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Micron im Visier von Burry — Samsung kontert mit 90-Milliarden-Offensive

Michael Burry setzt auf fallende Micron-Kurse, während Samsung mit 90 Milliarden Dollar in KI-Chips expandiert. SAP kämpft mit Margendruck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Burry wettet auf Micron-Korrektur
  • Samsung investiert 90 Milliarden Dollar
  • SAP unter Margendruck vor Quartalszahlen
  • Vertiv baut Fabrik in Malaysia

Ein Short-Seller mit Kultstatus gegen einen der stärksten Performer im S&P 500 — Michael Burrys neue Wette gegen Micron bringt die Frage zurück auf den Tisch, ob die KI-Rally zu heiß gelaufen ist. Während er auf eine Korrektur setzt, pumpt Samsung Milliarden in neue Chipfabriken, Vertiv eröffnet Werke in Asien, und IREN kämpft mit einem Ausverkauf, der so gar nicht zu den Kurszielen der Analysten passen will. SAP steuert derweil auf seine nächsten Quartalszahlen zu, begleitet von Margendruck und einem Umbau im Management.

SAP: Zwischen Management-Umbau und Margensorgen

Die SAP-Aktie zeigt sich zum Wochenschluss schwach. Nach einem Schlusskurs von 142,48 Euro am Vortag rutschte das Papier heute um 2,12 Prozent auf 139,46 Euro ab. Damit bewegt sich der Titel weiterhin deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 181,08 Euro — ein Abstand von rund 23 Prozent, der die schwierige Jahresbilanz unterstreicht. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 31 Prozent zu Buche.

Anfang Juli sorgte eine strategische Neuordnung im Management für etwas Auftrieb. Die KI-Governance wandert künftig direkt unter CEO und COO, um die Produktentwicklung zu beschleunigen. Zuvor hatten Analysten von Goldman Sachs ihre Margenschätzungen für die zweite Jahreshälfte gesenkt — steigende Hardwarekosten und margenverwässernde Übernahmen belasten die Kalkulation.

Der Blick richtet sich nun auf die kommenden Quartalszahlen. Das erste Quartal hatte mit 27 Prozent Cloud-Wachstum auf konstanter Währungsbasis noch einen versöhnlichen Ton gesetzt, doch die Prognose für 2026 sieht ein Wachstum auf Vorjahresniveau vor — die erhoffte Beschleunigung wurde auf 2027 verschoben. Bei den Analysten herrscht Uneinigkeit: 22 Kaufempfehlungen stehen 14 Halten- und 7 Verkaufen-Voten gegenüber. Zusätzlich belasten juristische Altlasten, darunter eine wiederbelebte Kartellklage von Teradata sowie Prüfungen der EU-Kommission zu Schnittstellenbeschränkungen für Drittanbieter.

Micron: Burrys Short-Wette gegen die Rekordrally

Kaum eine Aktie sorgt derzeit für so viel Gesprächsstoff wie Micron. Michael Burry hat eine Short-Position bei 1.051,87 US-Dollar je Aktie offengelegt und spricht von einer durch Fear-of-missing-out getriebenen Übertreibung. Der Speicherchip-Hersteller sei in Blasenterritorium vorgedrungen, so seine Kritik — mit schwacher Kapitaleffizienz und ausgeprägter Zyklizität als Belastung.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Mit einem Plus von rund 309 Prozent seit Jahresbeginn zählt Micron zu den stärksten Werten im S&P 500, geschlagen nur vom Speicherkonkurrenten Sandisk. Heute springt die Aktie um 5,25 Prozent auf 898,70 Euro, nachdem sie gestern noch bei 853,90 Euro schloss — auf Wochensicht bleibt dennoch ein Minus von fast 10 Prozent. Burry geht mit seiner Kritik ins Detail: Micron notiere so weit über dem 200-Tage-Durchschnitt wie seit 1984 nicht mehr, sogar über den Dotcom-Höchstständen. Rendite auf eingesetztes Kapital und Eigenkapitalrendite bezeichnet er als „furchtbar“, das Unternehmen vernichte in etwa jedem dritten Quartal Kapital.

