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Micron knackt die Billion, SoftBank pumpt 75 Milliarden nach Frankreich — fünf KI-Aktien zum Monatsstart

Micron erreicht Billionen-Bewertung, SoftBank plant 75-Milliarden-Investment in Frankreich. IBM und Oracle legen zu, Adobe vor Quartalszahlen unter Druck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Micron überschreitet Billionen-Dollar-Marke
  • SoftBank investiert 75 Milliarden in Frankreich
  • IBM erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • Adobe vor richtungsweisenden Quartalszahlen

Eine Billion Dollar Marktkapitalisierung für einen Speicherchip-Hersteller. Vor zwei Jahren hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Micron hat diese Schwelle jetzt überschritten — und ist damit nur eine von mehreren KI-Aktien, die den Juni 2026 mit Paukenschlägen eröffnen. SoftBank kündigt Europas größtes Rechenzentrumsnetz an, IBM wird nach einem milliardenschweren Quantencomputer-Vorstoß neu bewertet, Oracle verzeichnet Handelstage mit zweistelligen Kurssprüngen, und Adobe positioniert sich vor den Quartalszahlen am 11. Juni. Infrastruktur, Cloud, Speicher, Quanten und kreative Software — alle Fronten bewegen sich gleichzeitig.

Micron: Billion-Dollar-Club und Countdown auf die Quartalszahlen

Der Kursanstieg von Micron in diesem Jahr ist beispiellos. Mehr als 225 % Plus seit Jahresbeginn machen die Aktie zu einem der stärksten Werte im Nasdaq-100. Die Marktkapitalisierung hat die Billionen-Grenze überschritten — Micron reiht sich damit neben Nvidia, Broadcom und TSMC ein.

Hinter der Neubewertung steckt ein fundamentaler Wandel. High-Bandwidth Memory (HBM) und DRAM für KI-Server haben sich vom zyklischen Rohstoff zum Engpass-Bauteil gewandelt. Ausverkaufte HBM-Kapazitäten, mehrjährige Verträge mit den großen Cloud-Anbietern und eine anhaltend knappe Versorgung haben Micron eine Preissetzungsmacht verschafft, die in der Geschichte des Unternehmens einmalig ist.

Die Zahlen untermauern das: Im zweiten Fiskalquartal 2026 lag der Gewinn je Aktie bei 12,20 Dollar — fast 42 % über der Konsensschätzung von 8,60 Dollar. Am 24. Juni folgt der nächste große Katalysator mit den Ergebnissen des dritten Fiskalquartals. Analysten erwarten einen Gewinn von 19,29 Dollar je Aktie, was eine dramatische Beschleunigung gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde.

Die Kursziele der Analysten spiegeln die Euphorie wider. Susquehanna-Analyst Mehdi Hosseini hob sein Ziel von 600 auf 1.750 Dollar an, UBS-Analyst Timothy Arcuri setzt 1.625 Dollar an — fast eine Verdreifachung seines bisherigen Ziels. Gleichzeitig warnen einzelne Stimmen, dass der aktuelle Boom-Zyklus bereits länger andauert als jeder frühere. Ein neuer Nachfrageboden durch die massiven KI-Rechenzentren könnte allerdings dafür sorgen, dass die Zyklik diesmal weniger ausgeprägt ausfällt.

Oracle: 553 Milliarden Dollar Auftragsbestand und offene Kapazitätsfragen

Oracle hat zum Wochenauftakt kräftig zugelegt. Die Aktie notiert bei 200,60 Euro — ein Plus von knapp 20 % in den vergangenen sieben Tagen. Bereits Ende Mai hatte ein einzelner Handelstag ein Plus von über 10 % gebracht.

Der Treiber hinter der Dynamik ist der Cloud-Auftragsbestand. Oracle schloss das dritte Fiskalquartal mit 553 Milliarden Dollar an verbleibenden Leistungsverpflichtungen ab — ein Anstieg um 325 % gegenüber dem Vorjahr. Die Cloud-Infrastruktur-Umsätze wuchsen um 84 % auf 4,9 Milliarden Dollar. Die Frage, die den Markt beschäftigt: Kann Oracle schnell genug Kapazität aufbauen, ohne die Cloud-Margen zu komprimieren oder die Bilanz zu überdehnen?

Die Ausgaben sind enorm. Der freie Cashflow rutschte im zweiten Fiskalquartal auf minus zehn Milliarden Dollar, und das Management hat Investitionsausgaben von rund 50 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr bestätigt — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Oracle ist zudem Partner im Stargate-Projekt mit SoftBank, OpenAI und Abu Dhabis MGX.

