Fast 900 Prozent in zwölf Monaten — und jetzt steht Micron Technology vor dem härtesten Test dieser Rally. Am Mittwoch, den 24. Juni, legt das Unternehmen seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Der Kurs notiert nur einen halben Prozentpunkt unter seinem Allzeithoch. Das Risiko liegt auf der Hand: Der Markt hat bereits sehr viel eingepreist.
Eigene Prognose war schon ambitioniert
Micron selbst hatte für das laufende Quartal eine Umsatzprognose von 33,5 Milliarden Dollar ausgegeben — mit einer Schwankungsbreite von 750 Millionen Dollar nach oben oder unten. Die Bruttomarge soll bei rund 81 Prozent liegen. Den Gewinn je Aktie prognostizierte das Unternehmen auf 19,15 Dollar auf Non-GAAP-Basis.
Der externe Konsens liegt noch darüber. Analysten erwarten laut Refinitiv/LSEG-Daten im Schnitt 20,05 Dollar je Aktie und einen Umsatz von 35 Milliarden Dollar. Das Unternehmen muss also nicht nur seine eigene Messlatte überspringen, sondern auch die des Marktes.
Vorquartal setzte die Benchmark hoch
Das zweite Geschäftsquartal hatte bereits beeindruckende Zahlen geliefert. Der Umsatz kletterte auf 23,86 Milliarden Dollar — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum mit 8,05 Milliarden Dollar. Die Non-GAAP-Bruttomarge stieg auf 74,9 Prozent, nach 37,9 Prozent ein Jahr zuvor. Der operative Cashflow erreichte 11,9 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen erklären die Euphorie. Sie erhöhen aber auch den Erwartungsdruck für Mittwoch erheblich.
Anthropic-Deal und technische Warnsignale
Micron gab am Montag eine strategische Vereinbarung mit dem KI-Unternehmen Anthropic bekannt. Die Kooperation umfasst gemeinsame Arbeit an Speicher- und Speicherarchitektur für KI, einen Liefervertrag für das Rechenzentrum-Portfolio sowie eine Beteiligung an Anthropics Series-H-Finanzierungsrunde. Der Deal stärkt die KI-Infrastruktur-Story rund um Hochbandbreitenspeicher und DRAM — ändert aber nichts daran, dass die Quartalszahlen das entscheidende Ereignis dieser Woche bleiben.
Die technischen Kennzahlen zeigen, wie weit die Aktie gelaufen ist. Mit einem RSI von 71,2 und einem Abstand von knapp 59 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt signalisiert der Chart starke Dynamik — aber auch eine anspruchsvolle Ausgangslage für weitere Kursgewinne.
Hohe Investitionen, enger Spielraum
Micron plant für das Gesamtjahr Investitionen von mehr als 25 Milliarden Dollar. Allein im dritten Quartal sollen rund 7 Milliarden Dollar in Kapazitäten fließen. Das Unternehmen erwartet dennoch einen deutlich höheren freien Cashflow als zuletzt — getragen von steigendem operativem Cashflow.
Ob das aufgeht, hängt davon ab, ob die Nachfrage nach DRAM und NAND so eng bleibt wie prognostiziert. Micron selbst geht davon aus, dass die Angebots-Nachfrage-Balance im Speichermarkt über das Kalenderjahr 2026 hinaus angespannt bleibt. Mittwochabend wird der Markt erfahren, ob die Zahlen diese Erwartung bestätigen — oder ob der Kurs nahe seinem Allzeithoch zu viel vorweggenommen hat.
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