Die Wette reiht sich in ein größeres Short-Portfolio ein, das auch Nvidia, Applied Materials und einen Halbleiter-ETF ins Visier nimmt — mit der Prognose einer 30-prozentigen Korrektur bei KI-Chipwerten. Bullische Stimmen halten dagegen: Der Umsatz im dritten Fiskalquartal stieg um 346 Prozent auf 41,5 Milliarden Dollar und übertraf die eigene Prognose deutlich, für das kommende Quartal werden 50 Milliarden Dollar erwartet. Auf Basis der Gewinnschätzungen für das Fiskaljahr 2027 wirkt die Bewertung mit dem 7,6-Fachen der Gewinne günstig gegenüber dem S&P-500-Durchschnitt. Analysten warnen jedoch, dass Shorts gegen strukturelle Wachstumsgeschichten über lange Zeit Verluste einfahren können, bevor sich eine These überhaupt bestätigt.

IREN: Ausverkauf trifft auf optimistische Kursziele

Kein anderer Titel im Sektor zeigt derzeit größere Nervosität als IREN. Die Aktie sprang heute zwar um 6,94 Prozent auf 36,30 Euro, nachdem sie gestern bei 33,95 Euro geschlossen hatte — auf Monatssicht bleibt aber ein Verlust von fast 36 Prozent. Der Titel notiert damit rund 22 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Wochen.

Ein Teil des Drucks kommt aus dem Wettbewerbsumfeld. Bernstein-Analyst Gautam Chhugani verweist auf die schwächere Positionierung gegenüber CoreWeave und Nebius, die pro Megawatt vertraglich gebundener Kapazität mehr Umsatz erzielen. IREN hinke zudem bei Skalierung und dem Aufbau eines Enterprise-Geschäfts hinterher. Trotzdem bleibt Chhugani bei seiner positiven Einschätzung, und auch der breitere Analystenkonsens fällt konstruktiv aus: Sieben Kaufempfehlungen stehen zwei Halten- und einer Verkaufen-Einstufung gegenüber, das durchschnittliche Kursziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von gut 100 Prozent gegenüber aktuellem Niveau.

Fundamental bleibt IREN in der Wachstumsphase des KI-Cloud-Geschäfts. Eine milliardenschwere, investment-grade-geratete GPU-Finanzierungsfazilität sichert die Microsoft-Partnerschaft ab und deckt bereits einen Großteil des geplanten Kapitalbedarfs für Grafikprozessoren.

Samsung Electronics: Milliardenoffensive im Wettlauf um KI-Chips

Kein Name im Sektor war diese Woche geschäftiger als Samsung Electronics. Die Aktie schoss heute um 8,22 Prozent auf 309.500 Won nach oben, nach einem gestrigen Schlusskurs von 286.000 Won — seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von über 140 Prozent zu Buche. Am Donnerstag kündigte der Konzern ein Investitionsprogramm für die Region Chungcheong an, das die Marke von 140 Billionen Won übersteigt, umgerechnet rund 90 Milliarden Dollar. Geplant ist eine neue HBM-Produktionsbasis mit fünf zusätzlichen Fertigungslinien.

Parallel positioniert sich Samsung als Alternative zu TSMC in der Fertigung modernster KI-Chips. Anthropic führt vorläufige Gespräche über einen kundenspezifischen Chip im 2-Nanometer-Verfahren — ein Vorhaben, das Kapazitäten von einem ins Stocken geratenen OpenAI-Projekt umlenken könnte. Auch Meta soll Samsung Foundry für die nächste Generation seines KI-Beschleunigers MTIA ausgewählt haben, ein Projekt im Wert von etwa 7,3 Milliarden Dollar, ebenfalls im 2-Nanometer-Verfahren gefertigt.

