Micron treibt seine Speicherchip-Offensive auf zwei Kontinenten voran – und profitiert gleichzeitig von einer spürbaren Entspannung auf der geopolitischen Bühne. Nach einem kurzen Rücksetzer kehrt der Fokus der Anleger klar zu den Fundamentaldaten zurück. Im Zentrum stehen ein Megaprojekt in den USA, ein Zukauf in Taiwan und ein historisch enger Markt für Speicherchips. Wie stützt diese Kombination den aktuellen Höhenflug der Aktie?
Tech-Erholung und geopolitische Entspannung
Halbleiterwerte legen zur Wochenmitte deutlich zu, nachdem US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos militärische Schritte im Zusammenhang mit den Spannungen um Grönland ausgeschlossen hat. Zuvor hatte die Drohung von Strafzöllen gegen acht Länder wegen Widerstands gegen US-Akquisitionspläne für Grönland am Dienstag eine Verkaufswelle ausgelöst.
Mit dem Abflauen dieser Sorgen rücken wieder die Geschäftsdaten in den Vordergrund. Für Micron fallen diese aktuell äußerst robust aus – was sich auch im Kurs widerspiegelt: Die Aktie markierte gestern mit 365,81 US‑Dollar ein neues 52‑Wochen-Hoch und liegt damit rund 250 % über dem Niveau vor einem Jahr.
100‑Milliarden-Megafab in New York
Ein zentrales Element der Micron-Strategie ist der massive Ausbau der Produktion in den USA. Das Unternehmen hat offiziell den Spatenstich für ein bis zu 100 Milliarden US‑Dollar schweres Speicherchip-Werk im County Onondaga im Bundesstaat New York gesetzt.
Die Eckpunkte des Projekts:
- Geplantes größtes Halbleiterareal in den USA mit bis zu vier Fertigungsstätten (Fabs)
- Prognostiziert rund 50.000 Arbeitsplätze im gesamten Bundesstaat
- 500 Millionen US‑Dollar Vereinbarung mit der Wirtschaftsförderung Empire State Development
- 250 Millionen US‑Dollar für Ausbildung und lokale Infrastruktur
- Produktionsstart in der neuen Fab ab 2030 vorgesehen
CEO Sanjay Mehrotra betont dabei den Fokus auf heimische Fertigung: Micron will langfristig rund 40 % seiner DRAM-Produktion in den USA ansiedeln. Damit reagiert der Konzern auf politische Förderprogramme und den Wunsch nach weniger Abhängigkeit von Asien.
Zukauf in Taiwan stärkt Kapazitäten
Parallel dazu verstärkt Micron seine Präsenz in Asien. Das Unternehmen plant den Kauf des P5-Werks von Powerchip Semiconductor Manufacturing Corporation in Taiwan für 1,8 Milliarden US‑Dollar in bar.
Mit dem Deal sichert sich Micron etwa 300.000 Quadratfuß zusätzliche Reinraumfläche für 300‑mm-Wafer. Die Transaktion soll bis zum zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Ein nennenswerter Ausstoß an DRAM-Wafern aus diesem Werk wird in der zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet.
Strategisch zielt der Zukauf klar auf die Entschärfung des derzeit strukturell knappen Angebots im Speichermarkt. Zusätzliche Kapazitäten sollen Micron helfen, von hohen Preisen zu profitieren, ohne Kunden durch Lieferengpässe zu verlieren.
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Anhaltende Speicherknappheit treibt Preise
Die Angebotsseite bleibt jedoch trotz Ausbauplänen extrem angespannt. Laut Manish Bhatia, Executive Vice President bei Micron, hat sich die globale Speicherknappheit auf ein beispielloses Niveau verschärft und dürfte über das Jahr 2026 hinaus anhalten.
Treiber ist vor allem High-Bandwidth Memory (HBM), der in KI-Beschleunigern und modernen Rechenzentren eingesetzt wird. Diese besonders leistungsfähigen Speicherchips binden so viel Kapazität, dass für klassische Anwendungen wie Smartphones und PCs deutlich weniger übrig bleibt. Erste Folgen sind bereits sichtbar: Die chinesischen Hersteller Xiaomi und Oppo haben ihre Auslieferungsziele für 2026 wegen steigender Speicherkosten um bis zu 20 % heruntergeschraubt.
Für Anbieter wie Micron bedeutet die Knappheit in der Regel höhere Verkaufspreise und eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Kunden – solange die Nachfrage auf Endkundenseite nicht massiv einbricht.
Rekordzahlen im ersten Quartal 2026
Operativ läuft es für Micron derzeit so gut wie selten. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (per Dezember) legte der Konzern starke Zahlen vor:
- Umsatz: 13,64 Milliarden US‑Dollar (Vorjahr: 8,71 Milliarden US‑Dollar)
- GAAP‑Nettogewinn: 5,24 Milliarden US‑Dollar (4,60 US‑Dollar je verwässerter Aktie)
- Operativer Cashflow: 8,41 Milliarden US‑Dollar
- Bruttomarge: Rekordniveau in allen Geschäftsbereichen
Besonders wichtig: Micron hat Preis- und Mengenkonditionen für sein komplettes HBM-Volumen für das Kalenderjahr 2026 bereits vertraglich fixiert – inklusive der neuesten HBM4-Generation, die als technologischer Spitzenreiter im Markt positioniert wird. Für das zweite Quartal stellt das Management rund 18,70 Milliarden US‑Dollar Umsatz und eine Bruttomarge von etwa 68 % in Aussicht.
Investitionsoffensive für die nächsten Jahre
Um das enge Marktumfeld langfristig zu nutzen, fährt Micron ein sehr hohes Investitionsprogramm. Für das Geschäftsjahr 2026 sind rund 20 Milliarden US‑Dollar an Investitionen geplant – vor allem, um die erwartete Knappheit über das laufende Jahr hinaus abzufedern und zusätzliches Wachstum zu sichern.
In den USA summiert sich die Expansionsinitiative auf etwa 200 Milliarden US‑Dollar. Neben der neuen Megafab in New York umfasst sie Standorte in Idaho und Virginia sowie Kapazitäten für die Verpackung von High-Bandwidth-Memory-Chips. Der Ausbau ist damit klar auf Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz und Rechenzentren ausgerichtet.
An der Börse spiegelt sich diese Kombination aus struktureller Knappheit, Rekordprofitabilität und aggressivem Ausbauprogramm bereits deutlich wider: Der Kurs notiert exakt auf 52‑Wochen-Hoch und rund 37 % über dem 50‑Tage-Durchschnitt. Kern der Story bleibt, dass Micron seine Stellung im globalen Speichermarkt mit langfristig abgesicherten HBM-Verträgen und massiven Kapazitätserweiterungen untermauert – in einem Umfeld, in dem Angebot und Nachfrage klar zu Gunsten der Anbieter verschoben sind.
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