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Symbolbild, KI-generiert

Micron im Rekordlauf, SK Hynix kämpft mit Governance-Sorgen

Nvidia plant den Hugging-Face-Kauf, Micron baut HBM-Kapazitäten aus und SK Hynix prüft Solidigm-Optionen trotz Governance-Kritik.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia vereinbart Milliardenkauf von Hugging Face
  • Micron plant deutlich höhere HBM-Produktion
  • SK Hynix prüft Optionen für Solidigm
  • AMD zeigt KI-Workstation mit vier Beschleunigern

Nvidia gibt fast 13 Milliarden Dollar für eine Softwareplattform aus, nicht für einen neuen Chip. Diese Entscheidung zeigt, wie sehr sich der Wettbewerb im Halbleitersektor verschoben hat. Während der Platzhirsch seinen Zugriff auf das KI-Ökosystem ausbaut, kämpfen die übrigen großen Namen der Branche mit ganz unterschiedlichen Baustellen – von Governance-Ärger bis zu Kapazitätsengpässen.

Nvidia: Kauf der Hugging-Face-Plattform als Strategiewechsel

Nvidia hat vereinbart, die offene KI-Plattform Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die Plattform hostet mehr als drei Millionen Modelle und 500.000 Datensätze, genutzt von Hunderttausenden Unternehmen weltweit. CEO Jensen Huang betonte, man wolle die Infrastruktur stärken und den Zugang zu KI für Entwickler und Institutionen global ausbauen – Hugging Face solle dabei offen bleiben, mit freier Wahl von Modellen, Frameworks und Cloud-Anbietern.

Es ist Nvidias zweitgrößte Übernahme überhaupt, nach dem Kauf von Groq-Vermögenswerten für 20 Milliarden Dollar im vergangenen Dezember. Der Abschluss wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet, vorbehaltlich behördlicher Genehmigung. Analysten lesen daraus weniger eine kurzfristige Finanzrechnung als eine langfristige Ökosystem-Strategie: CFRA-Analyst Angelo Zino sprach von einem Baustein auf dem Weg zur physischen KI, Investorin Barbara Doran nannte den Schritt einen klugen strategischen Zug in Richtung Plattform-Anbieter statt reinem Chiplieferanten.

An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Aktie schloss am Freitag bei 198,56 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis und 5,7 Prozent auf Wochensicht. Damit liegt Nvidia nur noch knapp zwei Prozent unter seinem Rekordhoch von Mitte Mai. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 24 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 35 Prozent. Ein Analyst bekräftigte nach der Übernahme sein Kaufrating mit einem Kursziel von 300 Dollar.

Marvell Technology: Rekordzahlen treffen auf Anleger-Skepsis

Marvell liefert Wachstumsraten, die eigentlich für Euphorie sorgen müssten – trotzdem bleibt die Reaktion verhalten. Der Umsatz im zweiten Geschäftsquartal kletterte auf einen Rekordwert von 2,739 Milliarden Dollar, ein Plus von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Data-Center-Segment wuchs sogar um 46 Prozent und macht mittlerweile 79 Prozent des Gesamtumsatzes aus, gegenüber 74 Prozent im Vorjahresquartal. CEO Matt Murphy sprach von breitem Rückenwind über Interconnect, Switching und Custom-Silicon hinweg.

Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf rund 12 Milliarden Dollar angehoben, das dritte Quartal soll beim Data-Center-Wachstum sogar auf 75 Prozent im Jahresvergleich beschleunigen. Trotzdem bleibt die Aktie ein Wechselbad der Gefühle. Am Freitag schoss sie um 7,2 Prozent nach oben auf 192,48 Euro, nachdem sie zuvor mehrfach unter Druck geraten war. Auf Jahressicht liegt Marvell mit 164 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 250 Prozent – dennoch notiert die Aktie noch immer rund 34 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Juni.

