Micron baut in Japan aus, während in den USA eine Kartellklage gegen den Chiphersteller läuft. Zwei Nachrichten, die kaum unterschiedlicher sein könnten – und die Aktie zeigt trotzdem Stärke.
Milliarden-Investition in Higashihiroshima
Am 4. Juli 2026 hat Micron den Spatenstich für eine gewaltige Erweiterung seines DRAM-Werks in Higashihiroshima gesetzt. Das Investitionsvolumen liegt bei 1,5 Billionen Yen, umgerechnet rund 9,3 Milliarden Dollar. Der japanische Staat unterstützt das Projekt mit Subventionen von bis zu 500 Milliarden Yen, etwa 3,3 Milliarden Dollar.
CEO Sanjay Mehrotra und Japans Minister Akazawa Ryosei nahmen an der Zeremonie teil. Das unterstreicht die strategische Bedeutung des Standorts für beide Seiten. Im Fokus steht High Bandwidth Memory, kurz HBM – jener Speichertyp, der KI-Prozessoren mit Daten versorgt.
Die Anlage geht auf eine Übernahme aus dem Jahr 2013 zurück, als Micron das Werk von Elpida Memory kaufte. Die ersten Chips aus der erweiterten Fertigung sollen im Sommer 2028 vom Band laufen. Vorher installiert Micron ab der ersten Jahreshälfte 2028 die nötige Ausrüstung.
Sammelklage wirft Preisabsprachen vor
Parallel zum Ausbau in Japan trifft Micron in den USA eine Sammelklage. Am 25. Juni 2026 reichten Kläger vor einem Bundesgericht in Kalifornien Vorwürfe gegen Micron, Samsung und SK Hynix ein. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Sherman-Kartellgesetz durch koordinierte Verknappung von Arbeitsspeicher.
Die Kläger behaupten, die drei Konzerne hätten die Produktion älterer DDR3- und DDR4-Chips gedrosselt und Kapazitäten stattdessen auf HBM verlagert. Die Folge: Verbraucherpreise für RAM sollen binnen vier Jahren um bis zu 700 Prozent gestiegen sein. Neu ist der Vorwurf in der Branche nicht – Samsung und SK Hynix bekannten sich bereits 2005 in einem Preisabsprache-Fall schuldig.
Die Branchenorganisation SEMI warnte das US-Finanzministerium unterdessen vor staatlichen Eingriffen in den Speichermarkt. Vorgaben zu Preisen oder Produktionsmengen könnten die bestehende Knappheit noch verschärfen, so das Argument.
Kursverlauf zwischen Erholung und Volatilität
Am Freitag schloss die Micron-Aktie bei 912,00 Euro, ein Tagesplus von 6,79 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 8,40 Prozent zu Buche – die jüngste Erholung gleicht also nur einen Teil der Verluste aus. Seit Jahresbeginn liegt das Papier trotzdem mit 239,03 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 777,94 Prozent.
Vom Rekordhoch bei 1.103,80 Euro, aufgestellt am 25. Juni 2026, ist die Aktie noch 17,38 Prozent entfernt. Der 14-Tage-RSI von 52,2 signalisiert neutrale Dynamik nach den jüngsten Ausschlägen. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 391,42 Euro besteht weiterhin ein gewaltiger Abstand von 133 Prozent – ein Zeichen, wie stark der Kurs binnen eines Jahres gelaufen ist.
Short-Wette und Analysten-Optimismus treffen aufeinander
Investor Michael Burry hat Anfang Juli eine Short-Position gegen Micron offengelegt, eröffnet Berichten zufolge bei 1.051,87 Dollar je Aktie. Als Begründung nennt er zyklische Risiken im Chipsektor. Wall-Street-Analysten sehen das anders: Der Konsens lautet weiterhin „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.263,76 Euro.
Für die kommende Handelswoche rücken drei Punkte in den Vordergrund:
- Sektorrotation: Kapital fließt zuletzt von Halbleiter- in Software-Werte – ein Trend, der Microns kurzfristige Kursbewegung weiter beeinflussen könnte.
- Angebotslage: Samsung plant für das dritte Quartal 2026 eine Preiserhöhung bei DRAM von 20 Prozent. Das deutet auf ein weiterhin enges Angebot hin, was Microns Margen stützen könnte.
- Kapitalrückgabe: Micron hat eine Dividende von 0,15 Dollar je Aktie bestätigt, Zahltag ist der 21. Juli 2026.
Die HBM-Produktion gilt Berichten zufolge bis Ende 2026 als ausverkauft, Bestellungen reichen bereits bis ins Jahr 2027. Strategische Kundenverträge mit Mindestpreisgarantien sichern Micron zusätzlich langfristige Umsatzsicherheit – ein Polster, das die Kartellklage kaum sofort gefährden dürfte.
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