Massive Nachfrage auf der einen Seite. Warnungen vor dem Zyklushöhepunkt auf der anderen. Bei Micron prallen gerade zwei Erzählungen aufeinander, die kaum unterschiedlicher sein könnten.
Der Kurs steht bei 756,20 Euro. Das sind 31,49 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von Ende Juni. Wer nur auf den Chart schaut, sieht eine Aktie im Rückzug. Wer auf die Auftragsbücher schaut, sieht das Gegenteil.
Citis Verfallsdatum für den Boom
Citi hat das Kursziel für Micron von 1.400 auf 1.150 Dollar gesenkt. Die Einstufung „Buy“ bleibt bestehen, aber die Botschaft ist klar: Der Höhepunkt bei DRAM- und NAND-Preisen dürfte im zweiten Quartal 2027 erreicht sein.
Ab da rechnet die Bank mit sinkendem Preiswachstum. Die Margen könnten von der Mitte der 80-Prozent-Marke auf die Mitte der 70er sinken – spürbar für ein Geschäft, das gerade von Knappheit lebt.
Hinzu kommt Konkurrenzdruck aus China. CXMT und YMTC bauen ihre Waferkapazitäten aggressiv aus. Das drückt langfristig auf die Bewertungsmultiplikatoren, selbst wenn das kurzfristige Geschäft brummt.
Amazons Gegenrechnung: 220 Milliarden Dollar
Wer eher an Verknappung als an Sättigung glaubt, verweist auf einen anderen Namen: Amazon. CEO Andy Jassy hat die Investitionsprognose für 2026 von 200 auf 220 Milliarden Dollar angehoben. Als Grund nannte er steigende Preise und Knappheit bei Speicherchips.
Jassy geht davon aus, dass die Nachfrage die verfügbare Kapazität bis 2027 übersteigt. Für 2028 spricht er sogar von „auffallend starker“ Nachfrage. Das ist kein Randdetail, sondern ein fundamentales Gegengewicht zur Citi-These.
Noch schwerer wiegt ein anderer Punkt. Micron hat zusammen mit Samsung und SK Hynix seine gesamte DRAM- und HBM-Kapazität für 2027 bereits verkauft. Ein Produkt, das drei Jahre im Voraus ausverkauft ist, lässt sich schwer mit der Erzählung vom nahenden Zyklusende vereinbaren.
Der Wettlauf um neue Fabriken
Die Industrie reagiert mit Investitionen in einem Ausmaß, das die Debatte selbst befeuert. SK Hynix hat gerade eine Investition von umgerechnet rund 38,1 Milliarden Dollar bewilligt. Das Geld fließt in zwei neue Fabriken: die DRAM-Anlage „Y2“ und die NAND-Fabrik „M17“. Beide gehen erst 2028 oder 2029 in Betrieb.
Für Micron bedeutet das: Kurzfristig bleibt das Angebot knapp. Das Unternehmen sitzt auf 16 mehrjährigen Lieferverträgen im Wert von 22 Milliarden Dollar. Langfristig aber verschärft sich der Wettbewerb spürbar – genau dann, wenn die Preise laut Citi ohnehin drehen sollen.
Meine Einschätzung: Der Rücksetzer sieht nach Gesundschrumpfung aus
Der Kursrückgang der vergangenen 30 Tage von 8,99 Prozent lässt sich auch positiv lesen. Spekulative Übertreibung wurde abgebaut. Die fundamentale Basis – ausverkaufte 2027er-Kapazität, steigende Hyperscaler-Ausgaben – bleibt davon unberührt.
Der Analystenkonsens sieht das ähnlich. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.304,43 Euro, ein Potenzial von 72,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Solche Zielmarken garantieren nichts, zeigen aber, wohin die Erwartung tendiert.
Für mich überwiegt aktuell das Argument der Bullen. Wenn die größten Käufer der Welt ihre Ausgaben erhöhen, weil sie zu wenig Speicher bekommen, dann liegt der viel zitierte Zykluspeak wahrscheinlich weiter in der Zukunft als der jüngste Kursrückgang suggeriert. Citis Kürzung des Kursziels wirkt eher wie eine Anpassung an niedrigere Multiplikatoren – nicht wie ein Abgesang auf die eigentliche These.
Micron Technology-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Micron Technology-Analyse vom 7. August liefert die Antwort:
Die neusten Micron Technology-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Micron Technology-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Micron Technology: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