Ständiges Vergleichsthema bleibt Rivale Broadcom, an dem sich Marvell im Custom-Silicon-Geschäft messen lassen muss. Anleger blicken zudem auf den Investorentag am 6. Oktober, der Details zur ausgeweiteten Google-Partnerschaft liefern soll – im Rahmen dieser Vereinbarung hat Google Optionsscheine auf bis zu sieben Prozent der Marvell-Aktien erhalten.

SK Hynix: Solidigm-Frage überschattet starkes Kerngeschäft

SK Hynix kämpft an zwei Fronten gleichzeitig: Das Speichergeschäft boomt, doch ein mögliches Nasdaq-Listing der US-Tochter Solidigm sorgt für Unruhe unter Investoren. Kritiker warnen, ein solcher Börsengang würde faktisch eine doppelte Notierungsstruktur schaffen und den Shareholder-Value schmälern – Solidigm soll dafür Berichten zufolge eine Vorbörsen-Finanzierung im Bereich von 5 bis 10 Billionen Won prüfen. Rhee Nam-uh, Vorsitzender des Korean Corporate Governance Forum, bezeichnete die mögliche Konstruktion als beispiellose fünfstufige Mehrfachnotierung.

Das Unternehmen selbst hält sich bedeckt und erklärte lediglich, verschiedene Optionen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu prüfen, ohne konkrete Entscheidungen zu nennen. Die Governance-Debatte drückt auf die Stimmung, obwohl die Fundamentaldaten robust bleiben: Zum Ende des zweiten Quartals verfügte SK Hynix über 88 Billionen Won an liquiden Mitteln, zudem wurden über an der Nasdaq notierte Depositary Receipts rund 26,5 Milliarden Dollar eingesammelt.

Der Aktienkurs blieb zuletzt schwankungsanfällig. Am Freitag legte die Aktie um 3,2 Prozent auf 1.647.000 Won zu, auf Wochensicht steht dennoch ein leichtes Minus von 0,4 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt SK Hynix mit 154 Prozent im Plus, notiert aber weiterhin 45 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Juni. Die Analystenstimmung bleibt trotz der Governance-Debatte deutlich positiv, Bernstein bekräftigte erst kürzlich sein Kaufrating.

Micron Technology: Aufholjagd bei Speicherchips für KI

Micron setzt auf schiere Kapazität, um im HBM-Rennen den Anschluss an die koreanische Konkurrenz zu finden. Bis zum Jahresende soll die monatliche HBM-Produktion auf rund 100.000 Wafer steigen – nahezu eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Damit würde sich der Rückstand gegenüber Samsung und SK Hynix zwar halbieren, bleibt aber bestehen: Beide Rivalen fertigen zwischen 150.000 und 200.000 Wafern monatlich. Parallel beschleunigt Micron den Hochlauf seiner neuesten HBM4-Produkte mit zwölf Speicherlagen, um die Nachfrage nach Nvidias kommender Beschleuniger-Generation zu bedienen.

Für ein Unternehmen, das mit traditionell 18 Prozent Marktanteil auf Platz drei liegt, ist das ein Kampf um Positionierung ebenso wie ein notwendiger Schritt, um von der KI-Speichernachfrage tatsächlich zu profitieren. An der Börse zeigt sich das bereits deutlich. Die Aktie sprang am Freitag um 6,1 Prozent auf 874,50 Euro, auf Wochensicht summiert sich das Plus auf 8,7 Prozent, auf Monatssicht auf 12 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt Micron mit 247 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 720 Prozent – ein Kursverlauf, der seinesgleichen sucht im gesamten Sektor.

Investor David Tepper reduzierte seine Position zwar um 41 Prozent, Micron bleibt aber weiterhin seine zweitgrößte Beteiligung. Die Wall Street bleibt mehrheitlich bullish mit einem Konsensrating von „Strong Buy“.

AMD: Workstation-Power als neues Standbein

AMD nutzte die IFA in Berlin, um zu zeigen, dass KI-Rechenleistung nicht nur ins Rechenzentrum gehört. Vorgestellt wurde die Threadripper Halo Station, eine flüssigkeitsgekühlte Workstation rund um die 96-Kern-CPU Threadripper PRO 9995WX und bis zu vier Instinct-MI350P-Beschleuniger. Das Ziel: KI-Modelle mit mehr als einer Billion Parametern lokal ausführen, ganz ohne Cloud-Anbindung. Ein AMD-Manager beschrieb das Gerät als neue Klasse von Workstations, die Supercomputer-Leistung für einzelne Anwender verfügbar macht.

