwölf Monaten ein Zehntel ihres heutigen Wertes kostete, ist plötzlich 1,4 Billionen Dollar schwer. Der KI-getriebene Speicherchip-Boom schreibt gerade Kapitalmarktgeschichte — und zieht den gesamten Halbleitersektor in seinen Bann. Während SK Hynix mit einem milliardenschweren Nasdaq-Börsengang nachlegt und Qualcomm aggressiv ins Rechenzentrumsgeschäft drängt, kämpft Intel mit einer skeptischen Goldman-Sachs-Einschätzung. Infineon wiederum verdaut nach einem Allzeithoch die ersten Gewinnmitnahmen.

Micron: Vom Speicherhersteller zum Mega-Cap

Der Quartalsbericht, der diese Rallye auslöste, sprengt jede historische Norm. Micron meldete für das dritte Fiskalquartal 2026 einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar — ein Anstieg um 346 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Wall Street hatte mit rund 35,7 Milliarden gerechnet. Beim bereinigten Gewinn je Aktie lag der Chipkonzern mit 25,11 Dollar ebenfalls weit über den Konsensschätzungen von 20,49 Dollar.

Die Bruttomarge erreichte mit 84,9 Prozent ein Rekordniveau, nachdem sie ein Jahr zuvor noch bei 37,7 Prozent gelegen hatte. Allein das Rechenzentrumssegment steuerte rund 25 Milliarden Dollar bei — etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes.

Noch beeindruckender als die Quartalszahlen ist der Ausblick. Für das laufende vierte Quartal stellt Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich über den Erwartungen der Analysten von 43,2 Milliarden. Kunden haben bereits 22 Milliarden Dollar für künftige Lieferungen zugesagt. CEO Sanjay Mehrotra sieht „keinerlei Anzeichen“, dass das Angebot die Nachfrage einholen könnte — eine Entspannung erwartet er frühestens 2028.

Die Aktie notiert bei 1.037 Euro und hat seit Jahresbeginn um rund 286 Prozent zugelegt. Micron ist als einziger US-Hersteller von High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM), die in Nvidias KI-Prozessoren stecken, in einer einzigartigen Marktposition.

SK Hynix: 29-Milliarden-Dollar-Listing als Frontalangriff auf Micron

Der südkoreanische Speicherriese legte am Donnerstag um mehr als 12 Prozent zu — getrieben von zwei Nachrichten gleichzeitig. Microns Quartalsbericht hob die gesamte Branche, und SK Hynix selbst kündigte einen der größten Börsengänge aller Zeiten an: Das Unternehmen will ab dem 10. Juli American Depositary Receipts (ADRs) an der Nasdaq handeln und dabei rund 45,45 Billionen Won — umgerechnet 29,4 Milliarden Dollar — einsammeln.

Das Kalkül ist klar. Trotz eines HBM-Marktanteils von geschätzt 60 bis 70 Prozent bei Nvidias Vera-Rubin-Plattform handelt SK Hynix historisch mit einem Bewertungsabschlag gegenüber Micron. Der sogenannte „Korea Discount“ — die systematische Unterbewertung südkoreanischer Aktien — soll durch die US-Notierung schrumpfen. Analysten sehen den Schritt als strategischen Zugang zu amerikanischen Fondsmanagern, die bisher Micron als einziges liquides HBM-Investment nutzten.

Die fundamentale Stärke ist unbestritten: Nvidia-CEO Jensen Huang bestätigte Anfang Juni, dass SK Hynix die HBM4-Zertifizierung für Vera Rubin bestanden hat. Der Kurs liegt aktuell bei 2.673.000 Won und damit knapp unter dem Allzeithoch. Die Volatilität bleibt mit über 108 Prozent annualisiert extrem hoch. Am Freitag gab die Aktie allerdings 8,4 Prozent ab — nach dem rasanten Anstieg der Vortage keine Überraschung.

Infineon: Allzeithoch erreicht, Gewinnmitnahmen folgen

Infineon markierte am 22. Juni ein Allzeithoch bei 88,83 Euro. Seitdem hat die Aktie spürbar korrigiert und notiert aktuell bei 78,34 Euro — ein Tagesrückgang von 4,7 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 104 Prozent.

Die operative Entwicklung stützt die Bewertung. Im zweiten Fiskalquartal 2026 erzielte Infineon einen Umsatz von 3,81 Milliarden Euro, ein Plus von 6 Prozent im Jahresvergleich. Das Management hob die Jahresprognose an und erwartet nun einen Umsatz von mehr als 16 Milliarden Euro bei einer Segmentmarge von rund 20 Prozent. Besonders der Bereich KI-Rechenzentren wächst rasant — verfügbare Fertigungskapazitäten werden aktiv in dieses Segment umgeleitet.

Die Analystenlandschaft zeigt sich optimistisch:

  • Deutsche Bank erhöhte das Kursziel auf 90 Euro (zuvor 70 Euro), Einstufung „Buy“
  • Morgan Stanley hob auf 91 Euro an (zuvor 63 Euro), Einstufung „Overweight“
  • Der Durchschnitt von 24 Analysten empfiehlt den Kauf

Ein rechtlicher Gegenwind kommt aus China. Das Oberste Volksgericht hat ein Verkaufsverbot für bestimmte Galliumnitrid-Produkte in Festlandchina bestätigt. Die Auswirkungen auf den Gesamtumsatz dürften begrenzt bleiben, doch der Zeitpunkt ist ungünstig. Anfang Juli steht die Eröffnung der neuen Dresdner Fabrik an — ein wichtiger Meilenstein für Infineons Kapazitätsausbau im KI-Segment.