Für das vierte Fiskalquartal hat Oracle ein Umsatzwachstum von 18 bis 20 % bei konstantem Wechselkurs in Aussicht gestellt, mit einem Non-GAAP-Gewinn je Aktie zwischen 1,96 und 2,00 Dollar. Oppenheimer-Analyst Brian Schwartz erwartet starkes Buchungswachstum, getragen von Aufträgen großer Tech-Konzerne und der US-Regierung. Der Konsens unter 34 Analysten lautet auf Kaufen. Die Quartalszahlen werden Mitte Juni erwartet.

SoftBank: 75 Milliarden Euro für Frankreich — und eine offene Finanzierungsfrage

SoftBank hat zum Auftakt des „Choose France“-Gipfels einen Paukenschlag gesetzt. Das Unternehmen will bis zu 75 Milliarden Euro in Europas größtes KI-Rechenzentrumsnetz investieren — fünf Gigawatt Kapazität in Frankreich.

Die erste Phase umfasst 45 Milliarden Euro für Rechenzentren in Dünkirchen, Bosquel und Bouchain, die bis 2031 insgesamt 3,1 Gigawatt Kapazität in der Region Hauts-de-France liefern sollen. Hinter dem Deal steckt persönliche Diplomatie zwischen Präsident Emmanuel Macron und SoftBank-Gründer Masayoshi Son, die sich bei Macrons Japan-Besuch in diesem Jahr getroffen hatten.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 70 % zugelegt. Am heutigen Montag sprang der Kurs von 7.491 Yen auf 8.259 Yen — ein Tagesplus von über 10 %. Die Begeisterung ist nachvollziehbar: SoftBanks Portfolio umfasst eine strategische Beteiligung an Arm Holdings, dessen Chipdesigns in KI-Servern zum Einsatz kommen, sowie Investments von mehr als 30 Milliarden Dollar in OpenAI mit Buchgewinnen von 45 Milliarden Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Das Frankreich-Projekt kommt allerdings zu einer bereits prall gefüllten Verpflichtungsliste hinzu:

  • Stargate-Initiative: 500 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren in den USA, gemeinsam mit OpenAI, Oracle und MGX
  • Ohio-Projekt: Potenziell 500 Milliarden Dollar Investitionsvolumen für zehn Gigawatt Kapazität
  • Frankreich: Bis zu 75 Milliarden Euro für fünf Gigawatt

Die Finanzierungsfrage drängt sich auf. Bloomberg berichtete kürzlich, dass SoftBank Pläne für einen zehn Milliarden Dollar schweren Margenkredit, besichert durch die OpenAI-Beteiligung, nach Bedenken von Gläubigern zurückgeschraubt hat. Von den 14 Analysten mit Kaufempfehlung sieht der optimistischste ein Kursziel von 9.700 Yen — der vorsichtigste lediglich 3.140 Yen. Die Spanne zeigt, wie groß die Unsicherheit über die Umsetzbarkeit von Sons Ambitionen bleibt.

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IBM: 15-Milliarden-Dollar-Plan und neues Allzeithoch

IBM hat heute ein neues 52-Wochen-Hoch bei 277,20 Euro erreicht — ein Tagesplus von 8,58 %. In der vergangenen Woche legte die Aktie knapp 25 % zu. Der Auslöser ist klar identifizierbar.

Das Unternehmen hat ein 15-Milliarden-Dollar-Investitionspaket angekündigt, aufgeteilt in zwei Säulen: Zehn Milliarden Dollar über fünf Jahre für die Skalierung von Quantencomputing und fünf Milliarden Dollar für „Project Lightwell“, eine KI-gestützte Cybersicherheitsinitiative zusammen mit Red Hat und 20.000 Ingenieuren. Kernstück ist Anderon — die erste dedizierte Quanten-Chip-Fabrik in den USA, für die IBM eine Milliarde Dollar Eigenkapital bereitstellt. Eine weitere Milliarde soll aus dem CHIPS Act fließen, nachdem das Handelsministerium Absichtserklärungen für rund zwei Milliarden Dollar an neun Quantenunternehmen unterzeichnet hat. IBM erhält den größten Anteil.

Die operativen Zahlen stützen die Neubewertung. Im ersten Quartal übertraf der Gewinn je Aktie mit 1,91 Dollar die Konsensschätzung von 1,81 Dollar. Der Umsatz lag bei 15,92 Milliarden Dollar, ein Plus von 9,5 % gegenüber dem Vorjahr. Generative KI macht mittlerweile rund 30 % des gesamten Auftragsbestands aus.

Günstig ist die Aktie nicht mehr. Ein KGV von etwa 23 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 3,6 liegen zwar unter den Bewertungen reiner KI-Highflyer, spiegeln aber die neue Wahrnehmung als strategischer Akteur im Quanten- und KI-Bereich wider. Wedbush hat das Kursziel auf 320 Dollar mit „Outperform“-Rating angehoben, der Konsens liegt bei 321 Dollar. Am 22. Juli folgen die Q2-Zahlen — Analysten erwarten einen Umsatz von 17,8 Milliarden Dollar.