Die technischen Eckdaten untermauern den Anspruch: zwei flüssigkeitsgekühlte MI350P-Beschleuniger mit Ausbaupfad auf vier, 2 Terabyte DDR5-Speicher sowie 288 Gigabyte HBM3E, erweiterbar auf bis zu 576 Gigabyte. Jeder Beschleuniger ist auf bis zu 600 Watt ausgelegt und wird über PCIe 5.0 angebunden.

Die Aktie profitierte von der sektorweiten Euphorie um Nvidias Hugging-Face-Deal und schloss am Freitag bei 411,05 Euro, ein Plus von 4,8 Prozent auf Tagesbasis. Auf Monatssicht steht allerdings ein leichtes Minus von 1,9 Prozent, die Aktie notiert derzeit rund 20 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Juni. Analysten bleiben konstruktiv, das Gesamtrating lautet weiterhin „Strong Buy“.

Vergleichende Sektordynamik: Fünf Wetten auf denselben Boom

Die fünf Unternehmen zeigen, wie unterschiedlich sich der KI-Superzyklus monetarisieren lässt. Nvidia verschiebt seinen Schwerpunkt von Silizium zu Software und Plattformen. Marvell und AMD ringen beide um Marktanteile bei kundenspezifischen Chips – Marvell über ASIC-Partnerschaften mit Hyperscalern, AMD über Workstation-Hardware für einzelne Entwickler. SK Hynix und Micron liefern sich derweil ein Kapazitätsrennen bei High-Bandwidth-Memory, dem Engpassprodukt für praktisch jeden KI-Beschleuniger am Markt.

Einige Beobachtungen zur aktuellen Marktlage:

  • Volatilität als gemeinsamer Nenner: Marvell (88 Prozent), SK Hynix (129 Prozent) und Micron (82 Prozent) weisen deutlich höhere annualisierte Schwankungsbreiten auf als der breite Markt.
  • Bewertungsschere: Marvell handelt trotz kleinerer Größe zu einem höheren Multiple als Broadcom, während Nvidia mit einem KGV von rund 29 vergleichsweise moderat bewertet bleibt.
  • Strukturrisiko statt Nachfragerisiko: SK Hynix‘ größte Belastung ist derzeit nicht das Geschäft selbst, sondern die Governance-Frage rund um Solidigm.
  • Kapazität als Schlachtfeld: Micron kämpft mit Wafer-Ausbau um Marktanteile, während bei HBM lange Qualifizierungszyklen verhindern, dass zusätzliche Kapazität sofort in verkaufbares Angebot übergeht.

Nächstes Kapitel im KI-Superzyklus

Mehrere Termine dürften den Sektor in den kommenden Wochen bewegen. Marvells Investorentag am 6. Oktober soll Klarheit zur Google-Partnerschaft bringen, während die regulatorische Prüfung von Nvidias Hugging-Face-Übernahme sich über mehrere Quartale hinziehen wird. SK Hynix muss eine Entscheidung zur Solidigm-Frage treffen, die maßgeblich beeinflussen dürfte, wie sich der sogenannte Korea-Discount an der Börse entwickelt. Microns HBM4-Hochlauf wird an Nvidias Zeitplan für die nächste Beschleuniger-Generation gemessen, AMDs Fortschritt bei der Workstation-Strategie an der Frage, wie schnell sich die Softwarelücke zu Nvidias CUDA-Ökosystem schließen lässt. Speicherpreise, Hyperscaler-Investitionen und mögliche Anzeichen einer Verdauungsphase bei KI-Kapazitäten bleiben die Variablen, die über die kommenden Monate entscheiden dürften, wie tragfähig die aktuellen Bewertungen wirklich sind.

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Diskussion zu Nvidia

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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