Micron-Aktien legten am Dienstag um 7,56 Prozent zu und schlossen bei 775,60 Euro. Damit setzt der Speicherchip-Hersteller seine Erholung fort: Binnen sieben Handelstagen stieg der Kurs um 19,30 Prozent. Der Auslöser ist ungewöhnlich konkret: Die drei größten Speicherhersteller der Welt haben ihre komplette Produktionskapazität für 2027 bereits verkauft.
Der Speichermarkt bucht Jahre im Voraus
Micron, Samsung und SK Hynix haben laut Branchenkreisen ihre Kapazitätsverhandlungen für das gesamte Jahr 2027 abgeschlossen. Das geschah Monate früher als erwartet. Grund ist die enorme Nachfrage nach HBM-Speicher und High-End-Serverchips für KI-Infrastruktur.
Die Hersteller priorisieren margenstarke KI-Produkte gegenüber Standard-DRAM. Das bedeutet: Für Smartphone- und PC-Hersteller bleibt 2027 deutlich weniger Speicher übrig als in diesem Jahr. Dritte Anbieter finden praktisch keine freien DRAM-Wafer mehr am Markt.
Diese Entwicklung erklärt auch die aktuelle Kursbewegung. Bereits am 4. August zogen Micron-Aktien im vorbörslichen Handel um mehr als drei Prozent an, gemeinsam mit SanDisk und SK Hynix. Der gesamte US-Speichersektor zog mit.
Eine Woche mit heftigen Ausschlägen
Der aktuellen Erholung ging ein scharfer Einbruch voraus. Am 3. August fielen Speicherwerte im vorbörslichen Handel kollektiv, Micron traf es am härtesten. Auslöser war eine Kettenreaktion aus mehreren Faktoren gleichzeitig.
Berichte, wonach Apple die Preismacht des DRAM-Oligopols angreifen will, verunsicherten den Markt. Parallel führte Japan neue Exportkontrollen für Halbleiter ein. SK Hynix und Samsung brachen im asiatischen Handel um mehr als sieben Prozent ein, Kursverluste aus Asien schwappten direkt in den US-Handel über.
Der 30-Tage-RSI von 48,2 zeigt: Nach diesen Ausschlägen ist die Aktie weder über- noch unterverkauft. Die annualisierte Volatilität von 112,44 Prozent bleibt allerdings hoch — der Titel schwankt deutlich stärker als der breite Markt.
Analysten bleiben trotz Turbulenzen optimistisch
BofA-Analyst Vivek Arya hob sein Kursziel von 1.500 auf 1.550 Dollar an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Er begründete dies mit einem „weiteren denkwürdigen Übertreffen der Erwartungen“ — Micron schlug die Gewinnschätzungen bereits das achte Quartal in Folge um 24 Prozent. BofA rechnet damit, dass der HBM-Markt bis 2030 auf 246 Milliarden Dollar wächst.
Micron hat sich bereits 16 mehrjährige Kundenverträge gesichert, um von diesem Wachstum zu profitieren. Arya bezeichnet den jüngsten Kursrückgang bei Chipwerten als „Sommer-Reset“, nicht als fundamentale Trendwende. Die frühzeitige Buchung der 2027er-Kapazitäten stützt diese These zusätzlich: Sie deutet darauf hin, dass sich Speicherhersteller von einem zyklischen Geschäftsmodell hin zu langfristig vertraglich abgesicherter Nachfrage bewegen.
Ob dieser Wandel tragfähig ist, hängt allerdings von den Investitionsausgaben der großen Cloud-Anbieter ab. Bleibt deren Kapitalbudget für KI-Infrastruktur hoch, dürfte die Kapazitätsknappheit anhalten und die Preise stützen.
Die Aktie notiert trotz der jüngsten Erholung noch 10,02 Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen und liegt mit 854,42 Euro klar unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Zum Rekordhoch von 1.103,80 Euro aus dem Juni fehlen noch 29,73 Prozent. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die langfristigen Kapazitätszusagen für 2027 ausreichen, um das Vertrauen zurückzubringen, das die Aktie im Frühsommer auf Rekordniveau trieb.
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