346 Prozent Umsatzwachstum in einem einzigen Quartal. Micron Technology liefert aktuell Zahlen, die selbst optimistischste Analysten überraschen. Dennoch schickten Anleger die Papiere am Freitag auf Talfahrt.
Der Kurs fiel um 6,52 Prozent auf 995,60 Euro. Zuvor hatte der Speicherspezialist ein neues Rekordhoch bei 1.103,80 Euro markiert.
Rekordmargen und volle Auftragsbücher
Der jüngste Quartalsbericht sprengt die üblichen Maßstäbe. Micron meldete für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge sprang von 39 Prozent im Vorjahr auf rund 85 Prozent. Für das kommende Quartal peilt das Management bereits 50 Milliarden US-Dollar an.
Ein massives Auftragspolster sichert dieses Wachstum ab. Der Konzern hat 16 strategische Kundenvereinbarungen geschlossen. Diese festen Abnahmeverträge bringen Vorabzahlungen in Höhe von rund 22 Milliarden US-Dollar ein. Damit bindet Micron bis 2030 ein Fünftel seiner DRAM-Kapazität und ein Drittel der NAND-Produktion.
Engpass bei KI-Speicherchips
Der Treiber hinter diesem Boom ist der Hunger nach High Bandwidth Memory (HBM). Diese Spezialspeicher sind für moderne KI-Anwendungen unverzichtbar. Aktuell kann Micron laut eigenen Angaben nur gut die Hälfte der weltweiten Nachfrage bedienen. Dieser Engpass dürfte bis über das Jahr 2027 hinaus bestehen bleiben.
Analysten von Bernstein Research erwarten drastische Preissprünge. Die HBM-Vertragspreise könnten sich bis 2027 mehr als verdoppeln. Nur so lasse sich die aufwendigere Produktion im Vergleich zu herkömmlichen Speicherchips wirtschaftlich ausgleichen.
Analysten uneins über die Zukunft
Die extreme Dynamik spaltet mittlerweile die Experten. Susquehanna hob das Kursziel kürzlich auf 2.000 US-Dollar an. Die Analysten verweisen auf einen erwarteten freien Cashflow von über 110 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027.
Morningstar mahnt hingegen zur Vorsicht. Zwar stieg der faire Wert auf 850 US-Dollar. Die Experten warnen aber vor einem Überangebot am Ende des Jahrzehnts. Normalisiert sich der aktuelle Aufschwung, könnten sich die Umsätze halbieren.
Makro-Risiken und Charttechnik
Kurzfristig rücken nun technische Marken und Konjunkturdaten in den Fokus. Trotz des jüngsten Rücksetzers notiert die Aktie noch immer gut 40 Prozent über ihrer 50-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von satten 270 Prozent auf der Anzeigetafel.
In der neuen Handelswoche treffen diese massiven Buchgewinne auf frische US-Arbeitsmarktdaten. Zeitgleich warnt die Investmentbank Jefferies vor überzogenen Erwartungen an die Infrastruktur-Investitionen der großen Tech-Konzerne. Fällt die Aktie unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro, droht ein Test der gleitenden Durchschnitte. Hält die Unterstützung, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend intakt.