Qualcomm: Der 15-Milliarden-Dollar-Griff nach dem Rechenzentrum

Qualcomm befindet sich gerade in der aggressivsten strategischen Neuausrichtung seiner Geschichte. Auf dem Investorentag am Mittwoch präsentierte der Chipkonzern den Dragonfly C1000, einen Server-Prozessor für KI-Anwendungen in Rechenzentren. Meta will den Chip ab 2028 in der Produktion einsetzen. Mit über 250 Oryon-Kernen in einem Chiplet-Design soll er die doppelte Rechenleistung pro Watt im Vergleich zu bestehenden Server-CPUs liefern.

Die Ambitionen sind gewaltig: 15 Milliarden Dollar Umsatz allein im Rechenzentrumssegment bis Fiskaljahr 2029. Die Gesamtprognose für Nicht-Smartphone-Umsätze wurde von 22 auf 40 Milliarden Dollar angehoben. Microsoft und Meta sind bereits an Bord, zwei weitere nicht namentlich genannte Hyperscaler haben Custom-Chip-Verträge unterzeichnet.

Benchmark reagierte mit einer Kurszielanhebung auf 300 Dollar (zuvor 225), RBC Capital ging auf 250 Dollar (zuvor 175). Allerdings: Die Aktie hat in den vergangenen sieben Tagen 11,9 Prozent verloren und notiert bei 173,84 Euro — mehr als 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der Markt preist Execution-Risiken ein. Der Smartphone-Markt, weiterhin Qualcomms Kerngeschäft, hat seinen Zenit bei den Verkaufszahlen bereits 2017 überschritten. Der Erfolg im Rechenzentrum ist keine Option — er ist eine Notwendigkeit.

Intel: Bewertung eilt der Realität voraus

Intel lieferte am Donnerstag eine spektakuläre Handelsspanne ab: Die Aktie schwankte zwischen 125,41 und 140,72 Dollar, schloss bei 132,87 Dollar. Am Freitag ging es vorbörslich um mehr als 3 Prozent nach unten. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 236 Prozent, die Aktie hat sich in nur drei Wochen mehr als verdoppelt.

Genau in diesen Höhenflug hinein platzte Goldman Sachs mit einer Neutral-Einstufung und einem Kursziel von 150 Dollar. Analyst James Schneider erkennt Intels Potenzial im KI-getriebenen Server-Geschäft und beim Advanced Packaging an. Gleichzeitig warnt er, dass ein Großteil des Optimismus bereits eingepreist sei. Goldman bevorzugt für das KI-Thema AMD, Nvidia und Broadcom.

Die Bewertung gibt den Skeptikern Argumente. Intels Forward-KGV liegt bei über 133 — fast doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt von 68. Die Aktie notiert rund 29 Prozent über dem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von 102,70 Dollar.

Operativ zeigt der Turnaround erste Fortschritte: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 7 Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Das Rechenzentrums- und KI-Segment wuchs um 22 Prozent, Intel Foundry legte 16 Prozent zu. Die entscheidende Frage bleibt, ob Intel genügend verbindliche Kundenaufträge sichern kann, um seine Foundry-Ambitionen zu untermauern — ohne diese könnte das Unternehmen einzelne Prozessschritte pausieren.

Speicher dominiert, Logik diversifiziert — die Halbleiter-Landschaft im Umbruch

Der Halbleitersektor zeigt Mitte 2026 eine klare Zweiteilung:

  • Speicherhersteller (Micron, SK Hynix) profitieren direkt vom KI-Infrastrukturausbau. Umsätze und Bewertungen steigen im Gleichschritt mit den Investitionsbudgets der Hyperscaler
  • Logik-Anbieter verfolgen unterschiedliche Strategien: Qualcomm diversifiziert weg vom Smartphone, Infineon verlagert Kapazitäten von Automotive zu KI, Intel kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig
  • Marktgröße: Der globale Halbleitermarkt wird 2026 voraussichtlich rund 975 Milliarden Dollar erreichen, ein Plus von über 25 Prozent. Der DRAM-Umsatz soll laut Bank of America um 51 Prozent steigen, NAND um 45 Prozent
  • Zyklus-These: Memory-Chefetagen argumentieren, dass KI die traditionellen Boom-Bust-Zyklen der Branche gebrochen hat und ein struktureller Angebotsengpass die Preise über Jahre hoch halten wird

Fünf Termine, die den Sektor prägen werden

Die nächsten Wochen liefern handfeste Katalysatoren. Am 10. Juli startet SK Hynix den ADR-Handel an der Nasdaq — der erste echte Bewertungstest gegenüber Micron auf demselben Börsenplatz. Ebenfalls Anfang Juli eröffnet Infineon die neue Dresdner Fabrik, die Kapazitäten für KI-Leistungshalbleiter schaffen soll.

Für Qualcomm wird entscheidend, ob die Rechenzentrumsumsätze ab Fiskaljahr 2027 wie angekündigt Fahrt aufnehmen. Intel muss beweisen, dass seine Foundry-Strategie über Versprechen hinausgeht und reale Kundenaufträge generiert. Und Microns Ausblick von 50 Milliarden Dollar Quartalsumsatz bleibt die meistbeobachtete Zahl der gesamten Branche — ein Verfehlen dieser Marke würde die Superzyklus-These erstmals ernsthaft in Frage stellen.

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Diskussion zu Micron

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.