Micron treibt seinen US-Ausbau in einem Tempo voran, das selbst Branchenkenner überrascht. Der Speicherchip-Hersteller stockt sein Investitionsprogramm auf über 250 Milliarden Dollar bis 2035 auf. Der Auslöser: eine KI-getriebene Nachfrage nach Speicherchips, die das Angebot deutlich übersteigt.
Micron sichert sich den Nachschub an Rohsilizium
Ein zentraler Baustein der Strategie betrifft die Rohstoffbasis. Micron stellt bis zu drei Milliarden Dollar für den Ausbau der heimischen Halbleiter-Lieferkette bereit. Davon fließen 500 Millionen Dollar in eine neue 300-Millimeter-Wafer-Fabrik von GlobalWafers in Sherman, Texas.
Ergänzend dazu haben beide Unternehmen einen Liefervertrag über zehn Jahre geschlossen. Der Vertrag soll Micron dauerhaften Zugang zu Rohsilizium sichern und die Fertigung flexibler machen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Analysten warnen bereits vor Engpässen bei Silizium-Wafern zwischen 2028 und 2030, wenn die Nachfrage nach KI-Speicher- und Logikchips laut Prognosen sprunghaft steigen soll.
Baustart in New York schneller als geplant
Am 9. Juli 2026 hat Micron den ersten Beton am Standort Clay im US-Bundesstaat New York gegossen. Das markiert den Übergang von der Standortvorbereitung zum eigentlichen Hochbau. Micron liegt damit mehr als ein Quartal vor dem ursprünglichen Zeitplan.
Die Anlage soll die größte Chipfabrik in der Geschichte der USA werden. Micron verfolgt damit ein klares Ziel: 40 Prozent seiner DRAM-Produktion sollen künftig aus den USA stammen.
Autohersteller sichern sich Speicherchips langfristig
Parallel zum Fabrikausbau baut Micron auch die Abnehmerseite ab. Nein – das Unternehmen sichert sie ab. Konkret hat Micron mit General Motors und Ford langfristige Lieferverträge geschlossen, um kommende Fahrzeugplattformen mit Speicherchips zu versorgen.
Solche Verträge geben Micron mehr Planungssicherheit. Der Konzern macht sich damit unabhängiger vom volatilen Spotmarkt für Speicherchips.
Rekordjahr trifft auf geteilte Analysten-Meinung
Die Micron-Aktie kostet aktuell 862,60 Euro, ein Plus von 4,71 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Kursgewinn von 748,51 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch bei 1.103,80 Euro vom 25. Juni 2026 liegt der Titel aber noch 21,85 Prozent entfernt.
Bei den Einschätzungen der Analysten gehen die Meinungen deutlich auseinander. Citi bestätigt das Kaufrating und nennt ein Kursziel von 1.400 Dollar, gestützt auf steigende DRAM-Preise im KI-Boom. Der Analysedienst GuruFocus kommt zu einem gegenteiligen Schluss und sieht die Aktie um 81,6 Prozent überbewertet gegenüber seinem GF Value.
CEO Sanjay Mehrotra begründet die milliardenschweren Investitionen mit der aktuellen Marktlage. Die Nachfrage nach DRAM und NAND übersteige das Angebot derzeit deutlich, so Mehrotra. Nach seiner Einschätzung dürfte diese angespannte Lage über 2027 hinaus anhalten.
Mit der neuen Wafer-Fabrik in Sherman, dem beschleunigten Bau in Clay und den Abnahmeverträgen mit GM und Ford schafft Micron in mehreren Bereichen gleichzeitig neue Fakten. Bis 2035 soll daraus ein Produktionsnetz entstehen, das 40 Prozent der globalen DRAM-Fertigung in die USA verlagert. Wie weit der Aktienkurs diese Zukunft bereits vorwegnimmt, bewerten Citi und GuruFocus derzeit so unterschiedlich wie selten zuvor.
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