Die Rallye der vergangenen Monate war atemberaubend. Künstliche Intelligenz braucht massenhaft Speicherchips. Micron liefert sie. Das Unternehmen sitzt im Zentrum eines gigantischen Investitionsbooms. Der Kurs schoss in zwölf Monaten um rund 685 Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf knapp 199 Prozent.
Nun schlägt die Realität hart zu. Seit dem Allzeithoch Ende Juni bei rund 1.104 Euro verliert die Aktie stark an Boden. Aktuell notiert das Papier bei 803,50 Euro.
Das entspricht einem Abschlag von über 27 Prozent zum Gipfel. Allein heute bricht der Kurs um 6,79 Prozent ein. Auf Wochensicht fehlen gut 20 Prozent.
Der KI-Speicher ist restlos ausverkauft
Die fundamentale Story glänzt weiterhin. Die Produktion wichtiger HBM-Chips ist für 2026 vollständig ausverkauft. Moderne KI-Beschleuniger saugen den Markt förmlich leer. Langfristige Verträge sichern die Einnahmen verlässlich ab.
Das vergangene Geschäftsquartal zeigt das Ausmaß dieses Booms. Der Umsatz sprang im Jahresvergleich um 345 Prozent auf 41,4 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie explodierte derweil um fantastische 1.300 Prozent.
Ein Engpass in dieser Größenordnung ist historisch einmalig. Der Chef von Micron rechnet mit einer anhaltenden Knappheit weit über das Jahr 2026 hinaus.
Rückkehr des gefürchteten Schweinezyklus
Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Die Halbleiterbranche kennt traditionell extreme Schwankungen. Bisher endete jeder Boom in einem brutalen Preisverfall. Die rasante Talfahrt zwingt Investoren nun zu einer unbequemen Neubewertung. KI verändert zwar die strukturelle Nachfrage. Die klassischen Gesetze des Marktes verschwinden dadurch aber nicht.
Marktteilnehmer blicken zunehmend nervös auf die Konkurrenz. Andere Hersteller investieren weltweit parallel Milliarden in neue Fabriken. Experten warnen bereits vor massiven Überkapazitäten in den Jahren 2027 und 2028.
Die strategische Ausrichtung auf langfristige KI-Verträge federt künftige Einbrüche womöglich ab. Dennoch bleibt der Speichermarkt extrem fehleranfällig. Die Angst vor dem nächsten Zyklus-Tief wächst. Kein Wunder. Die Marktkapitalisierung von gut 965 Milliarden Euro lässt extrem wenig Raum für Enttäuschungen. Gewinnmitnahmen und scharfe Rücksetzer gehören in dieser Bewertungs-Liga unvermeidlich zur DNA des Sektors.
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