Zwei Analysten, zwei massive Kurszielerhöhungen — und ein Chip-Markt, der breiter heiß läuft als gedacht. Stifel und Rosenblatt haben am 18. Juni ihre Einschätzungen zu Micron Technology aktualisiert. Beide behalten ihr Kaufvotum, beide sehen den Speicherchip-Zyklus als stärker und länger an als bisher modelliert.
Konventionelles DRAM rückt ins Rampenlicht
Stifel hob sein Kursziel von 550 auf 1.500 Dollar an. Die Begründung: Der aktuelle Halbleiter-Aufschwung beschränkt sich nicht auf High-Bandwidth Memory für KI-Beschleuniger. Stifel modelliert nun einen DRAM-Durchschnittspreis je Gigabit, der — ohne HBM — etwa doppelt so hoch liegt wie in Microns ursprünglichem Ausblick impliziert.
Konkret nennt Stifel Vertragspreise von über 2,50 Dollar je Gigabit für Server-Speicher und über 1,50 Dollar für Consumer-PC- und Mobilprodukte. Für Microns viertes Geschäftsquartal bis August rechnet die Bank mit 20 Prozent Umsatzwachstum gegenüber dem Vorquartal — und bezeichnet das ausdrücklich als konservativ, falls die Preise im Juli und August weiter steigen.
Rosenblatt zog mit einem neuen Kursziel von 1.200 Dollar nach. Die Botschaft ist ähnlich: Der Speicherzyklus sei „stärker und länger“ als erwartet. Die Bank erhöhte ihre Schätzungen und verwies auf anhaltende Preisanstiege quer durch Microns Produktpalette.
Apple bestätigt den Preisdruck
Ein zweites Signal kommt aus dem Gerätemarkt. Apple hat angekündigt, die Preise einiger Produkte zu erhöhen — als direkte Reaktion auf steigende Speicherchip-Kosten. Apples CEO erklärte, der Konzern könne die gestiegenen Kosten für Speicher und Flash-Speicher nicht länger vollständig absorbieren.
Der Hintergrund: KI-getriebene Nachfrage hat Engpässe bei Speicherchips ausgelöst. Samsung, SK Hynix und Micron bauen zwar Kapazitäten aus, priorisieren dabei jedoch Server-Chips. Für den Consumer-Markt bleibt das Angebot knapp. Apple nennt keinen spezifischen Liefervertrag mit Micron — aber die öffentliche Kostenkommunikation des Konzerns bestätigt genau das Preisumfeld, auf das Stifel und Rosenblatt ihre Modelle stützen.
Aktie nahe Rekordhoch, Quartalszahlen am 24. Juni
Die Micron-Aktie schloss am Donnerstag bei 988,50 Euro — nur 1,4 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 18. Juni. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um rund 267 Prozent zugelegt, allein in den vergangenen 30 Tagen um knapp 57 Prozent.
Der nächste harte Prüfstein kommt schnell: Am 24. Juni 2026 präsentiert Micron seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal. Dann zeigt sich, wie viel von der Preisstärke bei DRAM, NAND und Server-Speicher bereits in den Büchern steht — und ob die Annahmen von Stifel und Rosenblatt Bestand haben.
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