Die finanziellen Verflechtungen mit dem KI-Boom reichen tiefer. Im Mai beteiligte sich Samsung an einer Finanzierungsrunde von Anthropic gemeinsam mit SK Hynix und Micron. Noch größer fällt eine gemeinsam mit SK Group angekündigte, jahrzehntelange Investition in vier neue Chipfabriken in Südkorea aus. Sollten die Zusagen mit Anthropic und Meta Bestand haben, verschiebt sich die Balance im Foundry-Geschäft spürbar — enttäuschen jedoch die Ausbeuten im 2-Nanometer-Verfahren, wie es bei früheren Fertigungsknoten bereits vorkam, dürfte sich der Vorsprung von TSMC eher vergrößern.

Vertiv: Neue Fabrik als Rückgrat für Asiens KI-Infrastruktur

Vertiv baut sein Fertigungsnetz in Südostasien aus. Die Aktie legte heute um 3,32 Prozent auf 272,00 Euro zu, nach einem gestrigen Schlusskurs von 263,25 Euro — seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 80 Prozent. Mit der Eröffnung eines neuen Werks im malaysischen Johor reagiert das Unternehmen auf die wachsende Nachfrage nach Infrastruktur für KI- und Hochleistungsrechenzentren in Südostasien, Nordasien sowie Australien und Neuseeland.

Die rund 21.900 Quadratmeter große Anlage in Senai ist Vertivs erster Standort in der Region und soll 2027 voll produktionsfähig sein. CEO Giordano Albertazzi bezeichnete den Ausbau als notwendig, um Kunden über mehrere KI-Infrastruktur-Generationen hinweg mit Strom-, Kühl- und Infrastrukturlösungen im großen Maßstab zu versorgen. Gefertigt werden dort CoolChip-Kühlmittelverteiler für die Chip-Direktkühlung sowie Wärmetauscher für Serverschränke. Vorgefertigte Systeme sollen die Bauzeit gegenüber klassischen Projekten spürbar verkürzen, das SmartRun-System für Aufhängungsinfrastruktur soll die Installation vor Ort deutlich beschleunigen. Die neue Fabrik soll bei Vollbetrieb Hunderte Fachkräfte beschäftigen.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Titel zeigen, wie unterschiedlich die Stimmung innerhalb der Technologiebranche derzeit ausfällt:

  • Micron und Samsung stehen im Zentrum der Speicher- und KI-Chip-Lieferkette — dieselbe HBM-Nachfrage, die Burry für überzogen hält, treibt Samsungs milliardenschwere Expansionspläne an
  • Vertiv bedient die physische Infrastrukturebene des KI-Ausbaus, weniger abhängig von Einzelbewertungen, aber am breiteren Investitionszyklus hängend
  • IREN bewegt sich am spekulativeren Rand der KI-Infrastruktur, wo einzelne Analystennotizen zweistellige Kursausschläge auslösen können
  • SAP bleibt das Software-Schwergewicht des Sektors, dessen Schicksal weniger an Hardware-Dynamik als an Cloud-Migration und Margendisziplin hängt

Die Kluft zwischen Hardware-Optimismus bei Samsung und Vertiv einerseits sowie Bewertungsskepsis bei Micron und IREN andererseits bringt die zentrale Spannung im Tech-Sektor auf den Punkt.

Wohin steuert der Tech-Sektor als Nächstes?

Mehrere Termine dürften in den kommenden Wochen für Klarheit sorgen. SAPs Quartalszahlen werden zeigen, ob das Cloud-Backlog die Margensorgen übertönen kann. Bei Micron richtet sich der Blick auf HBM-Preise und Aussagen der Hyperscaler zu ihren Investitionsplänen — Bestätigung oder Widerlegung von Burrys Blasenthese inklusive. Samsungs Fähigkeit, die Gespräche mit Anthropic und Meta in feste Verträge zu überführen, könnte das Kräfteverhältnis zu TSMC verschieben, während der Hochlauf der Malaysia-Fabrik als Gradmesser für regionale KI-Infrastrukturausgaben dient. Für IREN braucht es eine nachhaltige Erholung über den 200-Tage-Durchschnitt, bevor der deutliche Abschlag zu den Analystenzielen als Wendepunkt statt als Fortsetzung des Abwärtstrends gelten kann.

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Diskussion zu SAP

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.