Adobe: Bewertungs-Reset vor entscheidenden Quartalszahlen

Adobe ist der Außenseiter in dieser Runde. Während Infrastruktur-Titel von der Investitionswelle profitieren, kämpft der Softwarekonzern mit einem Stimmungsproblem. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 18 % im Minus und notiert rund 37 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Viele Anleger befürchten, dass generative KI-Tools Adobes Wettbewerbsgraben im Kreativbereich unterhöhlen und Teile des digitalen Designs zur Massenware machen könnten.

Die Fundamentaldaten erzählen eine andere Geschichte. Im ersten Fiskalquartal 2026 generierte Adobe einen operativen Cashflow von 2,96 Milliarden Dollar — ein Plus von 19 % gegenüber dem Vorjahr. Der jährlich wiederkehrende Umsatz der KI-Plattform Firefly wuchs um 75 %. Der Gesamtumsatz erreichte 6,40 Milliarden Dollar.

Nach Jahren mit Premium-Bewertung wirkt Adobe nun vergleichsweise günstig. Das KGV liegt bei 14,2 — der Sektormedian bei rund 36. Das Verhältnis von Kurs zu operativem Cashflow steht bei 9,55 gegenüber einem Median von 19. Am 11. Juni veröffentlicht Adobe die Zahlen zum zweiten Fiskalquartal. Die Konsensschätzung liegt bei 5,83 Dollar Gewinn je Aktie und einem Quartalsumsatz von 6,46 Milliarden Dollar.

Die entscheidende Kennzahl wird der neue Digital-Media-ARR sein. Im ersten Quartal lag er bei 400 Millionen Dollar — deutlich unter der Konsenserwartung von 450 bis 460 Millionen. Ein Sprung zurück über 450 Millionen würde signalisieren, dass die Firefly-Monetarisierung die Schwäche im Stock-Image-Geschäft kompensiert. Der Analystenkon­sens bleibt gespalten: 15 Kaufempfehlungen stehen vier Verkaufsempfehlungen gegenüber, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 327 Dollar.

Infrastruktur-Boom gegen Monetarisierungs-Zweifel

Die fünf Aktien verdeutlichen eine fundamentale Zweiteilung im KI-Sektor. Auf der einen Seite stehen die Infrastruktur-Profiteure — Micron, Oracle, SoftBank und IBM — die von Investitionsausgaben in zweistelliger Milliardenhöhe profitieren oder diese selbst tätigen. Auf der anderen Seite steht Adobe mit der unbeantworteten Frage, ob KI bestehende Softwaremodelle kannibalisiert oder aufwertet.

Der Markt belohnt derzeit konsequent die Erbauer physischer KI-Kapazität und bestraft Unternehmen, die als verwundbar durch KI-Kommodifizierung gelten — selbst wenn deren Cashflow-Zahlen robust bleiben. Adobes KGV von 14 neben Microns 46 fasst dieses Gefälle in einer Zahl zusammen.

Gleichzeitig wird die Finanzierungsfrage zum Differenzierungsmerkmal. SoftBanks Verpflichtungsliste addiert sich auf weit über eine Billion Dollar, während die Kreditgeber vorsichtiger werden. Oracle verbrennt Milliarden an freiem Cashflow, um die Nachfrage bedienen zu können. Ob sich die enormen Vorleistungen auszahlen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.

Drei Earnings, ein Quanten-Test und eine Finanzierungsprobe

Der Juni 2026 bringt für alle fünf Unternehmen richtungsweisende Termine. Adobe eröffnet am 11. Juni — die Digital-Media-ARR wird zum Stimmungsbarometer für den gesamten KI-Softwaresektor. Mitte Juni folgt Oracle mit dem vierten Fiskalquartal, wo die Konvertierung des riesigen Auftragsbestands in echte Cloud-Umsätze unter Beweis gestellt werden muss. Microns Zahlen am 24. Juni werden zeigen, ob der Speicher-Superzyklus weiter an Dynamik gewinnt oder erste Sättigungstendenzen auftreten.

Für IBM wird der Test ein anderer: Kann das Unternehmen nach dem quantengetriebenen Kurssprung bei den Q2-Zahlen im Juli nachlegen? Und bei SoftBank entscheidet die Kluft zwischen Ankündigungen und tatsächlicher Finanzierung darüber, wie der Markt die ambitionierteste KI-Infrastruktur-Wette der Welt in der zweiten Jahreshälfte bepreist.

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Diskussion zu Micron

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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