Vor einem Jahr war die Micron-Aktie noch für unter 90 Euro zu haben. Heute notiert sie auf einem neuen 52-Wochen-Hoch von 898 Euro — ein Anstieg von fast 950 Prozent in zwölf Monaten. Hinter dieser Bewegung steckt mehr als Euphorie.
Raymond James verdoppelt das Kursziel
Am 2. Juni 2026 hob Raymond James sein Kursziel für Micron von 530 auf 1.100 Dollar an und bestätigte das „Outperform“-Rating. Begründung: ein globaler Engpass bei Hochleistungsspeicher, der sich nach Einschätzung der Analysten noch Jahre hinziehen wird. Goldman Sachs sieht die Knappheit bei KI-Infrastruktur-Speicher sogar bis 2028 anhalten — eine ungewöhnlich lange Sichtbarkeit für Umsatzprognosen.
Die Marktkapitalisierung hat inzwischen die Billion-Dollar-Schwelle überschritten. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 234 Prozent zugelegt, allein in den vergangenen 30 Tagen waren es über 82 Prozent.
Neue Produkte, neue Allianzen
Auf der COMPUTEX 2026 in Taipeh präsentierte Micron eine Reihe von Speicherlösungen für die nächste KI-Generation. Das HBM4 36GB 12H soll den Inferenz-Durchsatz bei großen Sprachmodellen um das 2,6-Fache steigern. Hinzu kommen das 256-GB-SOCAMM2 — nach Unternehmensangaben das weltweit kapazitätsstärkste Modul seiner Klasse — sowie ein 256-GB-DDR5-RDIMM auf Basis der 1γ-Technologie.
Die strategische Bedeutung dieser Produkte wurde einen Tag vor der Kurszielanhebung unterstrichen: Nvidia-CEO Jensen Huang bestätigte am 1. Juni, dass das kommende Vera-Rubin-System Speicher von Micron, SK Hynix und Samsung integrieren wird. Für Micron ist das eine direkte Eintrittskarte in das Herzstück der KI-Infrastruktur.
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Starke Zahlen, hohe Erwartungen
Micron berichtet am 24. Juni seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal. Der Konsens erwartet einen Umsatz von rund 33,5 Milliarden Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 19,15 Dollar. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen mit einem EPS von 12,20 Dollar die Erwartungen von 9,19 Dollar deutlich übertroffen.
Institutionelle Investoren reagieren: BNP Paribas erhöhte seine Position im vierten Quartal um über 1.000 Prozent auf rund 37.600 Aktien. Neue Positionen eröffneten unter anderem COFG Advisors und Beto Financial Group.
Nicht alle Signale zeigen nach oben. CEO Sanjay Mehrotra hat eigene Anteile reduziert, und einige Marktbeobachter ziehen Parallelen zum Halbleiter-Boom von 1999. Befürworter des aktuellen Zyklus halten dagegen: Hyperscaler wie Alphabet und Amazon investieren zusammen über 700 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur — das ist kein spekulativer Überschwang, sondern Nachfrage mit konkreten Bestellungen und Langfristverträgen. Die Quartalszahlen am 24. Juni werden zeigen, ob Micron dieses Narrativ weiter untermauern kann.
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