Micron wird an der Börse gerade neu einsortiert. Nicht mehr nur als zyklischer Speicherchip-Hersteller, sondern als Engpasslieferant für KI-Rechenzentren. Der Auslöser ist eine klare Botschaft des Managements: Die Knappheit bei HBM und DRAM könnte deutlich länger dauern als viele Modelle bisher unterstellen.
Speicherchips werden zum Engpass
JPMorgan-Analysten verweisen nach der jüngsten Technologiekonferenz der Bank auf eine strukturelle Schieflage im Markt. Micron beschreibt die Lage nicht als klassischen Zyklus am Hochpunkt, sondern als Knappheit, die „weit über den Zeitraum 2026 hinaus“ anhalten dürfte.
Besonders wichtig ist High-Bandwidth Memory, kurz HBM. Diese Speicherchips sind zentral für KI-Beschleuniger und moderne Rechenzentrums-GPUs. Micron kann nach eigenen Einschätzungen derzeit nur rund 50 bis 67 Prozent der Nachfrage wichtiger Kunden bedienen.
Der Grund liegt in der Produktion. HBM verschlingt nahezu dreimal so viel Waferkapazität wie klassischer DDR5-Speicher. Die Folge: Microns gesamte HBM-Produktion für den Rest des Jahres ist bereits über Festpreisverträge verkauft.
HBM4 kommt schneller
Technologisch setzt Micron auf Tempo. Die Produktion von HBM4 läuft nach Unternehmensangaben doppelt so schnell hoch wie zuvor bei HBM3. Für Kunden aus dem KI-Umfeld ist das entscheidend, weil kommende Beschleuniger mehr Bandbreite und effizientere Speicherarchitekturen verlangen.
Auch der nächste Fertigungsknoten spielt eine große Rolle. Der 1-Gamma-Prozess mit EUV-Lithografie soll nach Microns Planung zum volumenstärksten DRAM-Knoten der Unternehmensgeschichte werden. Erste Muster von HBM4E auf dieser Basis sind für einen Produktionshochlauf im Kalenderjahr 2027 vorgesehen.
An der Börse spiegelt sich diese Neubewertung bereits massiv. Die Micron-Aktie schloss am Montag bei 674,60 Euro und liegt auf Monatssicht 50,93 Prozent im Plus. Über zwölf Monate steht sogar ein Anstieg von 710,72 Prozent zu Buche.
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Billionen-Club rückt näher
In den USA schloss die Aktie zuletzt bei rund 751 Dollar. Damit liegt die Marktkapitalisierung nahe 850 Milliarden Dollar. Ein Sprung in den Kreis der Billionen-Dollar-Unternehmen wäre rechnerisch mit weniger als 18 Prozent weiterer Kurssteigerung erreicht.
Spannend ist dabei die Bewertung. Trotz der extremen Kursrally wird Micron auf Basis der Gewinnschätzungen nur mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 8 gehandelt. Der Zacks-Konsens für das Geschäftsjahr 2026 stieg zuletzt auf 58,94 Dollar Gewinn je Aktie.
Einige längerfristige Modelle gehen noch weiter. Sie sehen bei hochlaufender Produktion in neuen Fabriken einen Gewinn von bis zu 100 Dollar je Aktie im Geschäftsjahr 2027. Das erklärt, warum Analysten ihre Kursziele teils deutlich nach oben ziehen.
Der Konsens liegt derzeit bei 613,23 Dollar. DA Davidson nennt 1.000 Dollar, Melius Research sogar 1.100 Dollar. Die optimistischeren Ziele setzen darauf, dass Micron dauerhaft höhere Margen erzielt, wenn HBM knapp bleibt und die Nachfrage aus dem KI-Sektor weiter drückt.
Die Kehrseite bleibt der Kapitalbedarf. Micron investiert stark in große Fertigungskomplexe in Idaho und New York. Diese Werke sollen langfristig helfen, die strukturelle Knappheit zu entschärfen und bis 2036 rund 40 Prozent der weltweiten Produktion in den USA abzudecken.
Der nächste harte Prüfpunkt kommt am 1. Juli 2026 mit den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal. Dann zählt weniger die KI-Erzählung als der Nachweis, wie stark Festpreisverträge, HBM-Auslastung und Investitionskosten tatsächlich in den Gewinn durchschlagen.
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