Micron Technology hat in den vergangenen Wochen einen der schärfsten Kursrückgänge seiner jüngeren Geschichte erlebt – ausgerechnet nachdem der Speicherchip-Hersteller die stärksten Quartalszahlen seiner Unternehmensgeschichte vorgelegt hatte. Vom Hoch im Juni aus verlor die Aktie zeitweise rund 30 Prozent, bevor sich zuletzt eine leichte Stabilisierung einstellte.
Am Freitag schloss das Papier bei 760,90 Euro, ein Minus von 0,54 Prozent zum Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch vom 25. Juni fehlen inzwischen 31,07 Prozent. Der Kurs notiert damit auch spürbar unter seinem eigenen 50-Tage-Durchschnitt von 851,99 Euro, unterschreitet ihn um 10,69 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich der Aufwärtstrend der vergangenen Monate erst wieder fangen muss.
Rekordumsatz, aber Anleger bleiben skeptisch
Fundamental gibt es an der Geschäftsentwicklung wenig zu kritisieren. Im dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte Micron einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar, der Nettogewinn lag bei 28,24 Milliarden Dollar, die Bruttomarge bei 84,6 Prozent. Für das vierte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar und eine Marge von etwa 86 Prozent in Aussicht. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 wuchs der Umsatz um 203 Prozent auf 79 Milliarden Dollar, das Nettoeinkommen erreichte eine Marge von 60 Prozent.
Treiber ist der Boom bei High-Bandwidth-Memory-Chips für KI-Anwendungen. Micron hat die Serie HBM4 bereits in die Volumenproduktion überführt, HBM4E soll 2027 folgen. Das Unternehmen hat sich zudem über Preisvereinbarungen mit einer Laufzeit von fünf Jahren gegen kurzfristige Marktschwankungen abgesichert und plant Investitionen von mehr als 250 Milliarden Dollar in den USA bis 2035. Dass die Aktie trotz dieser Perspektive so deutlich korrigiert, liegt vor allem an der aufgelaufenen Bewertung nach einem Kursgewinn von zuletzt 692,60 Prozent binnen zwölf Monaten – Anleger nehmen nach diesem Lauf offenbar Gewinne mit.
Analysten sehen weiter Potenzial
Der Analystenkonsens bleibt trotz der Korrektur klar positiv und stuft die Aktie im Schnitt mit „Buy“ ein, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.260,31 Dollar. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten ein Umsatzwachstum von 247 Prozent, für 2027 von weiteren 85 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der vergangenen zwölf Monate bei rund 20, auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate bei etwa 12 – ein für ein Wachstumsunternehmen dieser Größenordnung ungewöhnlich niedriger Wert.
Bei institutionellen Investoren zeigt sich im zweiten Quartal ein gemischtes Bild: Während einzelne Fondsgesellschaften ihre Positionen deutlich aufstockten, reduzierten andere ihre Bestände spürbar. Parallel dazu verkauften Unternehmensinsider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von 169,4 Millionen Dollar – ein Volumen, das im Kontext der aktuellen Marktkapitalisierung von 872,53 Milliarden Euro vergleichsweise gering ausfällt, aber von Beobachtern als Signal für vorsichtige Gewinnmitnahmen gewertet wird.
Speicherchip-Markt bleibt eng
Die strukturelle Ausgangslage für Micron bleibt günstig. Der Wettbewerber SK Hynix investiert umgerechnet rund 38 Milliarden Dollar in zwei neue Fabriken in Südkorea, eine für DRAM in Yongin, eine für NAND in Cheongju. Der Bau beginnt frühestens 2027, mit Produktionsstart nicht vor 2028 beziehungsweise 2029. Bis dahin dürften die Preise für Speicherchips hoch bleiben, wie Marktbeobachter erwarten. Micron selbst ist bei HBM-Speicher bis 2027 ausverkauft.
Auch die Nachfrageseite unterstreicht die Knappheit: Apple lagert wegen der DRAM-Verknappung unfertige A20-Pro-Chips im Wert von rund einer Milliarde Dollar bei seinem Fertiger ein, um Produktionsrisiken für kommende iPhone-Modelle abzufedern. Als Risiko für Micron gilt der chinesische Hersteller CXMT, der eigenen Angaben zufolge noch im laufenden Jahr mit der HBM-Produktion beginnen könnte – ein möglicher Wettbewerbsfaktor für die kommenden Jahre.
Halbleiter-Sektor unter Druck
Der Kursrückgang bei Micron ist Teil einer breiteren Korrektur im Chipsektor. Halbleiterindizes gaben von ihren Hochs teils um bis zu 29 Prozent nach, gehebelte Branchen-ETFs verloren sogar rund 60 Prozent, ausgelöst unter anderem durch den Zusammenbruch eines auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Hedgefonds. Binnen zwei Handelstagen flossen anschließend rund 11 Milliarden Dollar in Halbleiter-ETFs zurück, während der Bull-Bear-Indikator von Bank of America seinen höchsten Stand seit 2021 erreichte.
Belastend wirkte zudem der schwache US-Arbeitsmarktbericht für Juli mit einem unerwarteten Rückgang der Beschäftigung um 23.000 Stellen. Die Notenbank hat eine Zinserhöhung im September vorerst vom Tisch genommen, die Inflationsdaten der kommenden Woche gelten als nächster wichtiger Termin für die Marktrichtung – auch für zyklische Werte wie Micron.
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